Die Häuser um 1787 und 1820
(https://huh.oefr.at/karte/?data=gemeinde&filter=kirchberg+am+wagram#17/48.40753/15.84880)
Die angeführten Personen sind nicht immer die Bewohner der Häuser, da viele reichere Bauern sogenannte „Inleuthäuser“ hatten. Deren Bewohner mussten als Bezahlung für das Wohnen eine bestimmte Anzahl von Tagen für den Bauern arbeiten.
| Josephinische Landesaufnahme | Franziszeischer Kataster | Herrschaft | |
| 1 | Gemeinde | ||
| 2 | Johann Albrecht | Gemeinde | |
| 3 | Martin Grüneis | Mathias Holzinger | Stift Herzogenburg |
| 4 | Michael Ertl | Josef Ploiner | Thürnthal |
| 5 | Michael Brenner | Mathias Brenner | Grafenegg |
| 6 | Leopold Doblinger | Ferdinand Resch | Grafenegg |
| 7 | Andreas Ploiner | Anton Ploiner | Grafenegg |
| 8 | Andreas Grazmann | Theresia Bruckner | Winkelberg |
| 9 | Lorenz Hofbauer | Josef Kalchhauser | Grafenegg |
| 10 | Franz Wöber | Franz Knett | Grafenegg |
| 11 | Johann Leithner | Anna Weiss | Winkelberg |
| 12 | Josef Ecker | Michael Bekerthy | Grafenegg |
| 13 | Josef Sattler | Josef Magerl | Grafenegg |
| 14 | Josef Pfeifer | Mathias Krenn | Grafenegg |
| 15 | Anton Albrecht | Johann Preisinger | Winkelberg |
| 16 | Leopold Denk | Leopold Denk | Winkelberg |
| 17 | Michael Resch | Mathias Leithner | Winkelberg |
| 18 | Franz Rauscher | Konrad Resch | Grafenegg |
| 19 | Adam Leuthner | Johann Leuthner | Grafenegg |
| 20 | Josef Pfeifer | Gottlieb Spitzmüller | Grafenegg |
| 21 | Anna Maria Weiss | Josef Weiss | Grafenegg |
| 22 | Franz Pichler | Johann Spitzmüller | Grafenegg |
| 23 | Johann Weiss | Leopold Pasching | Grafenegg |
| 24 | Johann Steinpatz | Michael Sturm | Grafenegg |
| 25 | Josef Wallner | Josef Ploiner | Grafenegg |
| 26 | Anton Rauscher | Magdalena Rauscher | Grafenegg |
| 27 | Josef Lutter | Anreas Berthold | Grafenegg |
| 28 | Johann Krenn | Theresia Gschiesl | Grafenegg |
| 29 | Johann Pammer | Mathias Grüneis | Grafenegg |
| 30 | Georg Rollmann | Anton Stöckel | Grafenegg |
| 31 | Leopold Schwanzer | Michael Schwanzer | Thürnthal |
| 32 | Michael Lutter | ||
| 33 | Franz Weiss |
Februar 2025
Maria Knapp
Die Kunstdenkmäler von Sachsendorf
Entnommen aus:
DEHIO-HANDBUCH
Die Kunstdenkmäler Österreichs; Niederösterreich nördlich der Donau, 1990
SACHSENDORF. Gemeinde Kirchberg am Wagram. Polit. Bez. TullnStraßendorf südwestlich von Kirchberg am Wagram. – Urkunde um 1230. – Überwiegend eingeschossige Verbauung. Zwerchhöfe.
ORTSKAPELLE hl. Josef. Schlichter Apsisbau, bezeichnet 1844. Seitlich Lunettenfenster. Dachreiter mit Rundbogenfenstern und Biedermeierhaube. Innen Flachdecke. - Kruzifix mit seitlichen Figuren Hll. Johannes Nepomuk und Antonius, Mitte 19. Jh., restauriert 1985. Kleiner barocker Gnadenstuhl, 18. Jh. Ölbild hl. Josef, bezeichnet Ridler 1843. Kreuzwegbilder, kolorierte Kupferstiche Mitte 19. Jh.
17. April 2012
Maria Knapp
Gasthäuser in Sachsendorf
Sachsendorf 2
Nur wenige Eintragungen in den Pfarrmatriken belegen hier die Ausübung des Gast- und Schankgewerbes. Engelbert Albrecht (geb. um 1771), Sohn des Hauers und Schneidermeisters Johann Albrecht, wird bei der Geburt seiner Töchter Katharina am 9. November 1798 und Barbara am 30. November 1800 als Wirt und Hauer genannt. Ein weiterer Eintrag findet sich bei der Geburt seiner Tochter Anna Maria am 16. November 1802, allerdings unter der Hausnummer Sachsendorf 34. Bei später geborenen Kindern (1805 und 1809) ist nur der Beruf Hauer eingetragen, dies trifft auch bei der Geburt seines Sohnes Leopold am 9. September 1812 in Sachsendorf 2 zu.
Sachsendorf 8
Die Ausstellung eines Heimatscheines am 2. August 1880 könnte ein wichtiges Indiz für den Beginn der Ausübung des Gast- und Schankgewerbes sein. Beantragt wird dieser von Alois Faustenhammer (geb. am 19.7.1837, Sachsendorf 8, verst. am 30.4.1913, Sachsendorf, Armenhaus). Der von der Gemeinde ausgefertigte Heimatschein - vergleichbar dem heutigen Staatsbürgerschaftsnachweis - ist eine notwendige Beilage bei der Anmeldung einer gewerblichen Tätigkeit. Der Gasthausbetrieb ist nur wenige Jahre aufrecht. Die Einstellung dürfte Ende 1885, spätestens in den ersten Monaten des Jahres 1886 erfolgt sein. Von der Bezirkshauptmannschaft Krems wird die Rücklegung des Gast- und Schankgewerbes durch Alois Faustenhammer im Amtsblatt vom 27. Mai 1886 verlautbart.
Der wirtschaftliche Niedergang ist nicht aufzuhalten. Im März 1887 ordnet das Bezirksgericht Kirchberg am Wagram eine öffentliche Feilbietung des Hauses Sachsendorf 8 und mehrerer Äcker an. Am 28. August 1887 werden die Eheleute Michael Bachmayer (geb. am 16.8.1841) und Katharina (geb. 30.9.1843, geb. Magerl von Kollersdorf 7) die neuen Hauseigentümer. Ein bemerkenswerter Aufstieg für Michael Bachmayer: Er schafft es vom Inwohner zum Hauer und Hausbesitzer.
Jahre später entschließt er sich, an diesem Standort wieder ein Gasthaus zu führen und erhält am 21. Juli 1898 die Konzession für die Ausübung des Gast- und Schankgewerbes. Er betreibt auch eine Landkrämerei und eine Tabaktrafik, wie auf einer zeitgenössischen Ansichtskarte zu sehen ist. Michael Bachmayer übt das Gewerbe bis zu seinem Tod am 7. Jänner 1915 aus. Die Fortführung als Witwenbetrieb wird von der Bezirkshauptmannschaft Tulln mit Dekret vom 10. Juli 1915 zur Kenntnis genommen. Am 3. Jänner 1919 legt Katharina Bachmayer das Gewerbe zurück – sie ist zu diesem Zeitpunkt bereits 75 Jahre alt.
Sohn Adolf Bachmayer (geb. am 15.6.1886) hat sich letztendlich nicht für eine Übernahme des Betriebes entschieden, wie der Eintrag im Trauungsbuch vom 20. Februar 1912 vermuten lassen würde. Der als angehender Wirt bezeichnete Bräutigam führt 1913 in Kamegg im Kamptal ein Gasthaus. Der Tod seines Vaters dürfte ihn zur Rückkehr bewogen haben. Seine Tochter Anna wird am 16. März 1917 in Sachsendorf 8 geboren. Die Matriken weisen ihn als Gastwirt aus. Vermutlich zur Zeit der Gewerberücklegung durch seine Mutter übersiedelt er nach Wien. Dem Gast- und Schankgewerbe bleibt Adolf Bachmayer treu, 1923 wird er als Gastwirt in Wien geführt.
1924 übergibt Katharina Bachmayer ihrer Tochter Maria und deren
Gatten Karl Gaubitzer die der Landwirtschaft gewidmete Liegenschaft.
Katharina Bachmayer, Mutter von elf Kindern, erreicht ein biblisches Alter; sie stirbt am 25. November 1942 im 100. Lebensjahr, Sohn Adolf am 23. Juni 1953 in Wien-Favoriten.
Sachsendorf 12
Hinweise darauf, dass hier ein Gasthaus bestanden hat, haben sich ausschließlich in den Pfarrmatriken gefunden. Am 20. Juli 1874 stirbt in Sachsendorf 12 der Hauer und Gastwirt Josef Post im Alter von 41 Jahren. Er stammte aus Ottenthal, sein Vater war Hauer. Durch Heirat mit Katharina Bekerti kam er 1862 nach Sachsendorf. Seit wann das Gast- und Schankgewerbe ausgeübt worden ist, bleibt unbeantwortet. Geendet hat es jedenfalls mit dem Tod von Josef Post. Im selben Jahr sind auch seine Ehegattin und zwei Kinder verstorben. Blattern und Typhus fordern zu dieser Zeit viele Todesopfer. Die Liegenschaft geht nach einem Verfahren des Bezirksgerichtes Kirchberg am Wagram, wonach Gläubiger Forderungen an die Verlassenschaft einbringen konnten, 1875 an Franz und Anna Maria Magerl.
Sachsendorf 16
Ende der 1860er Jahre übersiedelt die Familie Wilhelm und Charlotte Blau als Inwohner hierher. Es ist der Beginn einer gewerblichen Tätigkeit an diesem Standort. Wilhelm Blau ist Viktualienhändler, dass er ein Geschäft eingerichtet hat, liegt auf der Hand. Hauseigentümer ist Leopold Denk, Hauer von Beruf.
Die jüdische Familie Blau war zuvor in Kollersdorf wohnhaft, Sohn Alexander wurde am 2. Dezember 1866 in Kollersdorf geboren, Tochter Regina am 18. September 1869 in Sachsendorf 16. Oft erschwert das Fehlen der Hausnummer genauere Zuordnungen, im gegenständlichen Fall sind Adresse und Beruf des Vaters in den Schulmatriken verzeichnet.
