Chronik von Winkl
1130/1140
Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes:
Die ersten gemeinsam nach Winkl genannten Ministerialen heißen Tiemo, Rahawin und Adalbrecht (um 1130/40) Dazu kommen noch ein Dietmar von Winkl (1130/1141) sowie der als Spitzenahn der Geschlechts ausgewiesene Poppo. Bemerkenswert ist, dass sich genau diese charakteristischen Namen bei den um die markgräfliche Residenz Klosterneuburg sitzenden babenbergischen Ministerialen gehäuft nachweisen lassen. Was Poppo von Winkl betrifft, so ist er höchstwahrscheinlich mit einem 1114 singulär genannten Poppo identisch, der das Amt eines markgräflichen Burggrafen zu Krems (1131) ausübte und diese Position zur Errichtung der Herrschaft Winkl in den nahegelegenen Donauauen genutzt haben dürfte. (26)
Um 1135
Popo von Winkl wird in einer Urkunde als Zeuge bei einer Grundstückstransaktion genannt. (2) Siehe unter: http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=1527
Seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts lassen sich babenbergische Ministerialen an einem Donauarm in Winkl nachweisen. In der zweiter Jahrhunderthälfte verfügten deren Nachkommen bereits über genügend Ressourcen, um mit einer eigenen Mannschaft auch im Hinterland von Winkl herrschaftsbildend auftreten zu können. (26):
- Poppo, ein Sohn Poppos wird um 1177 in Gnagge, einem abgekommenen Ort zwischen Großweikersdorf und Großwetzdorf genannt.
- Ortlieb, ein anderer Sohn Popps wir 1177 erstmals in Königsbrunn genannt.
- Ortlieb III. errichtete um 1250 Schloss Winkelberg.
- Um 1250 ist der nur wenig nördlich von Winkl gelegene und abgekommene Ort Porz im Besitz von Winkler Gefolgsleuten. (26)
Rahawinus von Winkl wird in einer Urkunde als Zeuge angeführt. (23)
1156
Poppo von Winkl tritt im Gefolge von Markgraf-Herzog Heinrich II. bei der Unterzeichnung des Privilegium minus in Regensburg unter den ministerialis ducis auf. (26)
In den Zwettler Annalen tritt Popo von Winkl auf. (23)
1160
In der Ortsgeschichte von Theras (bei Sigmundsherberg) werden Popo und Kunigunde von Winkl genannt, die den Brüdern zu Göttweig zwei Weingärten zu Traiskirchen zum Nutzgenuss geben. (1)
31.5.1188
Ortolf von Winkl ist als Zeuge bei einer Schenkung Herzog Leopolds V. an das Kloster Heiligenkreuz angeführt. (21)
1190/91
Ortolf-Ortlieb I., der Sohn Poppos, der in Winkl bleibt, führt das Aufgebot der herzoglichen Ministerialen an, das den Babenberger Leopold V. auf den Kreuzzug ins Heilige Land begleitet. (26)
26.8.1191
Wie viele andere dürfte Ortolf-Ortlieb I. bei der Rückfahrt erkrankt und vermutlich an diesem Tag verstorben sein. (26)
23.2.1225
Die Vogtei-Rechte Ortliebs von Winkl über Absdorf werden vom Babenbergerherzog Leopold VI. in geordnete Bahnen gelenkt, da sich Ortlieb durch hohe Abgabenforderungen unbeliebt gemacht hatte.(6) Seine Vogtei reicht von Winkl über Absdorf, Absberg, Kirchheim (mittlerweile verschwunden) und Kirchberg am Wagram. (1)
Um 1270
Ortlieb von Winkl, der mit Elisabeth von Falkenberg-Mistelbach verheiratet war, stirbt. (2)
1283
Weickhard von Winkl übernimmt die Vogtei von seinem Vater, regiert aber nicht viel besser als dieser. (1)
1288
