Maria Knapp, Winkl m.knapp@hf-kirchberg.at

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4. Zum Deutschen Orden[47]

Abb. 11: Wappen des Deutschordens Zeichnung: Rudolf Delapina Foto: A. Nowotny

Der "Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem", kurz Deutschorden, Deutscher Orden,  Deutschritterorden, auch Deutscherrenorden  ging aus einem Feldhospital Bremischer und Lübischer Kaufleute während des 3. Keuzzuges um 1190 bei der Belagerung  Akkons als Spitalgemeinschaft hervor. Dieser bestätigte Papst Innozenz III. am 19.02.1199 die Umwandlung in einen Ritterorden und die Verleihung der Johanniter- und Templerregel.[48]

Eine beträchtliche Rolle zum Besitz des Deutschen Ordens in Oberstockstall spielten einerseits die "Payr von Ponsee", ein in Maria Posee, Rußbach und Winkl ansässiges Adelsgeschlecht im Gefolge der Herren von Winkl. 1150/58 wird ein Heinrich Bawarus und 1175/85 ein Sighard Bawarus genannt, was auch auf eine Nähe zu den Sigeharden von Stockstall schließen läßt.

Herbort II. von Winkl (Payr) war von 1327 bis 1335 Comtur der Deutschordencommende Wien.[49]

Anderseits die Herren von *Werde, die sich nach einem  Sitz *Werde in Kammern nannten und deren Abstammung sich von den Falkenbergern  (Ruine Falkenberg in Straß) und damit von den Herren von Schwarzenburg-Nöstach (Haderichen) herleiten.[50] Siehe auch Anmerkung 30. Sie hatten umfangreichen Besitz in Großriedenthal, Ottenthal, Ruppersthal, Baumgarten, Engelmannsbrunn, Oberstockstall, dem abgekommenen Dorf Glatzmanns bei Altenwörth, eine Mühle in Altenwörth, die Inseln Pausche und Hanndorfer (Hannidorf), Kollersdorf, Sachsendorf...[51]

Die Dorfherrlichkeit des Deutschen Ritter Ordens in Oberstockstall:

Um 1180 tradiert die Nonne Riza (Richiza) von Iwanstal (Eibesthal) zwei Allode (freie Eigen) in Stockstall an das Stift Klosterneuburg.  Ein Zeuge dieser Transaktion ist Wofger von Erla, der nach seiner Rückkehr vom Kreuzzug 1197/98 die päpstliche Zustimmung zur Gründung des Deutschen Ordens einholte. Wolfger von Erla war von 1191 bis 1204 Bischof von Passau und ab 1204 Patriarch von Aquileia.[52]

1253,  bestätigt am 13. April 1255, werden diese zwei Mansen und Gülten von 2 Talenten durch den Deutschen Orden in Person des Komturs Ortolf von Traiskirchen im Tauschwege vom Stift Klosterneuburg gegen dessen Gutshof in Hietzing erworben.[53] Ein Zeuge dieser Transaktion ist u.a. der Deutschordensbruder Otto de *Werde.

1223, Rom, Lateran, den 22.Juni trägt Papst Honorius III. allen Bischöfen und Prälaten auf, daß sie von den Gütern der "Deutsch-Ordensbrüder, welche sie selbst bebauen, keinen Zehenten erpressen, noch zu dulden , dass dies andere Leute tun."[54]

Das dürfte die Grundlage sein, warum der Bärenhof zum Freihof geworden ist.

"Aus dem Jahre 1255 (Der Heimatkalender des Tullner Bezirkes, JG. 1954, S 50 nennt statt 1255 das Jahr 1253) stammt der erste urkundliche Nachweis über den Erwerb von Grund und Boden in Oberstockstall durch den Deutschen Ritter Orden. Mit diesem Jahr hebt ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Besitzverhältnisse in Oberstockstall an, soweit das Gebiet nicht vom Besitzkomplex des Passauer Domkaitels umfaßt war, sondern westlich und nördlich desselben im Anschlusse an das Angerdorf Oberstockstall lag.

Die Namen der Geschlechter von Stochestale, Stockstall und Werd verschwanden allmählich. Der Deutsche Orden trat an ihre Stelle, erlangte schließlich die Dorfherrlichkeit in Oberstockstall, um sie nach 200jähriger Blütezeit 1459 an das Stift St. Dorothea zu überlassen."[55]

1290, den 12.Dezember beendet Werner der Paier von Winkl den Streit mit dem Deutschordenshaus in Wien um das Lehen des Frauendorfers in Engelmannsbrunn, indem er Verzicht leistet, wofür außer ihm Hadmar von *Werde bürgt. Siegler: der Aussteller und Hadmar von *Werde. Zeugen: Chalhoch von Ebersdorf, Albrecht von Puchheim, Ortlieb [V.] von Winkl und sein Bruder Hadmar, Marchard der Mistelpech, Otto von Hagenberg, Reinbot der Zeleup, Griffe, Konrad Polle, Heinrich der ammann von Stockstall, Dietmar und sein Bruder Ernst.[56]

Vermutlich saß Heinrich der amman (=Amtmann) von Stockstall bereits als Ortsrichter des Deutschen Ordens auf einem  Hof, aus denen später der  Bärenhof gebildet wurde.

Fandl schreibt weiter:

"1266 (19.09.) kauften Hadmar und Kadolt von Werde Gülten, Äcker und eine Badstube (!) zu Oberstockstall mit einem jährlichen Gelddienst von 9 Talent Denare (1 Talent hatte 240 Denare und 1 Denar war etwa die Kaufkraft von heutigen 2 Schillingen).

1320 kaufte der Deutsche Ritterorden in Oberstockstall  8 Lehen, 2 Hofstätten und einen Garten. Damit wird wohl das Geschlecht der Herren von (Ober)Stockstall spätestens erloschen sein.

1341 verzeichnet das Urbar Doza Hs 425, 426 der Deutschen Ordenskommende den Besitz in Oberstockstall so: "Man dient uns ze Stockstall in dem Dorf von 8 Lehen jährlich zu Michaeli 48 Hühner und von 2 Hofstätten und von einem Garten 15 Muth Getreide (1 Muth = 1845 l) und von den Überländ-Gründen (zusätzliche Rodungen am Rande der Dorfflur??)[57] 9 Pfund und 4 Denare (1 Pfund = 240 Pfennige, der Taglohn eines Weingartenarbeiters betrug nur 4 Pfennige) bis Michaeli oder Georg (W. Latzke, Besitzgeschichte der Deuschordenskommende im 14. Jhdt.)."