Ein weiteres Indiz ist ein Inserat in der Wiener Zeitung vom 15. August 1873: Danksagung. Der Viktualienhändler Wilhelm Blau aus Sachsendorf bei Kirchberg am Wagram fühlt sich hiemit veranlaßt, den Herren Fleischhauern und Viehhändlern, welche bei seinem Unglücke am Wr. Viehmarkte rasche Hilfe leisteten, sowie für die eingeleiteten Sammlungen, seinen innigsten Dank auszusprechen.
1876 erwerben die Eheleute Franz (geb. am 8.8.1824 in Engelmannsbrunn) und Johanna Heinzl (geb. am 3.5.1828 in Sachsendorf 16) die Liegenschaft. Johanna, eine geborene Denk, hat am 2. Mai 1854 in Altenwörth mit Franz Heinzl, wohnhaft in Sachsendorf 31, die Ehe geschlossen.
Aktenkundig ist an diesem Standort ein Gewerbebetrieb der Charlotte Blau bis Ende Dezember 1882, welcher ab 1. Jänner 1883 vom Hauseigentümer Franz Heinzl übernommen wird. Die Anfrage der Bezirkshauptmannschaft Krems vom 25. Jänner 1883 wegen Eignung der Lokalitäten berechtigt zur Annahme, dass Charlotte Blau das Gast- und Schankgewerbe ausgeübt hat. Zur Gaststube, sie hatte ein Ausmaß von zirka 19 m², musste man den rechten Eingang nehmen, erkennbar durch die Türaufschrift Wein & Bier. Der linke Eingang führte in die Greißlerei, dazwischen lag die Küche.
Die Eheleute Heinzl verkaufen am 16. April 1884 die Liegenschaft an Franz und Leopoldine Teufner aus Grafenwörth. Franz Teufner (geb. am 12.7.1823), Sohn eines Hauers in Wagram ob der Traisen, ist seit 1861 mit Leopoldine (geb. am 15.9.1834), Tochter des in Unterseebarn wohnhaften Hauers Michael Thiery, verheiratet. Mit der Übernahme des Hauses wechselt er vom Fleischer- in das Gast- und Schankgewerbe.
Nach kaum zweieinhalb Jahren Gewerbeausübung entschließen sich die Eheleute Teufner zum Verkauf. Ausschlaggebend könnte die Verehelichung von Tochter Anna am 19. Mai 1885 mit Josef Bauer, Gastwirt und Wirtschaftsbesitzer in Bierbaum, gewesen sein.
Als Käuferin tritt Karoline Hof (geb. am 21.1.1851 in Altenwörth, geb. Wallner) auf, der Kaufvertrag datiert vom 28. September 1886. Zu einer Fortführung des Gast- und Schankgewerbes ist es nicht gekommen, der Gemeinderat hat sich in Anbetracht des Lebenswandels der Karoline Hof dagegen ausgesprochen:
Protokoll vom 14. Dezember 1886
aufgenommen beim Bürgermeisteramte Altenwörth in Gegenwart der Gefertigten.
Gegenstand: Herr Bürgermeister bringt einen Antrag zur Verlesung, eingebracht von Herrn Franz Teufner, gewesener Gastwirt in Sachsendorf und noch wohnhaft daselbst mit dem Ersuchen, die Gemeindevertretung möge eine bündige, beschlußförmige Erklärung abgeben, ob Caroline Hof welche ihm die Behausung dortorts abgekauft, auf welcher er das Wirtsgeschäft ausübte von Seite der Gemeinde die Hoffnung hat, daß für ihre Person eine Conzessionsbewilligung befürwortet werde, zum Wirtshausbetriebe.
Nach Beratung dieses Gegenstandes wurde einstimmig beschlossen: Die Gemeinde ist in Anbetracht des Lebenswandels der Caroline Hof, welche von ihrem Ehegatten derzeit getrennt lebt nicht der Lage die Erteilung einer Conzession zum Gasthausgeschäfte zu befürworten. Herr Johann Teufner und Caroline Hof sind von diesem Beschluß in geeigneter Weise zu verständigen.
Karoline Hof führt nur die Greißlerei.
Am 8. Jänner 1887 ist von der Gemeinde ein Bericht über die Geschäftseinstellung des Wilhelm Blau an die Bezirkshauptmannschaft Krems ergangen. Diese verlautbart die Abmeldung des Viktualienhandels im Amtsblatt. Ein Jahr zuvor hat Wilhelm Blau bei der Bezirkshauptmannschaft ein Ansuchen um eine Handelslizenz beim Neulerchenfelder Markt in Wien eingebracht. Sachsendorf 16 dürfte der Familie Blau auch weiterhin als Wohnsitz gedient haben. Die Volkszählung zum Stichtag 31. Dezember 1880 weist sieben jüdische Bewohner in Sachsendorf aus. 1890 findet sich ein Hinweis über einen Wohnsitzwechsel nach Kollersdorf.
Die ablehnende Haltung des Gemeinderates gegenüber Karoline Hof führte letztendlich zum Rückkauf der Liegenschaft durch die Eheleute Franz und Leopoldine Teufner. Am 29. August 1887 kommt es zur Unterfertigung des Kaufvertrages. Kurz darauf, am 24. September, meldet Franz Teufner das Gewerbe für die Krämerei nebst Zucker-, Kaffee- und Petroleumhandel an. Karoline Hof stellt den Geschäftsbetrieb ein, am 7. Jänner 1888 ergeht von der Gemeinde ein Bericht an die Bezirkshauptmannschaft Krems.
1891 steht ein neuerlicher Eigentümerwechsel bevor. Am 3. März kaufen die Brautleute Josef Ehrgott und Barbara Brenner die Liegenschaft. Die Verkäufer sind vermutlich nach Bierbaum am Kleebühel verzogen, da beide auch dort verstorben sind. Als Gewerbeinhaber tritt der Müllermeisterssohn Josef Ehrgott (geb. am 26.6.1862 in Spitz) auf. Er meldet am 23. März die Landkrämerei und am 29. März das Gast- und Schankgewerbe an. Den Bund der Ehe hat er mit Barbara, Tochter eines Halblehners aus Großengersdorf, am 30. Juni 1891 in Altenwörth geschlossen.
Auch der Familie Ehrgott ist kein langer Aufenthalt in Sachsendorf beschieden. Ihre Nachfolge treten Josef und Katharina Derflinger an. Der Kaufvertrag datiert vom 28. Oktober 1892. Josef Derflinger ist der Sohn eines Schiffmannes aus Ennsdorf, seine Ehefrau stammt aus Steyr. Die Übernahme des Elternhauses veranlasst Josef Derflinger zum Verkauf. Er schaltet folgendes Zeitungsinserat im St. Pöltner Boten vom 1. März 1894:
Gasthaus und Krämerei mit Tabaktrafik und Branntweinverschleiß, ohne jede Concurrenz, ist zu verkaufen. Das Haus ist mit Ziegeln gedeckt, besitzt eine Kegelbahn und 2 Joch Grund, wovon ½ Joch schöner Obst- und Gemüsegarten ist. Preis 3.800 Gulden. Verkaufe nur wegen Übernahme des Elternhauses. Josef Derflinger in Sachsendorf, Post Kirchberg am Wagram.
Erst 1895 werden Käufer gefunden. Auch sie stammen aus Oberösterreich. Dem Eigentumserwerb durch die Ehegatten Karl und Maria Pötzleitner liegen die Kaufverträge vom 22. Februar und 16. März zu Grunde. Karl Pötzleitner, Sohn eines Gastwirtes in Frankenmarkt, übt das Gast- und Schankgewerbe aus und führt auch die Krämerei.
Spätestens mit dem Verkauf am 2. Juli 1897 an die Eheleute Moritz und Maria Beck endet die Gewerbeausübung des Karl Pötzleitner. Ob Moritz Beck, er war zuvor Amtsdiener in Wien, eine gewerbliche Tätigkeit überhaupt aufgenommen hat, ist fraglich. Zwar wurde von der Gemeinde der Bezirkshauptmannschaft Tulln das Konzessionsdekret am 22. September vorgelegt, die Anfrage vom 27. Oktober, wann die gewerblichen Tätigkeiten eingestellt worden sind, bestätigt aber diese Vermutung. Zu dieser Zeit tritt auch Franz Kauka als Inhaber des Gewerbes für das Gasthaus und die Landkrämerei auf.
Am 21. Jänner 1898 ist es wieder so weit, die Liegenschaft findet einen neuen Käufer, dieses Mal aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Johann Ploiner (geb. am 13.8.1852), wohnhaft in Sachsendorf 17, wird neuer Eigentümer. Ein Passus im Kaufvertrag über die mitverkauften Fahrnisse (bewegliches Vermögen; alles, was der fortdauernden Bewohnung dient) gewährt Einblick in die damalige Ausstattung eines Gasthauses und einer Krämerei: zwei Drogerie Decimalwagen, eine Budelwage mit Gewichter von 1 bis 5 Kilogramm, ein Schank mit zwölf Fächer, ein Petroleummesser, eine Mehltruhe mit drei Abteilungen, ein Setzkasten mit zwei Fächer, eine größere und eine kleinere Glocke, fünf lange Tische, vier Bänke, zwölf Sessel, sieben Fässer von sieben Liter bis vier Eimer, eine Flaschenstellage, eine Schankstellage mit drei Abteilungen, eine Standuhr, zwei Lampen, neun Flaschen, sämtliche Gläser, drei blecherne Schilder und neun Stück Hölzer.
Am 24. Juli 1898 wird die Gemeinde von der Bezirkshauptmannschaft Tulln über die „Abweisung“ der Gast- und Schankgewerbekonzession des Franz Kauka in Kenntnis gesetzt. Eine Überprüfung am 11. August hat ergeben, dass er das Gewerbe nicht ausübt. Spätestens im November 1898 ist es zur Niederlegung gekommen. Ein möglicher Grund dafür könnte eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Hauseigentümer gewesen sein.
Auch Michael Bachmayer, Wirt in Sachsendorf 8, reiht sich in die Liste der Gewerbeausübenden ein. Eine zeitliche Zuordnung ist nur bedingt möglich. Aktenkundig ist, dass Michael Bachmayer als Geschäftsvorgänger des Franz Magerl geführt wird. In den Geschäftsprotokollen der Gemeinde finden sich keine Eintragungen. Anzumerken ist, dass Johann Ploiner bei der Eheschließung von Aloisia, einer Tochter des Michael Bachmayer, als Beistand fungierte. Diese hat am 21. Juni 1915 in Altenwörth stattgefunden.