Hadmar und Ortlieb von Winkl treten als Zeugen beim Verkauf einer Liegenschaft zu Mühlfeld auf, ebenso Hadmar mit seinem Siegel beim Besitzverkauf Friedrichs von Eckerstein an die Kirche zu Strögen. Ihr oftmaliges Auftreten in Urkunden bei Besitzverkäufen zeugt von ihrem großen Ansehen unter den Adeligen jener Zeit. (1)
1292
In einer Urkunde treten die Söhne Ortliebs als Zeugen auf, und zwar als Ortlieb von Winkelberg und als Hadmar von Winkl. (2)
17.3.1303
Wernher der Payr von Winkl und Chunigunt kaufen von Abt Heinrich IV. von Göttweig die so genannte Münichwiese bei Altenwörth. (23)
In diesem Jahr wird erstmals ein Pfarrer namens Gerung erwähnt, der einer niederadeligen Familie aus Trübensee angehörte. 1319 wird er letztmalig erwähnt. (26)
1318
Urkunde im Stift Schlägl (OÖ): Hadmar von Winkl gestattet dem Kloster Schlägl, in des Klosters Höfen zu Winkl oder zu Neustift das Halten von 16 Rindern und deren freie Weide auf seinen, Hadmars, Werden (Inseln) und Auen als Seelgerät für die verstorbenen Söhne und Vorfahren. In diesem Dokument wird auch der Pfarrer Gerunch von Winkl genannt. (8)
Sitft Schlägl, Lade D. S83 aus dem Jahre 1318 (8)
1320
In einer Abgabenaufstellung des Stiftes Göttweig kommen unterem anderem folgende Winkler vor, die Abgaben zu leisten haben, d.h. ihre Höfe gehören dem Stift Göttweig: Erbet Froschnerinn von Winkl, Nikel Pair und Wolf von Winkchel. (Nikel war damals ein gebräuchlicher Name – von Nikolaus, dem Patron der Schifffahrer). (23)
1325
Sieghard ist als Pfarrer von Winkl belegt. (26)
1330
Herzog Albrecht warnt Weikhart von Winkl vor Bedrückung der Klosteruntertanen. (8)
1340
In der Kirche von Winkl lässt sich ein St.Johann Altar mit einem eigenen Kaplan nachweisen. (26)
1348
Weikhart wird die Vogtei entzogen. (8)
1351
Hadmars Sohn Ortlieb bezeichnet sich erstmals als Ortlieb von Winchel von der Tunawe. (2)
1357
Ortolf von Winkl ist Zeuge bei einer Transaktion zwischen Reinprecht von Schonnperch und dem Nonnenkloster zu Tulln. (17)
1360
Ortlieb wird als Zeuge bei einem Grundverkauf des Weichart von Hippleinstorff als Ortlieb von Winchel auf den Tunaw bezeichnet.(17)
Die Wappen der Herren von Winkl:
Siegel 1362: ein aufsteigendes Einhorn - Siegel 1372: ein aufsteigendes Einhorn; auf dem Helm ein Flügel mit einem Balken belegt.
Näheres zu den Wappen siehe hier: https://www.hf-kirchberg.at/winkl/die-herren-von-winkl/wappen-der-herren-von-winkl
1384
Ein Hans ist als Pfarrer von Winkl nachgewiesen. (26)
1423
Pfarrer Jakob siegelt das Vermächtnis Siegmunds, des letzten Herren von Winkls. (26)
1424
Sigmund von Winkl ist der letzte des Geschlechts, der erwähnt wird. Winkl fällt durch die Heirat Emburks, einer Tochter Sigmunds, mit dem Ritter Koloman Scheck von Wald an dessen Familie. (2)
Nach 1450
Winkl geht als landesfürstliches Lehen mit allen Gütern an Aggstein, das im Besitz von Georg Scheck von Wald ist. (1)
Zu Scheck von Wald siehe:
https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Scheck_von_Wald
1456
Winkl wird noch ausdrücklich „Festung“ genannt. (1)
1463
Winkl fällt an Georg von Stein, die Burg wird wahrscheinlich in diesem Jahr abgebrochen. (20)
1467
Winkl fällt an Ulrich Freiherrn von Grafenegg. (1)
