Maria Knapp, Winkl m.knapp@hf-kirchberg.at

Liederbuch 1

Dass diese überlieferten Liedtexte von Leopold Magerl aufgezeichnet wurden und so der Nachwelt erhalten blieben, ist ausschließlich dem Engagement des Bezirksschulinspektors Leopold Bergolth aus Tulln zu verdanken. Im Jahr 1928 war er für drei Monate als Junglehrer an der Volksschule in Kollersdorf tätig. Die gegenüber dem Schulgebäude gelegene Dorfschmiede Reinwein war damals ein beliebter Treffpunkt der Dorfburschen. Hier wurden nicht nur die Ereignisse des Tages besprochen, sondern oft auch stundenlang gemeinsam gesungen. Schon einen Tag nach seiner Ankunft in Kollersdorf gesellte sich Leopold Bergolth zu ihnen. Auf seine damalige Bitte hin, die Liedtexte für ihn aufzuschreiben, kam Leopold Magerl in beispielhafter Weise nach: Gemeinsam mit seinem Bruder Josef verfasste er eine zweibändige Liedertexthandschrift. Zwischen 1975 und 1980 kehrte Bergolth erneut nach Kollersdorf zurück, um auch die Melodien dieser Lieder festzuhalten.

Doch wer war Leopold Magerl? Geboren wurde er am 5. November 1904 in Kollersdorf 8. Sein Vater war – wie später auch er selbst – Landarbeiter und Straßenwärter. Im Elternhaus wurde viel gesungen, was die musikalische Entwicklung der Kinder maßgeblich förderte. So verwundert es nicht, dass Leopold Magerl zu den eifrigsten Besuchern und Sängern beim täglichen Burschentreff gehörte. Darüber hinaus erhielt er in Winkl bei Kapellmeister Leopold Zehetner, einem ehemaligen Militärmusiker des Infanterieregiments Nr. 84, Klarinettenunterricht.

Heuriger Eder, Kollersdorf 62Heuriger Eder um 1970: Margaretha Eder (Sachs. 25), Anna Ploiner (S. 11), Franz Ploiner (S. 4), Josef Berger (Koll. 36), Johann Steudl (S. 3, hinten), Josef Ploiner (S. 11), Leopold Magerl (K. 26)

Leopold Bergolth erinnert sich:
Herr Magerl begann seine Textniederschriften schon 1936, wenngleich die erste Bucheintragung (Band I, S. 78) erst vom 24. April 1937 stammt („geschrieben 12 Uhr nachts!“). Die Texteintragungen erfolgten ohne Vorlagen – so, wie sie sich ihm aus dem Gedächtnis anboten. Die Texteintragungen müssen sehr zügig vorangegangen sein, denn beim Eintragungsdatum 25. Mai 1937 (Band II) finden wir schon die fortschreitende Liednummer 223!

Als 1939 Leopold Magerl zur Deutschen Wehrmacht einberufen wurde, nahm er, wie er mir erzählte, seine zwei Lieder-Textbücher mit und trug sie an allen Fronten im Tornister. Er machte zuletzt den ganzen russischen Feldzug mit und kam so mit seiner Einheit in den Kaukasus, wo bei einer Kampfpause sein Kamerad Erwin Poltke (ein Sudetenländer) das Lied Nr. 234, Band II, mit folgender Anmerkung eintrug: „Aufgeschrieben vom Kriegskameraden Erwin Poltke aus Löwenberg in Schlesien. Geschrieben in Bataisk im Kaukasus, Rußland, am 29. November 1942“. Herr Magerl hatte Glück: er hat nicht nur den großen Rückzug aus dem Kaukasus und das Kriegsende heil überstanden, sondern ist auch der Kriegsgefangenschaft entgangen, sodaß er seine zwei Liedertextbücher unversehrt nach Hause bringen konnte. Sie waren ihm ein unveräußerlicher Schatz, den er mir in freundschaftlicher Verbundenheit zur Auswertung für die Volksliedforschung für das NÖ Volksliedwerk anvertraut hat.

Leopold Magerl, langjähriges und besonders verdienstvolles Mitglied der Ortsmusik, verstarb am 16. August 1992 in Kollersdorf 26. In seiner gewiss knapp bemessenen Freizeit widmete er sich nicht nur der Aufzeichnung von Liedtexten, sondern fertigte auch unzählige Notenabschriften für den Musikverein an. Ein von Leopold Bergolth dokumentiertes „Sauflied“ wurde in das 1984 im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft Singen und Musizieren in Niederösterreich herausgegebene Buch „Rund um den Wein – Volkslieder aus Niederösterreich aufgenommen. Weitere Lieder finden sich im 1992 erschienenen Buch „Lieder aus dem Tullnerfeld“. Die „Sammlung Bergolth“, in Fachkreisen bekannt und geschätzt, wird im Niederösterreichischen Volksliedarchiv in St. Pölten aufbewahrt.

Aus der Lieder-Texthandschrift des Leopold Magerl

Liederbuch Inhalt

Lied Schlossergsell

Schwalbenlied

Aus dem Niederösterreichischen Volksliedwerk

Volksliedwerk 1

Volksliedwerk Blatt 2

Volksliedwerk Blatt 3

März 2026
Herbert Eder, Kollersdorf