Ein Lebenszeichen des ehemaligen Gastwirtes Pötzleitner findet man im Linzer Volksblatt vom 6. Juni 1908: Am Hause des Herrn Gastwirtes Karl Pötzleitner in St. Thomas am Blasenstein ist eine Wetterprognosetafel befestigt, die oft betrachtet wird. Neulich kam schon …
Am 30. Dezember 1918 verkauft der ledige Johann Ploiner die Liegenschaft an Franz Magerl (geb. am 23.7.1889 in Sachsendorf 13) und Maria Ploiner (geb. am 23.7.1889 in Sachsendorf 17). Maria ist die Nichte des Verkäufers. Im Trauungsbuch der Pfarre St. Josef in Wien ist Franz Magerl bei der Eheschließung am 8. Jänner 1919 als Gastwirt eingetragen. Grundlage für die Ausübung des Gewerbes ist die Konzession vom 4. April 1919.
Im Jahr 1949 gelangt im Anschluss an den Wirtschaftstrakt eine ehemalige Wehrmachtsbaracke vom Truppenübungsplatz Döllersheim zur Aufstellung. Herangeschafft wird sie mittels LKW unter Mithilfe einiger Ortsbewohner. Die auf einem Betonfundament aufgestellte Holzkonstruktion im Ausmaß von 11 x 17 m ist mit Dachpappe gedeckt, die Beheizung erfolgt mit einem Sägespäneofen. Südseitig gibt es ein über eine Holztreppe zugängliches Musikerpodium. Unter Berücksichtigung, dass die Baracke nur fallweise - zirka sechs Mal im Jahr bei Tanzunterhaltungen und sonstigen Veranstaltungen - Verwendung findet, wird von der Bezirkshauptmannschaft Tulln in der Verhandlung vom 9. Juli 1951 eine befristete Genehmigung auf die Dauer von zwei Jahren ausgesprochen. Ob die angeordnete erste Löschhilfe mit einem zirka 3 m³ fassenden Wasserbehälter und drei Löscheimern ihren Zweck hätte erfüllen können, bleibt dahingestellt. Für die übrige Zeit ist eine Nutzung als Wagenschuppen vorgesehen. Den Abschluss in Richtung Westen bildet eine mit einem Flugdach überdeckte Kegelbahn.
Am 23. Jänner 1951 übergeben Franz und Maria Magerl die Liegenschaft an ihre Tochter Rosa (geb. am 15.7.1924) und Josef Maringer (geb. am 6.12.1924), deren aus Engelmannsbrunn stammenden Ehegatten. Auf die Gewerbeberechtigung hat dies keine Auswirkungen.
Sowohl das Gast- und Schankgewerbe als auch der Gemischtwarenhandel werden von Maria Magerl nach dem Tod ihres Gatten als Witwenbetrieb fortgeführt. Im September verlängert die Bezirkshauptmannschaft die Befristung für die Saalbaracke um weitere zwei Jahre, ordnet aber eine Überprüfung der Standfestigkeit an.
1955 erteilt die Behörde die Bewilligung für gelegentliche Theateraufführungen, begrenzt auf einen Fassungsraum von 150 Personen. Tatsächlich genutzt wird die Baracke vom Sachsendorfer Theaterverein schon seit ihrer Aufstellung.
Am 26. November 1955 verunglückt Josef Maringer im 31. Lebensjahr mit seinem Motorrad in Mallon. Ein schwerer Schlag für die Familie, ist doch in diesem Jahr die Aufstockung des Wohngebäudes in Angriff genommen worden.
Legendär sind die Fernsehabende. Die ohnehin kleine Gaststube ist, wenn die Löwinger Bühne ausgestrahlt wird, bis zum letzten Platz besetzt, die Luft zum Schneiden.
Um 1969 werden der Gasthausbetrieb und die Gemischtwarenhandlung geschlossen. Maria Magerl verstirbt am 20. Mai 1983.
Sachsendorf 33
Zwischen 1861 und 1863 übersiedelt Johann Hellmer mit seiner Gattin Anna Maria (geb. am 10.3.1822, geb. Lechner, in Kollersdorf 26), wahrscheinlich als Inwohner, von Kollersdorf nach Sachsendorf 33. Das sechste Kind, Tochter Katharina, wird 1863 hier geboren. Sein Bruder Anton führt die Landwirtschaft in Kollersdorf 16. Der Eigentumserwerb durch die Ehegatten Hellmer ist im Jahr 1872 verbüchert.und 1863 übersiedelt Johann Hellmer mit seiner Gattin Anna Maria (geb. am 10.3.1822, geb. Lechner, in Kollersdorf 26), wahrscheinlich als Inwohner, von Kollersdorf nach Sachsendorf 33. Das sechste Kind, Tochter
Ausgeübt wird das Gast- und Schankgewerbe von Johann Hellmer (geb. am 28.11.1823 in Kollersdorf 16). Sein Vater war Hauer, Johann erlernte das Binderhandwerk, vermutlich bei seinem Onkel Johann Hellmer in Kollersdorf 36.
Offen bleibt der Beginn der Gewerbeausübung, geendet hat sie im Jahr 1885. Der Grund dafür dürfte in der bevorstehenden gerichtlichen Versteigerung des Hofes zu finden sein. Ein entsprechender Eintrag im Grundbuch ist am 28. September vorgenommen worden. Die Bezirkshauptmannschaft Krems beauftragt Anfang Jänner 1886 die Gemeindeverwaltung mit der Einziehung des Gewerbescheines. Dieser wird am 17. Jänner der Behörde übermittelt, welche die Rücklegung des Gast- und Schankgewerbes im Amtsblatt verlautbart.
Zur Versteigerung ist es nicht gekommen, Tochter Theresia wird 1891 im Grundbuch als Eigentümerin eingetragen. Im Oktober 1902 kaufen die Eheleute Rudolf und Josefa Bachmayer die Liegenschaft. Anna Maria Hellmer verstirbt im selben Jahr, Johann Hellmer 1910 in ärmlichen Verhältnissen in Sachsendorf 38.
Sachsendorf 37
Die Lage des GasthausesDen wenigsten dürfte bekannt sein, dass das in der Au stehende, als Hegerhaus bekannte Gebäude, in der Freiheit Kollersdorf liegt und eine Sachsendorfer Hausnummer hat. Berechtigt ist die Frage, warum gerade in der Au, abseits menschlicher Siedlungen, ein Gasthaus eingerichtet worden ist. Eine mögliche Erklärung kann nur die Nähe zur Donau und des dort stattfindenden Warenverkehrs sein.
Die Errichtung des Gebäudes ist jedenfalls nach 1823 zu datieren, da es im Franziszeischen Kataster noch nicht aufscheint. Geschehen könnte dies um 1840 sein. Dafür spricht der erste Hinweis im Trauungsbuch der Pfarre Altenwörth vom 19. Februar 1844. Michael Dimmi (geb. am 9.9.1803 in Feuersbrunn, verst. am 9.9.1863 in Wien, Allgemeines Krankenhaus), Sohn eines Hauers, ist als Pächter des neuen herrschaftlichen Gasthauses nächst Altenwörth ausgewiesen. Verpächterin ist die Gutsverwaltung Grafenegg.
Nachfolger ist Franz Kanaufnik (geb. am 7.10.1812 in Thürnthal), sein Vater war Inwohner und Schneidermeister. 1836 hat Franz Kanaufnik mit Johanna Dimmi, einer Schwester des Vorpächters, in Grafenwörth den Bund der Ehe geschlossen. In den Pfarrmatriken wird er bei der Geburt seiner Kinder als behauster Kleidermacher und Schneider genannt. Eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation zeichnet sich 1845 ab. Er hat sein Haus verloren und wird zum Inwohner an einer anderen Adresse. Dies dürfte ihn bewogen haben, sich als Pächter zu bewerben. Er erhält den Zuschlag und übersiedelt ins Pachtwirtshaus - ein genauer Zeitpunkt lässt sich nicht angeben. Gewiss ist die Geburt von Tochter Rosalia am 29.2.1846 in Sachsendorf 37. Im Jänner 1858 bewirbt sich Franz ei der Gutsverwaltung Hollenburg um die Pacht für ein am südlichen Donauufer gelegenes Wirtshaus. Möglicherweise ist der wirtschaftliche Erfolg ausgeblieben. Am 6. Juli 1859 verstirbt seine Tochter Rosalia. Zu dieser Zeit steht auch der Gasthausbetrieb vor dem Aus. Er pachtet noch im selben Jahr das Wirtshaus der Familie Hametner in Altenwörth 37. Ein Edikt des Bezirksgerichtes Kirchberg am Wagram ordnet am 12. Jänner 1860 die Feilbietung eines Grundstücksanteiles beim Sachsendorfer Kirchensteig und der auf 209 Gulden geschätzten Effekten (allgemein beweglicher Besitz) im neuen Wirthshause zu Altenwörth an. Am 11. August wird die Neuverpachtung im Kremser Wochenblatt bekannt gegeben.
Um höhere Erträgnisse zu lukrieren, hat die Gutsverwaltung Grafenegg Neuverpachtungen zur öffentlichen Lizitation, meist auf die Dauer von drei Jahren, ausgeschrieben. Den Zuschlag nach Franz Kanaufnik hat Mathias Gerner (geb. am 15.2.1808) aus Engelmannsbrunn erhalten. Dafür spricht, dass seine Kinder, die Zwillinge Ignaz und Aloisia, am
14. Dezember 1861 hier geboren worden sind. Nur wenige Tage später ist hier das Kind einer Taglöhnerin verstorben. Ein Indiz dafür, dass auch Personal im Wirtshaus Arbeit gefunden hat. Das Pachtverhältnis läuft mit Jahresende 1863 aus.
Am 28. November 1863, am Tag der Geburt von Tochter Maria, findet man im Kremser Wochenblatt folgendes Inserat:
Wirtshaus-Verpachtung.
Vom gräflich Breunner’schen Güterinspektorate Grafenegg wird mit bezirksämtlicher Bewilligung vom 4. November 1863, Zl. 5515/pol., das zum Orte Sachsendorf sub Nr. 37 conscribirte, am Donau-Quai nächst Altenwörth befindliche Wirthshausgebäude sammt koncessionierten Gast- und Schankgewerbe auf 3 oder auch 6 Jahre vom 1. Jänner 1864 anfangend, im Lizitationswege verpachtet.
Lizitation am Montag den 30. November 1863 Vormittags 9 Uhr im genannten Wirthshause. Pachtbedingnisse können bis dahin bei der Gutsverwaltung eingesehen werden, fremde Pachtliebhaber haben sich mit einem amtlichen Vermögens- und Sittenzeugnis auszuweisen.