1477
Ullrich tritt gegen eine Entschädigung von 50.000 Dukaten alle seine Schlösser und Herrschaften, darunter Neu-Wolfenreut (Grafeneck) samt allem, so etwan zum Schloss W., das Jörgen Scheck gewesen ist, gehört hat, an Kaiser Friedrich II. ab. (2)
26.3.1495
Grafenegg mitsambt der abbrochen vestenn Wünckl wird an Heinrich Prüschenk Freiherrn von Stettenberg (Hardegg) verkauft. (1) (2)
Dies war nur eine kurze Zusammenfassung über die „Herren von Winkl“. Ausführlich behandelt ist das Thema im Buch "Studien zum mittelalterlichen Adel im Tullnerfeld" von Dr. Günter Marian, Verein für Landeskunde von Niederösterreich - St. Pölten 2017
Ca. 1530
Das Weistum „Fischerrechte zu Winkl“ entsteht. (20)
Siehe hier: https://www.hf-kirchberg.at/winkl/fischerrechte-zu-winkl
1561
Winkl ist noch so bedeutend, dass es – im Gegensatz zu anderen Orten der Umgebung – in einem Kupferstich unten stehender Niederösterreichkarte dargestellt ist – wenn auch nicht ganz am richtigen Ort:
Ausschnitt: Wolfgang Lazius: Niederösterreich, Wien um 1560, Kupferstich
Karte in der NÖ Landesbibliothek, Kartensammlung, St. Pölten
1613
Nachdem Grafenegg seit 1467 oftmals den Besitzer gewechselt hat, wird Winkl in diesem Jahr wieder an Grafenegg verkauft. (1)
1634
In einem kolorierten Kupferstich ist Winkl, Wynkhl geschrieben, dargestellt.
Ausschnitt: Willem und Joann Blaeu, Atlas novus, Kupferstich, Amsterdam 1634
Karte in der NÖ Landesbibliothek, Kartensammlung, St. Pölten
1645
Die Schweden sollen laut Pfarrchronik Altenwörth in der Gegend furchtbar gehaust haben. (23)
Der gefürchtete Schwedenführer Torstenson verlegte sein Quartier anfangs April 1645 von Krems nach Grafenwörth und seine Truppen rückten bis gegen Wien vor. Dabei soll Kollersdorf und Winkl von den Schweden zerstört worden sein. (27)
Um 1700
Auf einer Karte im Besitz der Familie Delapina sind Winkl und Neustift eingezeichnet.
Bei dem Turm dürfte es sich um das Gebäude des ehemaligen Freihofes (jetzt Winkl 42) gehandelt haben, denn von diesem wird in der Josephinische Landesaufnahme noch um 1780 berichtet: Das kleine Schloß oberhalb dem Dorf ist solide, so wie die unterhalb liegende Kirchen, der Kirchhof aber von Brettern das Schloß dominiret das Dorf, und die Gegend, die Kirche die an der Donau liegende Gränz, und Abdeckerhaus.
Ab 1760
Josephinische Landesaufnahme: In der Monarchie entsteht die erste genaue Landkarte, initiiert vom Hofkriegsrat mit Genehmigung der Kaiserin Maria Theresia. Unter Kaiser Joseph II wurde sie vollendet. Österreich unter der Enns (Niederösterreich) wurde von 1771- 1783 vollendet. Auf dieser Karte sieht man in Winkl zwei kleinere Flüsse: Einer, der wahrscheinlich Wagram-Kamp hieß, floss vom Niederwagram durch das Dorf bis zum jetzigen Feuerwehrhaus und dann gegen Osten weiter. Der zweite floss in zwei Armen um die Fuchsberger-Au. In der Au gab es zwischen dem Granitz- und dem Schinderhaus noch ein drittes, das an einem Seitenarm der Donau lag. (Karte der Josephinischen Landesaufnahme, Kriegsarchiv. Aus urheberrechtlichen- und Kostengründen ist eine Veröffentlichung der Karte leider nicht möglich.).
Ein Ausschnitt aus der Josephinischen Landesaufnahme.
