(1913–1989), Geologe, Paläontologe
Prof. Dr. Friedrich Bachmayer war ein anerkannter Wissenschaftler und Direktor des Kunsthistorischen Museums in Wien, dessen Familie ihre Wurzeln in Sachsendorf hatte.
Familie
Adolf Bachmayer (geb. am 15.6.1886), Sohn des Wirtsehepaares Katharina und Michael Bachmayer von Sachendorf 8, übernahm nicht den elterlichen Betrieb, sondern führte um 1913 in Kamegg im Kamptal ein Gasthaus. Hier wurde Sohn Friedrich am 10.9.1913 geboren. Der Tod seines Vaters dürfte ihn zu einer kurzen Rückkehr nach Sachsendorf bewogen haben, denn Tochter Anna wurde 1917 hier geboren. Die Matriken weisen ihn als Gastwirt aus. (Der ältere Sohn Adolf wurde 1910 in Sachsendorf geboren). Vermutlich zur Zeit der Gewerberücklegung durch seine Mutter übersiedelte er nach Wien. Dem Gast- und Schankgewerbe blieb Adolf Bachmayer treu, 1923 wurde er als Gastwirt in Wien geführt.
Im Jahr 1951 heiratete Friedrich Bachmayer Elvira Oroszi (8.4.1913 - 8.1.1997, beides Wien).
Er ist am 25.7.1989 in Wien verstorben und am Zentralfriedhof bestattet.
Ausbildung
Nach dem Besuch der Bundeserziehungsanstalt für Knaben in Wien-Hietzing (Matura 1931) arbeitete Friedrich Bachmayer bis 1935 für eine Wiener Hausverwaltung und studierte ab 1935/36 Paläontologie, Zoologie und Geologie an der Universität Wien. 1940 wurde er dort mit seiner Dissertation „Beiträge zur Kenntnis der Tithonfauna aus dem Raume von Ernstbrunn, Niederdonau“ zum Dr. phil. promoviert.
Berufliche Laufbahn
Links Dr. Bachmayer bei Grabungen in Kohfidisch im BurgenlandAb 1938 bei einer Wiener Versicherungsgesellschaft als Beamter tätig, wurde Bachmayer Ende 1939 zur Deutschen Wehrmacht einberufen und diente zunächst in Russland sowie 1942–45 als Wehrgeologe in Norwegen.
Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1946 wieder in der Privatwirtschaft tätig, trat er 1949 als wissenschaftlicher Beamter in das Naturhistorische Museum in Wien ein und wurde dort 1966 Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung. Von 1972 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1978 war er Direktor des Museums.
Ausgehend von seiner Dissertation widmete sich Bachmayer intensiven Untersuchungen und Aufsammlungen im Oberen Jura von Ernstbrunn, führte jedoch auch systematische Grabungen nach fossilen Wirbeltieren in Kohfidisch (Burgenland) und Griechenland sowie nach miozänen Insekten in Weingraben (Burgenland) durch. In knapp 150 wissenschaftlichen Publikationen beschrieb er schwerpunktmäßig Funde fossiler Krebstiere und Schildkröten, häufig mit Bezug zu Niederösterreich.
Er war ab 1975 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Korrespondent der Geologischen Bundesanstalt in Wien.
Seine Verdienste um das Naturhistorische Museum
Gestaltung von 30 Sonderausstellungen
Renovierung von vier Schausälen
Museumspädagogische Aktivitäten
Verbesserung der technischen und baulichen Infrastruktur
Er rückte das Museum stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit
Gründung der Naturwissenschaftlichen Zeitschrift „Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien“
Einführung der Ferdinand von Hochstetter-Medaille für Verdienste um das Museum
Begründung der Schriftenreihe „Neue Denkschriften des Naturhistorischen Museums in Wien“ (6 Bde., 1977–2001), eine innovative Schriftenreihe
Ehrungen
1963 erhielt er den Theodor Körner-Preis
1965 den Berufstitel Professor
1968 den Kulturpreis des Landes Niederösterreich für Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft
1976 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
1980 den Kulturpreis des Landes Burgenland
1971 erfolgte seine Ernennung zum wirklichen Hofrat.
Nach ihm benannte Tiere
Nach ihm wurden 1950 die Schwimmassel Sphaeroma bachmayeri,
1955 die Fossile Koralle Microphyllia bachmayeri,
1966 die Fossile Koralle Montastrea bachmayeri,
1968 die Süßwasserkrabbe Trichodactylus bachmayeri,
1978 die Fleischfliege Sarcophaga bachmayeri,
1979 der Fadenwurm Procamallanus bachmayeri, die Brackwespe Euopius bachmayeri und die Tellerschnecke Gyraulus bachmayeri,
1984 die Fossile Krabbe Xaiva bachmayeri sowie
2009 die Fossile Krabbe Bucculentum bachmayeri benannt.
Ein Portrait siehe hier.
Nachruf zum 10. Todestag
Hofrat Professor Dr. Friedrich Bachmayer Hofrat Bachmayer, Erster Direktor des Naturhistorischen Museums ab 1972, starb am 25. Juli 1989, sein zehnter Todestag war also im Sommer des Vorjahres. Das Foto zeigt ihn bei seiner Freilandarbeit im Steinbruch bei Ernstbrunn, in den Riffkalken des oberen Malm, deren Reichtum an Krebsresten ihn immer wieder anzog. Dieser Tätigkeit ist auch jener Ammonit zu danken, der das Emblem des Wiener Naturhistorischen Museum darstellt, auch in einer Sondermarke dargestellt. Aus einer naturverbundenen Familie stammend, galt sein Interesse von Jugend an der Paläontologie und den Fossillagerstätten vorwiegend Niederösterreichs. 1939 einberufen, wurde ihm das Eiserne Kreuz II Kl. verliehen. Als Geologe wurde er in Norwegen eingesetzt, geriet bis 1946 in Kriegsgefangenschaft. Seiner aktiven Sammeltätigkeit verdankte er die bewundernswerte Breite seines paläontologischen Wissens: Krebstiere, Schildkröten, Kleinsäuger, Insekten ... seine 149 Fachpublikationen dokumentieren das. Neben seinen Arbeiten bei Ernstbrunn sind seine Untersuchungen von Kohfidisch (Bez. Oberwart) und Weingraben ergebnisreich gewesen. Außerhalb Österreichs war er mehrjährig an der berühmten Fundstelle Pikermi (bei Athen) tätig sowie auf der Insel Tilos (Zwergelefanten!). Die Leitung der Redaktion der „Annalen“ und der „Denkschriften“ des NHMW war ihm viele Jahre anvertraut. Darüber hinaus bemühte er sich auch um die populärwissenschaftliche Zeitschrift „Universum“. Seine Tätigkeit als Leiter des NHMW setzte neue Impulse in jeder Richtung, wobei sowohl die Forschung als auch die Öffentlichkeitsarbeit vorangebracht wurden.
Quelle: https://www.zobodat.at/biografien/Bachmayer_Friedrich_Agemus_58_2000_0016.pdf
Da im Text erwähnte Foto siehe hier.
Juli 2025
Maria Knapp