1866 sucht die Gutsverwaltung Grafenegg wieder einen Pächter. Im Kremser Wochenblatt vom 24. November 1866 ist zu lesen:
Wirtshaus-Verpachtung
Vom gräflich Breuner’schen Güterinspektorate Grafenegg wird mit Bewilligung des k.k. Bezirksamtes Kirchberg am Wagram vom 26. Oktober d. J. das dem Gute Grafenegg gehörige, zum Orte Sachsendorf Nr. 37 konskribirte, am Donau-Quai bei Altenwörth liegende, sogenannte Neuwirtshaus sammt dem dabei eingefriedeten Grund pr. 1 Joch 500 Quadratklafter vom 1. Jänner 1867 an auf drei aufeinanderfolgende Jahre im Lizitationswege verpachtet.
Pachtlustige wollen sich am Montag den 10. Dezember 1866 um 10 Uhr Vormittag in der Gutskanzlei zu Grafenegg einfinden, woselbst auch die Bedingnisse eingesehen werden können.
Ob diese Inserate zum Erfolg geführt haben, bleibt unbeantwortet. Es könnte aber sein, dass sich nach Mathias Gerner kein Pächter mehr gefunden hat, da 1865 ein Viehhirt aus Hausleiten mit seiner Familie hier wohnhaft gewesen ist. Die Pfarrmatriken geben darüber Auskunft, dass das Haus auch danach immer wieder bewohnt wird. Hinweise auf Wirtsleute finden sich nicht. Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts dient es als Wohnsitz der bei der Gutsverwaltung Grafenegg beschäftigten Heger, zuletzt der Familie Magerl. An den Eigentumsverhältnissen hat sich bis heute nichts geändert.
Sachsendorf 41
Im Mai des Jahres 1957 hat die Bezirkshauptmannschaft Tulln als Gewerbebehörde ein Verfahren zum Ansuchen des Franz Bachmayer (geb. am 11.2.1919 in Königsbrunn) um Verleihung einer Konzession zum Betrieb des Gast- und Schankgewerbes in der Betriebsform eines Gasthauses in Sachsendorf 41 eingeleitet.
Der Antragsteller gibt an, im bestehenden, um 1950 erbauten Holzhaus, einen modernen Gasthausbetrieb neu errichten zu wollen. Der zur Stellungnahme eingeladene Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 18. Mai 1957 einstimmig den Bedarf für ein Lokal festgestellt. Die zuständige Fachgruppe der Handelskammer NÖ hat eine ablehnende Haltung eingenommen. Laut ihrem Gutachten vom 14. Juni 1957 ist dieser nicht gegeben, da in der Gemeinde Kollersdorf zwei Gast- und Schankbetriebe bestehen, dies ausreichend sei und der Standort an keiner Hauptverkehrsstraße liege.
Die Gewerbebehörde hat im Ermittlungsverfahren folgende Feststellungen getroffen:
Die beiden bestehenden Betriebe sind zur konkreten Bedarfsdeckung nicht ausreichend, da das Gasthaus in Sachsendorf 16 äußerst primitiv in einem kleinen, niedrigen Raum untergebracht ist und den heutigen Mindestanforderungen nicht mehr gerecht wird.
Das Gasthaus in Kollersdorf 55 wird sehr oft vom Besitzer, der offenbar auf das Erträgnis aus diesem Gewerbe allein nicht angewiesen ist, schon bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen.
Der angesuchte Standort liegt an der Landeshauptstraße Nr. 45, welche ausgebaut wird und daher einen regen Durchzugsverkehr erwarten lässt.
Die Gemeindevertretung hat mit einstimmigem Beschluss der Errichtung des angesuchten Gasthauses zugestimmt und nahezu alle Ortsbewohner haben mit ihrer Unterschrift dem Wunsche nach der Errichtung einer zeitgemäßen Gaststätte Ausdruck verliehen.
Ausgehend von den tatsächlichen Verhältnissen und nicht vom Bestand einer bestimmten Konzessionsanzahl hat die Bezirkshauptmannschaft Tulln mit Bescheid vom 23. August 1957 die Konzession zum Betrieb des Gast- und Schankgewerbes mit den Berechtigungen des § 16, Absatz (1) Gewerbeordnung an Franz Bachmayer im Standort Sachsendorf 41 verliehen. Als Betriebsart wird „Gasthaus“ festgelegt. Die Konzession berechtigt zum Verkauf von kalten Speisen, zum Ausschank von Bier, Wein und Obstwein, zum Verkauf von Kaffee, Tee, Schokolade und anderen warmen Getränken und Erfrischungen in dem im § 17 Gewerbeordnung bezeichneten Umfang und die Haltung von erlaubten Spielen.
Die Ausübung der Konzession wurde jedoch vom Ergebnis der Überprüfung der Betriebsräume abhängig gemacht, um dem Antragsteller die Möglichkeit zu geben, die erforderlichen Investitionen und Maßnahmen durchführen zu können. Die Gewerbebehörde stellt im Zuge der kommissionellen Verhandlung vom 5. Februar 1958 die Eignung der Betriebsräume fest und erteilt mit Bescheid vom 18. März 1958 unter Einhaltung bestimmter Auflagen die Gasthauskonzession.
1963 erfolgt eine Erweiterung der Betriebsstätte durch die Errichtung einer Küche (30 m², nördlich des Bestandes) und eines Gastraumes (58 m², westlich des Bestandes). Von 1965 bis 1971 gehört ein Wurlitzer zur Ausstattung, auch ein Tischfußballautomat (Wutzler) ist vorhanden.
Lange Krankenhausaufenthalte und Rehabilitation waren Folge eines Verkehrsunfalles im Jahr 1968, in welchen Franz Bachmayer unverschuldet verwickelt war. Er verlor dabei ein Bein, seine Frau Franziska führt das Gasthaus weiter.
1974 leitet die Bezirkshauptmannschaft Tulln ein Verfahren zur Rücknahme der Konzession ein. Die von der Behörde durchgeführten Erhebungen haben ergeben, dass das Gast- und Schankgewerbe seit 31. Dezember 1972 nicht ausgeübt wird. Da der Betrieb mehr als zwölf Monate ausgesetzt war, hat die Bezirkshauptmannschaft Tulln mit Bescheid vom 12. März 1974 die Zurücknahme der Konzession verfügt.
Franz Bachmayer verstirbt am 19. Juni 1993, seine Gattin Franziska am 8. Dezember 2010.
Kapelle zum Hl. Josef
Herr Herbert Eder aus Kollersdorf hat dankenswerter Weise seine Broschüre über die Kapelle von Sachsendorf, die er anlässlich der Einweihung nach der Renovierung im Jahr 2012 verfasst hat, zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:
Die Kapelle von Sachsendorf ist, wie viele andere Kapellen und wie die religiösen Kleindenkmäler auch, ein besonderes Zeugnis des Glaubens, ein Ausdruck der besonderen Bindung der ländlichen Bevölkerung an die Religion. Sie ist aber auch ein historisches Kleinod, das, wie kein vergleichbares Bauwerk, in besonderer Weise das Erscheinungsbild eines Ortes prägt. Reichhaltig ist auch ihre Geschichte!
Die Holzkapelle
Die farbliche Darstellung des Grundstückes Nummer 13 auf der Mappe des Franziszeischen Katasters des Jahres 1824 deutet auf den Bestand eines gemauerten Bauwerks aus Ziegel oder Stein hin, was auch durch die Beschreibung der ersten militärischen Aufnahme (Josephinische Landesaufnahme) aus der Zeit um 1780 Bestätigung findet. Im Franziszeischen Kataster ist das Grundstück genau am heutigen Standort der Kapelle situiert. Es wies eine Länge von zirka 10 Metern und eine Breite von zirka 4 Metern auf und verlief mit der Längsseite parallel zur südlichen Häuserfront, grenzte an diese jedoch nicht unmittelbar an. Das im Eigentum der Gemeinde Sachsendorf stehende Grund- stück mit der Gattung Kapelle hatte eine Fläche von 11,6 Quadratklafter (= zirka 40 m²).
Zur Zeit der Erbauung der heutigen Kapelle dürfte dieses gemauerte Bauwerk nicht mehr bestanden haben. Die Gemeindevertreter bekräftigen ihr Begehren zur Errichtung einer neuen Kapelle nämlich damit, dass die im Dorfe befindliche bloß von Brettern zusammen geschlagene Kapelle bereits baufällig geworden und daher die Sicherheit der Bewohner zu den Andachtsübungen nicht mehr gegeben ist. Es sei der ausdrückliche Wunsch der Gemeindemitglieder, dass statt der bisherigen bloß aus Brettern aufgerichtet gewesenen Kapelle ein neues anständiges Bethaus erbaut werde. Hinweise auf eine Ziegel- oder Steinbauweise finden sich nicht.
Der Kapellenbau
Die Gemeindevertretung unter Führung des Sachsendorfer Ortsrichters Johann Ertl brachte am 31. Juli 1841 bei der Herrschaft Grafenegg das Begehren für den Neubau einer Kapelle vor. Die Bittsteller begründeten dieses mit der bereits erwähnten Baufälligkeit der aus Holz gebauten Kapelle und dem Vorhandensein der entsprechenden finanziellen Mittel, um die vom Maurer- und Zimmermeister Mathias Böhm aus Grafenwörth ermittelten Herstellungskosten in Höhe von 553 fl 34 kr C.M. bedecken zu können. Weder sei eine Verschuldung der Gemeinde nötig, noch sei eine zusätzliche Belastung der Ortsbewohner zu erwarten. Es bestehe sogar die Bereitschaft, Vorschusszahlungen zu leisten, um den sehnlichen Wunsch nach einer neuen Kapelle möglichst rasch umzusetzen.
Das für die Genehmigung zuständige Kreisamt Korneuburg erteilte nach genauer Prüfung der finanziellen Belange am 31. März 1842 die Zustimmung zum Bau der neuen Kapelle. Die Ausführung hatte nach einem neuen, vom k.k. Kreiszeichner entworfenen Bauplan zu erfolgen, die Baukosten sind mit 682 fl 51 kr C.M. ausgewiesen. Zugleich erging an die Herrschaft Grafenegg die Anordnung, über diesen Kapellenbau eine öffentliche Versteigerung vorzunehmen. Die Gemeinde Sachsendorf wurde angewiesen, die genaue Ausführung entsprechend dem Kostenvoranschlag zu überwachen und zur Erzielung größerer Dauerhaftigkeit für das Gebäude nur gebrannte Ziegel zu verwenden. Darin sah man keine Schwierigkeit, da die Gemeinde Sachsendorf selbst im Besitz eines Ziegelofens war.