20.7.1783
In einem Dekret wird bestimmt, dass Winkl mit Altenwörth und Gigging eine Pfarre bilden solle. Dieser Beschluss wurde noch im selben Jahr rückgängig gemacht und Winkl kam zur Pfarre Kirchberg. (23)
1787
Grafenegg nimmt eine Grundteilung vor: ....Nämlich die Herrschaft Grafenegg hat im Jahre 1787, als Johann Exinger Bürgermeister von Winkl war, mit der Gemeinde eine Theilung der Donauauen vorgenommen, die der Kirche gehörten, Grafenegg bekam 80 Joch, die Winkler 78 Joch. (29)
1807 - 1809
Die Franzosenkriege toben auch in unserer Gegend. Alle jungen Männer werden einzogen, Winkl gehört zum dritten Korps. Die Ortschaften wurden zu Zwangslieferungen verpflichtet, die Franzosen, die in Grafenegg ihr Quartier aufgeschlagen haben, plündern rücksichtslos. (8)
Um 1817
In dieser Zeit wird eine Topographie Österreichs erstellt, in der die Einwohner und der Ort Winkl nicht sehr gut wegkommen. Hier einige Ausschnitte daraus:
Die hiesigen Einwohner sind mit einer ebenso betrübten Leibbeschaffenheit behaftet, und gleichen Überschwemmungsgefahren ausgesetzt, wie die Einwohner von Altenwörth, ….
Es hat 44 Häuser, unter welchen 7 der Herrschaft Winkelberg, 1 der Herrschaft Oberstockstall und 1 dem oberennsischen Kloster Schlägl unterthan ist,(der Rest gehörte zu Grafeneck, Anm.d. Verf.) dann 54 Familien, 126 männliche, 129 weibliche Köpfe. An Handwerkern 2 Schneider, 4 Fischer. Am Viehstande 40 Pferde, 90 Stück Rinder, 80 Schafe, 12 Zuchtschweine.(17)
Um 1830
1817 wird mit der franziszeischen Katastralvermessung begonnen, die in der gesamten Monarchie mit Ausnahme Ungarns durchgeführt wird, um ein einheitliches Steuersystem nach den Bodenerträgen zu erhalten. Der Ort Winkl wird um 1830 behandelt.
Karte: Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, Katastralmappenarchiv, Wien http://www.bev.gv.at/portal/page?_pageid=713,1604790&_dad=portal&_schema=PORTALDie Grundstücke des Ortsbezirks liegen in der Ebene. Es gibt jedoch Niederungen, die den Donauüberschwemmungen mehr unterliegen und deren Lage noch ungünstiger als der übrigen ist. Das Korn ist schlechter Beschaffenheit. Es steht daher dem auf Anhöhe erzeugten Korn um 1/5tel im Preise nach.
Im dazugehörigen Catastral Schätzungs Elaborat der Enclave Winkl H.548 findet man u.a. folgende Informationen:
Die Grundoberfläche ist ganz eben: im Genusse eines ziemlich milden Klimas und umfasst einen Flächenraum von 1576 Joch.
Bei der ganzen Gemeinde befindet sich ein Viehstand von 42 Pferden, 1 Stier, 122 Kühen, 31 St. Jungvieh, 100 Schafen und 33 St. Borstenvieh.
Die Kommunikationswege befinden sich hier in ziemlich schlechtem Zustande und scheinen äußerst selten einige Reparatur zu genießen.
Beim Ackerlande erscheinen Korn, Hafer, Erdäpfel als Haupterzeugnisse, Safran, Weizen, Gerste, Kukuruz, Kraut, gelbe Burgunder und Stoppelrüben, dann Steirerklee als Nebenfrucht, welche ausnahmsweise von einzelnen Grundbesitzern für den Hausbedarf erzeugt werden. (12).
Die Aufstellung der Bauparzellen von Winkl ist von Corporal Friedrich Hohmann verfasst und mit 28.3.1831 datiert. Der Plan ist sehr detailgetreu, sogar der Brunnen bei der Kirche ist eingezeichnet – siehe Chronik Kirche.
Um 1835
Franz Xaver Schweickhart, der ebenfalls eine Topographie von Niederösterreich erstellte, kommt zu folgendem Ergebnis: Es gibt zu dieser Zeit 44 Häuser mit 69 Familien, davon 160 männliche, 153 weibliche Personen und 41 schulfähige Kinder. (3)
Die Grundstücke gehören zu dieser Zeit den Herrschaften Grafenegg, Winkelberg, Gut Oberstockstall und Königstetten. (12)
Zu Franz Xaver Schweickhart siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Xaver_Schweickhardt
1866
Die Gemeinde Winkl übernimmt während des Deutschen Krieges 2 Verwundete zur Privatpflege. (Wiener Zeitung vom 20. 7. 1866)
13.4.1886
Weihe der Glocke der kleinen Kapelle am Ortsbeginn. Die Glocke wurde vom ehemaligen Bürgermeister Franz Bösl-Lastinger gespendet, es ist anzunehmen, dass er auch den Bau der Kapelle initiiert hat.
1892
Die Winkler Kinder besuchen das letzte Mal die Schule in Neustift, und zwar sind es 18 Knaben und 24 Mädchen. (8)
31.7.1892
Einweihung der Schule, welche vom Herrn Dechant Hohmann aus Kirchberg am Wagram vorgenommen wurde. (1) Der Bau kostete 5300 Gulden. (11) Der erste Lehrer ist Jakob Jungbauer, der dieses Amt bis 1923 ausübte.
4.6. 1898
Die Freiwillige Feuerwehr Winkl wird gegründet.
Schulleiter Jakob Jungbauer wird erster Hauptmann, Anton Wimmer sein Stellvertreter. (9)
Aus dem Buch „100 Jahre FF Winkl“, 1998
Etwa 1900 Oben: Greißlerei und Wirtshaus, Kirche
Unten: Ortseinfahrt aus Richtung Neustift
Etwa 1925 Oben: Kirche, Schule Unten: Milchkasino, Greißlerei, Gasthaus
Alle: Herbert Eder, Kollersdorf
Winkl nach 1900 Oben sieht man den alten Eingang zur Kirche, der in Richtung Fuchsbergerau führte.
Karte: Erich Trezmüller, Gigging
1900
Das Milchkasino wird gegründet. (4)
Durch die Eröffnung der Bürgerschule in Kirchberg am Wagram vermindert sich die Schülerzahl in Winkl drastisch. (13)
1903
Im Jahr 1903 gab es in Winkl folgende Handels- und Gewerbebetriebe:
Gastwirt: Leopold Zehetner
Gemischtwarenhändler: Leopold Zehetner
Greißler: Leopold Zehetner
Schuhmacher: Johann Riedl
Tabak-Trafikant: Franziska Zehetner
Tischler: Josef Biebl
Viktualienhändler: Josef Deimel
Wasenmeister: Karl Wimmer
(Österreichischer Zentralkataster sämtlicher Handels-, Industrie- und Gewerbebetriebe, 1903, NÖ Landesarchiv)
1914 - 1918
1927
Die Gemeinde Winkl beteiligt sich an der Anschaffung eines Versehwagens:
Die Gemeinden Mallon, Engelmannsbrunn, Neustift, Winkl u. Unterstockstall haben beigetragen zu einem neuen Versehwagen, da der alte nicht mehr zu gebrauchen war; dieser alte Wagen wurde, weil noch einen alten Wagen, der in der Wagenschupfe stand, abgegeben. Der neue Wagen ist schön und leicht. (29)
Aus diesem Jahr gibt es noch eine Einladung zum Feuerwehrball (Herbert Eder):
1929
Das Telefon kommt nach Winkl. (18)
Lehrer Ludwig Hirsch schreibt in der Neustifter Schulchronik über den ehemaligen Burggraben: ... In diesem Schloßgraben fand man nach Grabungen wertvolle Schwerter, Pfeilspitzen und anderes Waffengerät der damaligen Zeit. Einiges ist davon im Besitze der Schule Winkl. Bei sorgfältigen Grabungen würde gewiß noch mancherlei zu Tage treten, denn der Ursprüngliche Burggraben ist mehr als doppelt so tief zu denken. (28)
30.9.1934
Der Kaiserplatz wurde auf den Namen Dollfußplatz umbenannt. Und ist eine Tafel anzubringen. (18)
Es handelte sie hiebei um den Platz für dem Haus Herbert Grill - jetzt Verkehrsinsel.