Wie angeordnet, fand eine öffentliche Lizitation der Maurer-, Zimmermanns-, Schlosser-, Tischler- und Glaserarbeiten statt. Den Zuschlag erhielt der Maurermeister Josef Hirth aus Fels. Die noch im Jahre 1842 begonnenen Bauarbeiten wurden 1843 abgeschlossen. Pfarrer Anton Liermberger vermerkt am 4. Mai 1843 in der Pfarrchronik, dass die Gemeinde Sachsendorf eine schöne Kapelle neu erbaut hat. Alle Zug- und Handlangerdienste leisteten die Ortsbewohner robotmäßig!
Für den Bau musste ein Teil des angrenzenden Grundstückes der Anna Weiß (Hausnummer 11) in Anspruch genommen werden. Dafür gewährte die Gemeinde in den Jahren 1843 bis 1846 eine Vergütung von jährlich 3 Gulden.
Der Bau ist keiner besonderen Stilrichtung zuzuordnen. Die Kapelle ist als schlichter Apsisbau ausgeführt. Seitliche Lunettenfenster erhellen den mit einer Flachdecke ausgestatteten Innenraum. Bereits von weitem sichtbar ist der mächtige Dachreiter mit Rundbogenfenstern und einer mit Blech beschlagenen Biedermeierhaube. Die auf einem hölzernen Unterbau erhöht stehenden Bänke bieten Sitzplätze für zirka 50 Personen.
Die Baukosten
Die bei der Zustimmung des Kreisamtes Korneuburg festgestellten Kosten konnten nicht eingehalten werden. Die Abrechung vom Dezember 1843 weist Gesamtkosten in Höhe von 782 fl 43 kr C.M. aus. Diese sind vom Gemeindevermögen bestritten worden, offene Forderungen gab es nicht. Auch die Gemeindemitglieder haben einen finanziellen Beitrag geleistet und zwar in Höhe von 3 Gulden je Haus, was insgesamt 90 Gulden einbrachte.
Maurermeister Hirth erhielt für seine Arbeiten 222 Gulden. Die Ziegelschlager wurden mit 90 fl 32 kr C.M. entlohnt, der Bedarf an Ziegeln war enorm. 22000 gebrannte Mauerziegel, 5000 Dachziegel und – entgegen der Anordnung des Kreisamtes Korneuburg – 26100 ungebrannte Ziegel sind verarbeitet worden. Die Fundamentsteine wurden auf der Donau herbeigeschafft, der Schiffmeister erhielt 40 Gulden. Auch aus Stettenhof wurden Fundamentsteine angekauft. Die Verblechung des Turmes besorgte ein aus Mautern stammender Spenglermeister, die Bestuhlung wurde vom ortsansässigen Tischlermeister hergestellt.
Patrozinium
Unter Patrozinium versteht man die Schutzherrschaft eines Heiligen über die ihm geweihte Kirche. Schutzpatron ist der Heilige Josef (von Nazaret), sein Festtag ist der 19. März. Josef war der Nährvater Jesu und Bräutigam der Gottesmutter Maria. Ein vom Maler Ridler im Jahre 1843 geschaffenes Ölbild zeigt den Hl. Josef mit dem Jesuskind, in der Hand hält er einen Stab mit Lilienblüten, dem Symbol der Reinheit. Auch in vielen Bauernregeln hat der Heilige seinen Platz gefunden: „Ist es klar am Josefstag, spart er uns viel Not und Plag“.
Benediktion und Messlizenz
Das Kirchenrecht enthält detaillierte Vorschriften bei der Errichtung einer Kapelle. Von den Bittstellern hätte bereits vor Baubeginn die Zustimmung des bischöflichen Konsistoriums als zuständige Stelle eingeholt werden müssen. Dies ist jedoch nicht geschehen. Pfarrer Christoph Liermberger berichtet dem Fürsterzbischöflichen Konsistorium in Wien mit Schreiben vom 4. Mai 1843 über den erfolgten Kapellenbau und bittet namens der Gemeinde um die Erteilung der kirchlichen Benediktion. Unter Benediktion (Segnung) versteht man jenen Ritus, mittels dessen unter Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete etwas dem Dienste Gottes und der Kirche gewidmet wird. Dies trifft auf alle Gegenstände zu, die eine kirchliche Bestimmung haben. Das Fürsterzbischöfliche Konsistorium verlangte die Vorlage eines Reverses der Herrschaft Grafenegg über die Erhaltung der Kapelle, weil die Gemeinde in ihrem und ihrer Nachfolger Namen die Verpflichtung übernehme, die Kapelle samt ihrer inneren Einrichtung jederzeit in einem guten, ihrem kirchlichen Zwecke entsprechenden Zustande zu erhalten.
Erklärung der Gemeinde Sachsendorf vom 3. Juni 1843:
Kraft welcher die Gemeinde Sachsendorf durch ihre Vorsteher und Ausschüsse sich verbindlich macht, die in Folge der k.k. kreisamtlichen Bewilligung vom 31. März 1842 aus dem G meindevermögen zu Sachsendorf neu erbaute Kapelle zu immerwährenden Zeiten in guten Zustand zu erhalten, und jedes Gebrechen, welches sich an dem Baustande derselben in der Folge ergeben dürfte, sogleich
ohne Verzug auf Kosten der Gemeinde zu verbessern und zu beseitigen.
Urkund dessen nachstehende Fertigungen. Grafenegg, den 3. Juni 1843.
Johann Ertl, Ortsrichter
Anton Ploiner, Gerichtsgeschworener Leopold Denk, Gemeindegeschworener Josef Magerl, Gemeindegeschworener Ferdinand Schuster als Ausschuss
Josef Weiß als Ausschuss
Im weiteren Verfahren gelangte das Fürsterzbischöfliche Konsistorium nicht zur Überzeugung, dass durch den Revers der Gemeinde eine absolut haftende Verbindlichkeit zur Erhaltung für ewige Zeiten ausgesprochen sei und verweigerte die Benediktion. Es bedurfte eines weiteren Reverses, der am 8. Februar 1844 bei der Herrschaft in Grafenegg niedergeschrieben worden war. Die unmissverständliche Erklärung, die neu erbaute Kapelle aus dem Gemeindevermögen beständig zu erhalten, dürfte das Konsistorium zum Einlenken bewogen haben. Das Fürsterzbischöfliche Konsistorium erlaubte am 17. April 1844 Dechant Josef Neugebauer aus Haitzendorf die Benediktion der Kapelle. Eine Gedenktafel über dem Eingangsportal mit der Aufschrift „Heute ist diesem JHS - Haus – 18 Heil wiederfahren 44“ erinnert an diesen denkwürdigen Tag, den 19. November 1844.
Eine Herausforderung war auch die Erlangung einer Messlizenz, also einer Bewilligung, in der Kapelle eine heilige Messe zelebrieren zu dürfen. Die im schon mehrfach zitierten Schreiben des Pfarrers Liermberger vom 4. Mai 1843 getroffene Äußerung, dass die Gemeinde Sachsendorf eine schöne Kapelle neu erbaut hat um an Samstagen, Sonntagen und den aufgehobenen Feiertagen abends den Rosenkranz dort zu beten, lässt zweifelsfrei den Schluss zu, dass die Holzkapelle mit keiner Messlizenz ausgestattet war. Am 14. Mai 1844 bittet die Gemeinde Sachsendorf das Hochwürdige Fürsterzbischöfliche Konsistorium um Erlaubnis, dass in ihrer neu erbauten Dorfkapelle jährlich einige male die heilige Messe an Wochentagen gelesen werden dürfe und verweist zugleich auf die bereits erfolgte Benediktion und die Zusage, die Kapelle zu immerwährenden Zeiten im guten Zustande zu erhalten. Auch die Beschwerlichkeit des langen Fußmarsches für die älteren Ortsbewohner zur Pfarrkirche in Altenwörth findet Erwähnung.
In Kenntnis der abschlägigen Benachrichtigung, dass dem Gesuch keine Folge gegeben werden kann, weil sie nur als Betkapelle erbaut worden ist, damit die Gemeinde zur Abhaltung der Rosenkranzandacht daselbst sich versammeln könne, wagt die Gemeinde Sachsendorf am 6. August 1844 neuerlich als Bittsteller an das Konsistorium heran zu treten. Es möge wenigstens einmal, und zwar am Einweihungstage, eine heilige Messe gelesen werden. Man bringt vor, dass die Kapelle sowohl rücksichtlich eines sich darin befindlichen Altares als auch in ihrer sämtlichen Ausstattung anständig zum Gottesdienst eingerichtet ist. Auch das Vorhandensein von Messkleidern (Geschenk einer Wohltäterin aus Wien), die Bereitschaft, Priester und Messner zu entlohnen und für Paramente und Beleuchtung selbst aufz kommen, brachte nicht den gewünschten Erfolg.
Das nachweislich letzte Gesuch um Erteilung einer Messlizenz für zwei heilige Messen wurde im Jahre 1847 eingereicht. Die Gemeinde sicherte nunmehr sogar den Transport des Priesters und des Messners von Altenwörth nach Sachsendorf und zurück zu. Auch dieses Vorbringen war wieder nicht von Erfolg gekrönt. Die neuerliche Abweisung des Gesuches lies nicht lange auf sich warten. Am 28. April 1847 erging die Mitteilung, dass bei dem Umstande als zu dem Baue dieser Kapelle von Seiten des f. e. Consistoriums ausdrücklich nur die Erlaubnis mit dem Vorbehalte erteilt wurde, dass darin keine Messe gelesen werden dürfe, die angesuchte Messlizenz auch nicht erteilt werden könne.
Heute versteht man kaum, wieso das Fürsterzbischöfliche Konsistorium so sehr Widerstand gegen die Erteilung der Mess-lizenz leistete. Der Grund liegt darin, dass man jede Beeinträchtigung der Pfarrrechte vermeiden wollte, außerdem wurde gelegentlich befürchtet, bisherige Filialorte könnten dann eine eigene Pfarre verlangen. Dass die Kapelle mit einer Messlizenz ausgestattet worden ist, steht außer Zweifel, Umfang und Zei punkt bleiben offen.
Der Altar
Goldene Sterne auf blauem Hintergrund schmückten einst die Apsis, in der bis zur Errichtung des Volksaltares ein aus Holz gefertigter und schön bemalter Altar gestanden hat. Die Weiheurkunde wurde im Jahre 1843 vom Wiener Erzbischof Eduard Milde (1832 – 1853) ausgestellt. Das auf eine Holztafel verklebte Dokument und die beigefügte Steinplatte mit den Reliquien der Märtyrer Modestus und Laetus war in den Altartisch eingearbeitet worden, da nach der Liturgie bei der Weihe Reliquien von Märtyrern eingeschlossen werden müssen. Die Tafel ist quadratisch und hat eine Seitenlänge von 29 cm.