5.6.1935
5 Mitglieder des Gemeinderates verlassen diesen und treten der Vaterländischen Front bei. (18)
1937
Ein Kriminalfall: Der Knecht Anton B. wird aus Winkl ausgewiesen, da er 1934 das Bild von Bundeskanzler Dollfuß aus dem Milchkasinos gestohlen und verbrannt hat. Weiters hat er 1934 illegale Flugzettel gestreut und Hakenkreuzfahnen gehisst. 1936 ist er in der Greißlerei von Antonia Zimmermann eingebrochen und verschiedene Gegenstände entwendet. Für beide Taten ist er vom Kreisgericht Krems mit Kerker bestraft worden. (18)
25.1.1938
Über Europa sieht man ein Nordlicht: Dienstag d. 25.I. gegen 20 Uhr war in den meisten Ländern Europas Nordlicht zu sehen; selbstverständlich auch hier. Da diese wunderschöne Himmelserscheinung ganz plötzlich aufgetreten ist und niemand davon eine Ahnung hatte, so wurde es anfangs von vielen Leuten für ein Großfeuer gehalten. Laut Zeitungsberichten ist in Baden bei Wien sogar die Feuerwehr ausgerückt, weil man glaubte in Heiligenkreuz sei ein Großfeuer ausgebrochen. Dieses Nordlicht wurde ungefähr eine Stunde lang gesehen, dann war es auf einmal wieder verschwunden. (23)
(Pfarrerchronik Altenwörth, Pfarrer Karl Berthold)
11.-13.3.38
Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich: Die Märztage 11. – 13. werden für unser Vaterland ein Markstein in der Geschichte bleiben. Die Regierung Schuschnigg mußte zurücktreten und Österreich wurde an das Deutsche Reich angeschlossen. So ist natürlich auch Österreich nationalsozialistisch geworden. Daher wurden in allen Gemeinden natürlich auch die Bürgermeister abgesetzt und neue eingesetzt, die schon früher bei der nationalsozialistischen Partei waren. (23)
(Pfarrerchronik Altenwörth, Pfarrer Karl Berthold)
Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich am 12. März müssen alle Personen um einen Ariernachweis ansuchen. Allein im Pfarrhof Altenwörth werden 1.000 Urkunden ausgestellt. (23)
Anfang Mai wird die Deutsche Währung bei uns eingeführt. 1 Reichs Mark = 1,50 Schillinge.(23)
25.4.1938
Erstmals wird ein Protokoll des Winkler Gemeinderates mit „Heil Hitler!“ tituliert, allerdings geschah das nur insgesamt 2 Mal. (18)
30.4.1939
Am 30. April nachmittags wurde auf dem Platz der Adolf-Hitler-Eiche in feierlicher Weise ein herrlicher Maibaum aufgestellt. Der Chronist hielt hiebei die Festrede. (30) Lehrer Peter Pircher
Es handelte sich dabei um den Platz vor dem Haus Herbert Grill - heute Verkehrsinsel. Dieser Platz hieß vorher schon Kaiser- und Dollfußplatz. Die erwähnte Eiche ist eingegangen....
30.7.1939
Die Druschgenossenschaft wird gegründet. (10)
1939 – 1945
Die Freiwillige Feuerwehr ist per Gesetz aufgelöst. (9)
1943
Das Hamsterunwesen greift immer mehr ums sich. Bericht des Landrates des Kreises Tulln an den Reichsstatthalter in Niederdonau, Herrn Regierungspräsidenten Dr. Gruber: Das Hamsterunwesen hat nicht nachgelassen. Die Schleichhandelspreise sind vielmehr im steten Wachsen begriffen. Mangelware ist überhaupt nur mehr im Tauschwege erhältlich. Dabei sind die Gehalts- und Lohnempfänger erheblich benachteiligt, da sie über keine Tauschobjekte verfügen. Leider konnte kein einziger Fall aufgegriffen werden. Seitens der Bevölkerung fehlt hiezu auch jede Unterstützung. Der Angelegenheit wird nach wie vor größtes Augenmerk zugewendet.
(Sicherheitsberichte 1941- 45, NÖ. Landesarchiv, St. Pölten)
9.2.1945
Winkl wird an diesem Tag bombardiert. Es werden ca. 100 Bomben abgeworfen. Da der Angriff von Westen her erfolgt, das Dorf aber in Nord-Süd-Richtung gebaut ist, entsteht ein verhältnismäßig geringer Schaden. Außer 2 schwer beschädigten Gebäuden und 2 total zerstörten Scheunen entstehen nur geringfügige Sachschäden. (5)
Zum Dank dafür, dass es zu keinen Personenschäden kam, wird noch heute um diesen Zeitpunkt herum eine Dankmesse, die so genannte „Bombenmesse“ gelesen.
Mai 1945
Am 7. Mai nachmittags sind deutsche Truppen (SS) noch im Ort anwesend. An diesem Tag wird der Ort vom südlichen Donauufer aus mit Streufeuer belegt. An einem Haus entsteht leichter Sachschaden. 8 Tage vorher zog die Flak ab. Die Russen kommen aus dem östlich gelegenen Frauendorf und waren vorher in der Höhe des Forsthauses Eleonorenhain von Zwentendorf über die Donau gegangen. Die deutschen Truppen ziehen in westliche Richtung ab. Im Ortsbereich finden keine Kampfhandlungen statt.
Lehrer Engelberger (5)
Weitere Berichte darüber siehe hier:
https://www.hf-kirchberg.at/kriege-und-revolutionen/der-2-weltkrieg-titel/luftangriffe-auf-winkl
1945
Im zweiten Weltkrieg waren 43 Mann eingerückt, (11) 14 davon sind gefallen oder vermisst.
Besatzungstruppen waren in Winkl nicht stationiert. Es waren nur 2 Feldgendarmen anwesend, von denen einer deutsch sprach. Durch das Wirken der beiden konnten Plünderungen und sonstige Übergriffe anderer Russen weitgehend verhindert werden. (5)
8.11.1945
Die erste Sitzung des Winkler Gemeinderates nach dem Krieg findet statt. Vorsitzender ist der provisorische Bürgermeister Leopold Grill, der in der konstituierenden Sitzung vom 29.12.1946 wieder gewählt wird. (18)
Alle 77 Gemeinden des Bezirkes Tulln haben den Bundeskanzler Ing. Leopold Figl einstimmig zu ihrem Ehrenbürger ernannt.
(Das kleine Volksblatt vom 30.12.1945)
1948
Es erfolgt die erste Beratung über die Elektrifizierung des Ortes. Der Gemeinderat überträgt dem Bürgermeister die Aufgabe, mit einer Firma über die Zuleitung des elektrischen Stromes nach Winkl zu verhandeln. (18)
Nach reichlicher Überlegung hat die Gemeindevertretung den Beschluss gefasst, ein komplettes Projekt für die Elektrifizierung der Gemeinde Winkl (Zuleitung) anfertigen zu lassen. Der Bürgermeister wird ersucht und beauftragt, mit einer ... Firma zu verhandeln und den Auftrag zur Projektauffassung zu erteilen. (18)
Winkl zählt 50 Häuser und 187 Einwohner. (11)
Die Berufe teilen sich auf, wie folgt: 1 Tischler, 1 Lehrer, 1e Postangestellte, 1 Forstarbeiter. Alle übrigen erwachsenen Personen und Jugendlichen sind in der Landwirtschaft tätig. (11)
31.7.1949
Da es in Winkl nun eine Ortsbeleuchtung gibt, wird der Viehhirt Karl Hartl vom Gemeinderat beauftragt, diese täglich ein- und auszuschalten. (18)
1950
Der erste Winkler Feuerwehrball nach dem Krieg wird abgehalten. (9)
Bei der Gemeinderatswahl erhält die ÖVP 76 Stimmen, die SPÖ 38, die Volksopposition 1 Stimme.
1951
Winkl gehört nun zur Pfarre Altenwörth: Laut Zuschrift des Erzbisch. Ordinariates vom 6. Juli 1951 Zahl 4319/51 gehört Winkl vom 1. August 1951 zur Pfarre Altenwörth. Damit ist ein langgehegter Wunsch vieler Winkler in Erfüllung gegangen. Der Gefertigte hat schon 1946/47 in Winkl den Religions-Unterricht erteilt und 1950/51 wieder und auch Gottesdienst in der Winkler Kirche immer gehalten, natürlich mit Erlaubnis d. H. Pfarrer von Kirchberg. (23)
1953
Es wird ein Stierhalterverein gegründet. Dieser übernimmt von der Gemeinde den Halter und den Gemeindestier. 1961 wird dieser Verein allerdings wieder aufgelöst und die Gemeinde übernimmt den Halter wieder. (18)
Im August werden neue Ortstafeln aus Aluminumblech angeschafft. Sie sind "hochgeprägt, oval, blau-gelb laut Vorschrift". Der Preis einer Tafel: 256,- S.