Der lateinische Text der Urkunde lautet:
NOS VINCENTIUS EDUARDUS,
Dei et Apostolicae Sedis gratia Princeps Archi – Episcopus Metropolitanae Ecclesiae Viennensis, S. S. Theologiae Doctor, insignis Ordinis Leopoldini Magnae Crucis Eques et Praelatus etc. etc. die 16. Mensis Junii Anni 1843 consecravimus Portatile hoc ad M.D.Gl. et reliquias S. S. Christi Martyrum Modesti et Laeti reverenter imposuimus ac Sigillo Nostro obsignavimus die 16. Mensis Junii Anni 1843.
Übersetzung:
Wir Vinzenz Eduard,
Von Gottes und des Apostolischen Stuhles Gnaden Fürsterzbischof der Wiener Metropolitankirche, Doktor der heiligsten Theologie, Großkreuz-Ritter des berühmten Leopoldsordens und Prälat etc. etc. haben am 16. Tag des Monats Juni des Jahres 1843 diesen Tragaltar zur größeren Ehre Gottes geweiht und dabei die Reliquien der heiligen Märtyrer Christi Modestus und Laetus ehrfürchtig eingesetzt und mit Unserem Siegel besiegelt am 16. des Monats Juni des Jahres 1843.
Bei den Reliquien dieser Heiligen handelt es sich um Katakombenheilige. Als im 16. Jahrhundert in Rom die Katakomben aus der Zeit des frühen Christentums zufällig wiederentdeckt wurden, erklärte man die darin Bestatteten zu Märtyrern. Den meist anonymen Skeletten wurden Namen zugeordnet; der Reliquie handel blühte und dieser kam erst Mitte des 19. Jahrhunderts zum Erliegen.
Der barocke Gnadenstuhl
Der in einer Nische rechter Hand des Altares aufgestellte Gnadenstuhl ist 50 cm hoch und aus Stein gearbeitet. Das älteste Kunstwerk in der Kapelle entstand im 18. Jahrhundert und hat wahrscheinlich zur Ausstattung der Holzkapelle gehört. Der Gnadenstuhl stellt die aus drei Elementen bestehende Dreifaltigkeit (Trinität) dar: der gekrönte Gottvater hält das Kreuz mit dem Erlöser, darunter schwebt der Hl. Geist in Gestalt einer Taube.
Unsere Heiligen
Die katholische Kirche verehrt Heilige als Mittler zwischen den Menschen und Gott. Heilige zeichnen sich vor allem durch ihren festen Glauben und durch ihre vorbildliche Lebensweise aus. Sie nahmen im Alltag der Menschen eine besondere Stellung ein, in allen Lebenslagen wandte man sich an sie. Folgende Heilige erfreuten sich einer besonderen Verehrung:
Sebastian
Märtyrer; Festtag: 20. Jänner. Häufige Darstellung als an einen Baumstumpf gefesselter, von Pfeilen durchbohrter Jüngling. Patron gegen die Pest.
Josef (von Nazareth)
Kirchenpatron; Festtag: 19. März. Patron der Eheleute, Zimmerer und Arbeiter.
Florian
Märtyrer, Festtag: 4. Mai. Häufige Darstellung als römischer Offizier, ein brennendes Haus löschend. Patron gegen Feuer- und Wassergefahr.
Antonius von Padua
Franziskanermönch, Festtag: 13. Juni. Häufige Darstellung als junger Franziskaner mit Jesuskind in Predigthaltung. Patron der Armen, hilft „Verlorenes“ wieder zu finden.
Leonhard
Einsiedler, Abt; Festtag: 6. November. Häufige Darstellung im schwarzen Gewand der Benediktiner mit Abtsstab. Patron der Bauern und des Viehs.
Zu den Festtagen dieser Heiligen zogen die Ortsbewohner in feierlichen Prozessionen zur Pfarrkirche nach Altenwörth.
Seit 1826, vermutlich jedoch schon früher, sind Messen zu Ehren der Dorfheiligen gelesen worden. Die Kosten hatte die Gemeinde zu tragen.
1826: für ein Amt zu Ehren des Heiligen Joseph, Nährvater unseres göttlichen Erlösers, dem Herrn Pfarrer und Schullehrer 6 Gulden und 31 Kreuzer bezahlt;
1840: für ein heiliges Amt samt Kreuzträger 2 Gulden und 40 Kreuzer bezahlt; 1851: den Musikern an Honorar am Antonitag 33 Kreuzer bezahlt.
Die 1894 in der Pfarrchronik erwähnte besondere Verehrung des Hl. Sebastian und des Hl. Leonhard durch einen eigenen Feiertag berechtigt zu der Annahme, dass die Kapelle zu der Zeit bereits mit einer Messlizenz ausgestattet gewesen ist. Nach einer längeren Unterbrechung zelebrierte Pfarrer Georg Aiden im Jahre 1914 vier heilige Messen. 1937 fand diese Heiligenverehrung ein jähes Ende. Geblieben bis heute ist die Messfeier zu Ehren des Kirchenpatrons.
Die Glocke
Heute wie in früherer Zeit ist das Glockengeläute etwas, das im dörflichen Leben nicht wegzudenken ist. Die Glocke ruft die Gläubigen zum Gottesdienst, erklingt bei Taufe, Hochzeit und Tod, begrüßt bei Empfängen und kündigte Gefahren wie Feuer oder Hochwasser an.
Die Glockenstube des Kapellenturmes beherbergt eine aus Stahl gegossene Glocke, die am Nachmittag des 25. November 1917 durch Pfarrer Josef Dedelbacher eingeweiht worden war. Sie kostete von der Firma weg 810 Kronen (Gebr. Böhler, Wien I., Elisabethstraße 12-14). Die Glocke hat einen Durchmesser von 69 cm und wiegt zirka 200 kg. Freiwillige Spenden der Ortsbewohner ermöglichten diese notwendig gewordene Anschaffung, weil die bis dahin vorhandene Glocke am 23. April 1917 zum rauen Kriegsdienst einrücken musste. Kirchenglocken waren wegen ihrer Bronze kriegswichtiges Material, wurden eingezogen und eingeschmolzen, um in der Rüstungsindustrie Verwendung zu finden. Dieser landesweiten Vernichtungsaktion ist die Kapellenglocke aus dem Jahre 1778 zum Opfer gefallen. Sie erklang schon zur Zeit der alten Holzkapelle und war auf einem Glockenstuhl aus Holzgebälke angebracht. Die Glocke hatte ein Gewicht von 60 kg und einen Durchmesser von 48 cm.
Auch der Zweite Weltkrieg rief die Kirchenglocken zum Kriegseinsatz. Da nur Glocken aus Bronze zur Abnahme ge- langten, blieb unsere bei der Ablieferungsaktion des Jahres 1942 unberührt.
Mitte Jänner 2001 übernahm die Technik das bisher händisch und mehrmals täglich durchgeführte Läuten der Glocke. Die Firma Grassmayr aus Innsbruck installierte über Auftrag der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram eine elektrische Läute- anlage. Zu den Herstellungskosten in Höhe von zirka S 46.000,- leistete die Gemeinde einen Beitrag von S 25.000,-, den Rest finanzierte die Kapellenverwaltung. Der Familie Hubner wurde für das langjährige Läuten der Kapellenglocke in Form einer Urkunde ein herzliches Dankeschön ausgesprochen.
Die Feuersbrunst von 1852
Das am Sonntag, den 4. Juli, nachmittags ausgebrochene Feuer vernichtete innerhalb kürzester Zeit 18 Häuser. Die Kapelle blieb, obgleich in Mitte der Feuerswogen, fast unbeschädigt. Durch die Ziegeldeckung war sie besser vor überspringenden Funken gesichert. 115 Dachziegel und 1 Firstziegel gingen zu Bruch, ein Fenster musste ausgewechselt werden.
Die Gnedt’sche Stiftung
Die näheren Umstände, die zu dieser Stiftung geführt haben, sind wegen Fehlens des Stiftungsbriefes nicht bekannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Sorge um das Seelenheil Karl Gnedt aus Neustift zu dieser Stiftung bewogen hat. Er vermachte gemäß Amtsurkunde vom 1. Mai 1882 der Dorfgemeinde Sachsendorf das Grundstück Nr. 623 in der Riede Mühlweg im Ausmaß von 1 Joch 615 Klafter (= 0,7967 ha). Diese Schenkung war an die Verpflichtung gebunden, aus den Erträgnissen alljährlich in der Pfarrkirche zu Altenwörth sechs Segenmessen für ihn und seine verstorbene Gattin Theresia lesen zu lassen und die Kapelle in Sachsendorf zu erhalten. Bei der Neuanlegung des Grundbuches ist diese Belastung nicht übernommen worden. 1918 wurden für den Stifter sieben Segenmessen gelesen, zuletzt erfüllte man diese Verpflichtung im Jahre 1937.
Anfang der Dreißigerjahre erfolgte die Grundstücksverpachtung in Form einer Lizitation. Vier Pächter erhielten auf die Dauer von fünf Jahren je 1/3 Joch Acker im Mühlweg um 15 Schilling jährlich. Die Pächter haben die erste Hälfte des Pachtschillings zu Georgi (24. April) und die zweite Hälfte am 1. Juli jeden Jahres ganz zuverlässig an die Ortskapellenkasse abzuliefern.
Die Anmerkung in der Pfarrchronik, dass die Kapelle ganz leicht aus ihrem Vermögen anständig erhalten werden kann, findet durch die Abrechnung des Jahres 1932 Bestätigung. Einnahmen von S 109,68 stehen Ausgaben von S 68,95 gegenüber.
Das Grundstück 623 wurde durch die Kommassierung mit dem Grundstück 712 mit einer Fläche von 0,7753 ha abgefunden. Mit den Pachteinnahmen bestreitet die Kapellenverwaltung noch heute die laufenden Aufwendungen.
Bischöfliche Visitationen
Den Besuch eines Bischofs in der Pfarre nennt man Visitation. Grundsätzlich ein ganz normaler kirchlicher Vorgang, oftmals verbunden mit besonderen Anlässen in einer Pfarre, wie zum Beispiel einem Jubiläum, einer Einweihung oder einer Firmung.
Folgende Visitationen fanden statt:
03.07.1914 - Fürsterzbischof Dr. Friedrich Gustav Kardinal Piffl
10.05.1946 - Erzbischof Dr. Theodor Kardinal Innitzer
28.06.1966 - Erzbischof Dr. Franz Kardinal König
10.05.1975 - Weihbischof Dr. Karl Moser
04.05.1985 - Weihbischof DDr. Helmut Krätzl
26.02.2005 - Weihbischof Dr. Ludwig Schwarz
Renovierungen in der Vergangenheit
Im Oktober 1968 wurden im Dachreiter vier Lamellenfenster eingesetzt. Die Zimmerei Hametner aus Altenwörth führte die Arbeiten aus. Kosten: S 2.400,-
Am 28. Juni 1979 gab der Gemeinderat der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram eine Außenrenovierung der Kapelle in Auftrag. Den Zuschlag für die Baumeisterarbeiten erhielt die Firma Ing. Herbert Becker aus Kirchberg am Wagram. Die im September in Angriff genommen Arbeiten dauerten einen Monat. Die Kapelle wurde zur Gänze neu verputzt. Spenglerarbeiten und Reparaturen am Dach erledigte die Firma Erich Marecek aus Kirchberg am Wagram.
Die angefallenen Kosten stellen sich wie folgt dar:
| Baumeisterarbeiten | S 101.500,- |
| Spenglerarbeiten | S 32.800,- |
Die Entscheidung, auch eine Innenrenovierung durchzuführen, fiel in der Gemeinderatssitzung am 21. August 1981. Die Baumeisterarbeiten der Firma Ing. Herbert Becker umfassten den Abtrag der vorhandenen Kehlheimer Platten, das Herstellen eines Unterbetons, die Wiederverlegung der Bodenplatten, das Abschlagen feuchter Putzstellen und das Aufbringen eines Trockenlegungsputzes. Die Elektroinstallationen führte die Firma Andreas Kolar aus Kirchberg am Wagram aus. Die Unterkonstruktion der Bestuhlung stellte die Firma Walter Kettinger aus Kirchberg am Wagram her, Tischlermeister Walter Magerl aus Kollersdorf übernahm die Reparatur bzw. Erneuerung der Bänke und die Anfertigung des Volksaltares (zum Volk hin gewandter Altar). Eine besondere Herausforderung waren die Malerarbeiten, die von der Firma Gerhard Stark aus Kirchberg am Wagram im November 1982 abgeschlossen worden waren. Dieser Auftrag beinhaltete auch die Renovierung des Kreuzweges, der Statuen und Bilder und das Streichen der Bänke. Folgende Kosten sind angefallen:
| Baumeisterarbeiten | S 67.000,- |
| Elektroinstallationen | S 6.700,- |
| Zimmermannsarbeiten | S 16.800,- |
| Glaserarbeiten | S 400,- |
| Tischlerarbeiten | S 49.000,- |
| Malerarbeiten | S 71.000,- |
| Malerarbeiten (Auftrag Kapellenverwaltung) | S 8.200,- |
Die neue Eindeckung gibt es seit dem Jahre 2004. Am 11. Mai beauftragte der Gemeinderat bei der Firma Marecek ein Ziegeldach „Biber Doppeldeckung“. Kosten inkl. notwendiger Spenglerarbeiten € 11.800,-
Unsere Ortskapelle in neuem Glanz
Die Gestaltung und Entwicklung des unmittelbaren Lebensraumes ist ein wesentliches Element der Dorferneuerung. Die BürgerInnen werden vom Zuschauer zum Mitspieler, vom Betroffenen zum Beteiligten. So auch geschehen beim Projekt „Sanierung der Ortskapelle Sachsendorf“, das sich der Dorferneuerungsverein im Jahre 2011 zum Ziel gesetzt hat. Nach Zustimmung durch die Marktgemeinde Kirchberg am Wagram und Einleitung der erforderlichen Verfahrensschritte begannen die Renovierungsarbeiten mit dem Lackieren der Dachreiterverblechung. Die Arbeiten führte die Schlosserei Johann Makolm aus Kollersdorf durch. Diese stellte die Arbeitsleistung und die Materialien kostenlos zur Verfügung.
Durch das Einbringen eines Schotterkörpers im äußeren Fundamentbereich und der Erneuerung des inneren und äußeren Sockelputzes soll vor allem der ständigen Mauerfeuchte entgegen gewirkt werden. Eine besondere Herausforderung war die Färbelung der Fassade und des gesamten Innenbereiches. Die Apsis schmücken wieder goldene Sterne auf blauem Hintergrund. Die Malerarbeiten am Dachreiter wurden mittels LKW-Arbeitsbühne bewerkstelligt.
Dass ein derartiges Projekt umgesetzt werden konnte, ist einerseits dem Engagement des Dorferneuerungsvereines und andererseits einer Schar freiwilliger Helfer zuzuschreiben. Insgesamt wurden 520 Stunden freiwillig geleistet. Eine begrüßenswerte Initiative im Ort zum Erhalt eines Kulturdenkmals.
An der Renovierung haben mitgearbeitet: Michael Borik, Gerhard Führer, Markus Gunkel, Josef Hinterecker, Willi Krem- nitzl, Ernst Maringer, Ortsvorsteher Karl Reiser, Josef Renner, Erwin Steudl, Helmut Steudl und Heinz Veitl.
Die hervorragende Verpflegung der freiwilligen Helfer stellten die Familien Ernst und Hermine Maringer, Leopold und Theresia Planner, Josef und Manuela Renner, Ingrid Renner, Obfrau Heidemarie Veitl und der Weinhof Waldschütz sicher. Als Gönner sind auch die Familien Gerhard und Manuela Führer, Helmut und Helma Steudl sowie die Firma Gerald Schneiber aus Michelhausen zu nennen.
Für dieses Projekt sind ausschließlich Materialkosten angefallen. Diese schlagen sich mit rund € 4.000,- zu Buche. Finanzielle Unterstützung gewährten die Marktgemeinde Kirchberg am Wagram, die NÖ Dorf & Stadterneuerung, die Kulturabteilung des Landes Niederösterreich und das Bundesdenkmalamt.
Anlage
Grundbuch: 20019 Kollersdorf Einlagezahl im Grundbuch: 56
Grundstücksnummer: 69 Grundstücksgröße: 86 m²
Erzdiözese: Wien Dekanat: Hadersdorf
Pfarre: Altenwörth Filialkirche, Kirchennummer: 13656
In der mit 1. Juni 2005 in Kraft getretenen Verordnung des Bundesdenkmalamtes erfolgte eine besondere Unterschutzstellung entsprechend den Bestimmungen des § 2a Denkmalschutzgesetz.
Glossar:
Kaufkraftvergleich von alten österreichischen Währungen mit der heutigen Kaufkraft in Euro laut Währungsrechner der Österreichischen Nationalbank:
| 1826 | 6 Gulden (fl) 31 Kreuzer (kr) C.M. | € 340 |
| 1842 | 682 Gulden (fl) 51 Kreuzer (kr) C.M. | € 38.200 |
| 1917 | 810 Kronen | € 590 |
| 1931 | 15 Schilling | € 48 |
Knauf Mitte, Höhe über Adria: 202,53
KT-Stein westliches Ortsende, Höhe über Adria: 187,44
Position: 48°24′20.23″ N 15°50′23.75″ O
Quellen:
Diözesanarchiv Wien
Österreichisches Staatsarchiv
NÖ Landesarchiv
Bundesdenkmalamt
DEHIO-Handbuch
Gemeindearchiv Kollersdorf
Pfarrchronik Altenwörth
Bezirksgericht Tulln - Grundbuch Kollersdorf
Für den Inhalt verantwortlich: Herbert Eder, 3474 Kollersdorf 62
Sachsendorf, im Juli 2012
Marktgemeinde Kirchberg am Wagram
3470 Kirchberg am Wagram, Marktplatz 6, Bezirk Tulln, NÖ.
Telefon 02279/2332-0
UIDNr. ATU16234108 FAX 02279/2332-21
E-Mail:
Kollersdorf, am 9. April 2012
Betrifft:
Sanierung der Kapelle Sachsendorf
Geschätzte Ortsbewohnerinnen und Ortsbewohner!
Unser Dorferneuerungsverein Kollersdorf Sachsendorf unter ihrer Obfrau Heidi Veitl hat sich die Sanierung der Kapelle Sachsendorf zum Ziel gesetzt. Ein sehr ehrgeiziges und umfangreiches Vorhaben, welches einerseits nur durch finanzielle Unterstützung und andererseits nur durch die Mithilfe aller Ortsbewohnerinnen und Ortsbewohner zu bewältigen ist.
Mit den Arbeiten wurde bereits im Vorjahr begonnen und müssen diese bis Ende Juni 2012 abgeschlossen sein. Für dieses Jahr stehen noch die Sanierung des Innenbereiches (Erneuerung des Verputzes bei den Bänken und im Altarbereich …) und die Fertigstellung des Außenbereiches (Sockelherstellung, Anstrich, Nebenflächen …) an.
Wir beginnen mit den Arbeiten am Samstag, dem 14. April 2012 um 8.30 Uhr. Infolge ist geplant – witterungsabhängig – jeweils samstags ab 8.30 Uhr mit den Arbeiten fortzusetzen. Die Arbeiten werden jeweils von einem Vertreter des Dorferneuerungsvereines koordiniert.
Ich darf Sie um Ihre geschätzte Mithilfe bitten!
Am Sonntag, dem 8. Juli 2012 soll die in neuem Glanz erstrahlende Kapelle im Zuge eines Kapellenfestes gesegnet werden.
Herzlichen Dank für die Unterstützung, Ihr
Reiser Karl
(Ortsvorsteher)
Kleindenkmäler von Sachsendorf
Eder-Kreuz
BEDENK, WAS DAS BEDEUTUNG SEI,
ZIEH AB DEN HUT, DU BIST EIN CHRIST,
DER DURCH DEN HERRN ERLÖST WORDEN IST.
GEW. EDER M.
Kriegerdenkmal
Der Obelisk ist auf einem Betonsockel, welcher mit gemauerten Bruchsteinen eingefasst ist, aufgesetzt. Eine Deckplatte am Sockel der Aufmauerung trägt die Namen und Bilder der Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Darunter sind ein Relief aus Bronze, bezeichnet F. Meixner 1919 und eine entschärfte Artilleriegranate angebracht. Am Relief ist ein an eine Kanone gelehnter, gefallener Soldat mit Engel dargestellt. Die Säule trägt einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen, das „Eiserne Kreuz“ steht für „hervorragende soldatische Pflichterfüllung“. Darunter die Inschrift:
Den Gefallenen von den Ortsbewohnern
der Gemeinde Sachsendorf gewidmet.
Aus der Landzeitung vom 21. Juni 1923: Sonntag, den 1. Juli findet die feierliche Enthüllung unseres Kriegerdenkmales statt. 5 Uhr Weckruf, 8 Uhr Feldmesse mit Festpredigt, halb 2 Uhr Empfang der Festgäste, Heimkehrer, Jungfrauen, Sammelplatz Gasthausgarten. 2 Uhr Abholen der Gemeindevertretung, Trauergäste, Trauerjungfrauen, halb 3 Uhr Enthüllung und Weihe des Denkmals, Ansprachen. Ab 4 Uhr Konzert in Herrn Magerls Gasthaus, ab 8 Uhr Tanzkränzchen. Eintritt zum Fest 5000 Kronen, zum Konzert frei. Kommet alle, denn es gilt, unsere lieben Toten zu ehren.
Am 19. August 1956 traf der Gemeinderat die Entscheidung, die Namen der gefallenen und vermissten Soldaten des Zweiten Weltkrieges anbringen und das Denkmal entsprechend einer Skizze von Steinmetzmeister Friedrich Miller aus Krems um zwei Steintafeln links und rechts erweitern zu lassen.
Über die Segnung berichtet Pfarrer Wilhelm Grubmüller in der Pfarrchronik: Am 3.11.1957 wurde in der Gemeinde Kollersdorf und Sachsendorf das Kriegerdenkmal neuerdings geweiht, nachdem zuvor je 2 Steintafeln mit den Namen der im 2. Weltkrieg Gefallenen angebracht worden waren. Die 2. Sonntagsmesse wurde aus diesem Anlass in der Kapelle in Kollersdorf gefeiert und hernach in feierlicher Prozession zu den beiden Denkmälern gezogen, wo in Ansprachen und Gebet der Gefallenen des letzten Krieges gedacht wurde.
Die in der Sitzung des Gemeinderates vom 17. Mai 1985 beschlossenen Reinigungs- und Sanierungsmaßnahmen sowie die Vergoldung der Inschriften führte Steinmetzmeister Sperner aus Langenlois durch.Blühendes Niederösterreich
Die Grünanlage zwischen Kollersdorf und Sachsendorf ist Aufstellungsort einer Vielzahl von Tafeln, die an die überaus erfolgreiche Teilnahme an der landesweiten Aktion „Blühendes Niederösterreich“ erinnern.
Die Ortschaften mit Blumenschmuck zu verschönern, ist Ziel dieses Wettbewerbes. Kollersdorf und Sachsendorf nahmen erstmals 1981 an der damals „Niederösterreich im Blumenschmuck“ benannten Aktion teil. Schon in den Anfangszeiten konnten beachtliche Erfolge erzielt werden. Seit 1998 ist der Wettbewerb als „Blühendes Niederösterreich“ bekannt.
Überaus erfolgreich war die Teilnahme im Jahr 2023. Erstmals konnte in der Gruppe 1 (Orte bis 800 Einwohner) der erste Platz und somit der Landessieg errungen werden.
Pestkreuz
Der abgefaste Tabernakelpfeiler steht von Kollersdorf kommend rechts, am Ortsanfang von Sachsendorf. In der tiefen, oben spitz zulaufenden Nische befindet sich ein Holzkruzifix, davor eine Christusstatue. An der linken Wand hängt ein Bild mit dem Spruch:
Das Denkmal dürfte aus dem 17. Jahrhundert stammen; ein Zusammenhang mit dem oben genannten Tabernakelpfeiler ist wahrscheinlich.
Beide Pestdenkmäler sind in der Josephinischen Landesaufnahme verzeichnet.
Im Zuge der 100-Jahr-Feierlichkeiten der Freiwilligen Feuerwehr Kollersdorf-Sachsendorf im Jahr 1995 wurden beide Marterl von der Ortsbevölkerung renoviert. Einen neuen Anstrich erhielten sie 2024, veranlasst vom Dorferneuerungsverein, durch den Winkler Malermeister Christian Brodesser.
Pestsäule
Der Tabernakelpfeiler mit abgesetztem Pyramidendach steht malerisch auf der etwas erhöhten Verkehrsinsel zwischen Kollersdorf und Sachsendorf und stellt einen besonderen Blickpunkt dar.
In der Richtung Kollerdorf geöffneten Nische befindet sich seit 2018 eine Darstellung des Hl. Sebastian, eine Nachbildung des Altarbildes in der Kollersdorfer Kapelle.
Aus der Pfarrchronik: Gegen Kollersdorf zu steht ein Pestkreuz und im Boden trifft man viele Totengebeine (Pestfriedhof). Bei Erdarbeiten um die Säule treten heute noch Knochen zutage, die an Ort und Stelle beigesetzt werden.
Wegkreuz
Bereits im Jahr 1654 hat man den idealen Standort für ein Wegkreuz am Hochpunkt der Straße nach Seebarn erkannt und eine Bewilligung von der Herrschaft Grafenegg erwirken können. Es durfte ein hilzernes Martersaillen aufgestellt werden.
Kurz außerhalb des Ortes steht an diesem Platz, links an der Straße nach Seebarn, ein Holzkreuz mit bemaltem Blechschnitt-Christus. Ursprünglich war das Kreuz Rich-tung Ortschaft ausgerichtet, seit 2019 steht es parallel zur Landesstraße 45. In diesem Jahr war eine Erneuerung notwendig geworden. Die Marktgemeinde Kirchberg am Wagram gab bei der Tischlerei Thomas Kanzler aus Mitterstockstall die Neuanfertigung eines Kreuzes aus Lärchenholz in Auftrag. Belassen wurde der vor längerer Zeit von Schlossermeister Johann Makolm aus Kollersdorf nach der alten Vorlage angefertigte Blechschnitt-Christus. Sowohl dessen Anfertigung als auch die von Malermeister Adolf Stark aus Kirchberg am Wagram vorgenommene Bemalung erfolgten auf Veranlassung von Marie Bachmayer († 2017) aus Sachsendorf. Nach der Heiligen Messe in der Ortskapelle am Dienstag, den 18. Juni 2019 segnete Pfarrer Maximilian Walterskirchen dieses Kreuz. Anschließend traf man sich zur Agape im Haus der Familie Planner.
Historische Dokumente bezeugen das Bemühen der Ortsbewohner, dieses Kreuz zu allen Zeiten in Ehren zu halten und dessen Fortbestand sicherzustellen. Am 24. Mai 1704 sprach die Herrschaft Grafenegg die Bewilligung aus, anstatt der dort gestandenen und umgefallenen hölzernen Kreuzsäule eine andere neue zu setzen.
In den Jahren 1906 und 1936 sind Renovierungen vorgenommen worden. Zu der zuletzt genannten ist in der Pfarrchronik zu lesen: Von der Kapelle in Sachsendorf zog eine große Volksschar unter der Führung des Ortspfarrers hin zum neu renovierten Kreuz. Zunächst wurde das Lied gesungen: „Heil‘ges Kreuz...“; hierauf hielt der Ortspfarrer eine Ansprache und nahm die Weihe des Kreuzes vor; nach derselben übergab es der Ortspfarrer der Gemeinde. Das 5. Geheimnis des schmerzhaften Rosenkranzes und eine Strophe „Großer Gott...“ beschlossen die Feier. An der Renovierung dieses Kreuzes haben sich besonders verdient gemacht Herr Anton Ploiner (Vorbeter) und Franz Magerl (Gastwirt).
https://www.kirchberg-wagram.at/tourismus/kleindenkmaeler/liste-aller-kleindenkmaeler.html
Archiv der Gemeinde Kollersdorf-Sachsendorf
Fotos und Ansichtskarten: Maria Knapp, Herbert Eder
Persönlichkeiten/Familien Sachsendorf
Sachsendorf
Schreibweisen von "Sachsendorf"
Im Laufe der Jahrhunderte erfuhren die Ortsnamen größere Veränderungen. Nur wenige Personen konnten schreiben, vieles wurde mündlich weitergegeben und dann nach Gehör aufgeschrieben (in den Pfarrmatriken ist dies bis ins 19. Jahrhundert nachzuvollziehen).
In folgender Liste sind die verschiedenen Schreibweisen von Neustift im Felde angeführt. Die Erklärung der Abkürzungen finden Sie am Ende des Textes.
| Ca. 1230 | Sehssindorf | Maidhof, Pass. Urb. II, S. 113, 122 |
| 1302/22 | Sachsendorf | Österr. Urbare III/1, S. 175 |
| 1316 | Sechsendorf | OÖUB V, S. 167 |
| 1340 | Sechsendarf | FRA II/28, S. 197 |
| 1400 | Seixendarff | Öst. Urb. III/1, S. 264 |
| 1433 | Säxndorf | NÖW II, S. 664 |
| 1437 | Sachsendorf | GB XII, S. 566 |
| 1447 | Sechsendorff | Urk. Petronell |
| 1590 | Saxendorf | Bereitungsbuch VUMB |
| 1708 | Säxendorff | Stainersche Casten-Ambtsberschr., Bayer. Hauptstaatsarchiv, München |
| um 1780 | Saxendorf | Josephinische Landesaufnahme, Kriegsarchiv Wien |
| ab ca. 1835 | Sachsendorf | Franz Xaver Schweickhardt |
Erklärung Abkürzungen
FRA - Fontes rerum Austriacarum
Fontes rerum Austriacarum (FRA), österreichische Geschichtsquellen, herausgegeben von der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in 3 Abteilungen: I. Scriptores, Band 1-13, 1855ff.; II. Diplomataria et Acta, Band 1-87, 1849ff.; III. Fontes iuris (Quellen zur Geschichte des österreichischen Rechts), herausgegeben von der Kommission für die Savigny-Stiftung, Band 1-11, 1953ff.
GB
Gescichtliche Beilagen zu den Consistorial-Currenden der Diözese St. Pölten, 1878 - 2001
NÖW
Niederösterreichische Weistümer, Gustav Winter, Wien, 1896
OÖUB
Oberösterr. Urkundenbuch
Quellen:
Heinrich Weigl: Historisches Ortsnamenbuch für Niederösterreich, Wien 1975
Urkunde und Geschichte - Niederösterreichs Landesgeschichte im Spiegel der Urkunden seines Landesarchivs
November 2012
Maria Knapp