1954
Die Winkler Jagd wird an die Herren Franz Lehner, Bäckermeister in Winkl 51 und Franz Walla, Gendarmerie- Bezirksinspektor i.R., Winkl Nr. 6 um 1.500,-- S vergeben und zwar für die Periode vom 1.1.1954 - 31.12.1959 (Amtsblatt des Tullner Bezirkes)
1954/55
Die Schule wird renoviert. Es sind dafür 150.000,-- S notwendig. (18)
1955
Bei der Gemeinderatswahl geben von 126 Wahlberechtigten 118 ihre Stimme ab, alle gültig! 80 Stimmen erhält die ÖVP, 25 die SPÖ und 13 Stimmen die Volksopposition.
Vor 1957
Errichtung einer Gemeinschafts-Kühlanlage. (18)
1957
Der Gemeinderat beschließt den Bau der Ortsstraße. Voraussichtliche Kosten: S 100.000,-- (18)
Der Neubau des Pfarrhofes Altenwörth wird beschlossen. Die Bewohner der Ortschaften der Pfarre - so auch die Winkler - werden verpflichtet, beim Neubau tatkräftig mitzuhelfen.
1959
Winkl tritt der Verwaltungsgemeinschaft Gruppenwasserversorgungsanlage Wagram (nördliches Tullnerfeld) bei. Das heißt, Winkl bekommt eine Wasserleitung Der Brunnen wird nördlich von Neustift errichtet. Der Wasserpreis wird mit 3,20 S festgesetzt (18).
10.60 –12.61
In Winkl werden die Äcker kommassiert, d.h. zu größeren Flächen zusammengelegt, um dem Einsatz der nun größeren Ackergeräte und Traktoren Rechnung zu tragen. Unter anderem wurde der Weg nach Frauendorf, die so genannte „Schellergasse“ verlegt. (18)
1950 – 1960
In diesem Jahrzehnt kommen auf das Dorf große (positive) Veränderungen zu: Neben der Renovierung der Schule und Kirche nimmt man die erstmalige Asphaltierung der Ortsstraße in Angriff (siehe oben), die Ortsbeleuchtung wird installiert, eine Gemeinschaftskühlanlage wird errichtet, es erfolgt der Anschluss an die Gruppenwasserversorgung Wagram und die Kommassierung der Grundstücke findet statt. Dies alles waren große Aufgaben für eine kleine Gemeinde von nicht einmal 200 Einwohnern, es musste daher von Fall zu Fall um so genannte Bedarfszuwendungen bei der Landesregierung angesucht werden. Die Ortsbevölkerung half bei den anfallenden Arbeiten mit, um die Kosten geringer ausfallen zu lassen.
Das mit Bescheid der NÖ Agrarbezirksbehörde vom 29. Februar 1960, Zl. 223/4-1960, eingeleitete Zusammenlegungsverfahren Winkl (Marktgemeinde Kirchberg am Wagram im Gerichtsbezirk Kirchberg am Wagram) wurde gemä0 § 28 Flurvergfassungs-Landesgesetz 1975… endgültig abgeschlossen.
Bau der ersten befestigten Straße: Auf den gebrochenen groben Splitt wurde einfach Asphalt gegossen. (22)
Siehe auch hier:
https://www.hf-kirchberg.at/winkl/winkl-einst-und-heute
Die Ortsstraße wurde gebaut. Die Arbeit dauerte 3 Wochen. Sie wurde von der Bezirksstraßenverwaltung ausgeführt. Der Beitrag der Gemeinde:
104.000,- S. (30)
1961
In Österreich findet eine Volkszählung statt. Winkl hat 55 bewohnte Häuser und 189 Einwohner. (23)
Die Zufahrt nach Winkl von der Straße Neustift – Bierbaum aus wurde mit einer festen Decke versehen. (30)
12.9.1961
Die nö. Landesregierung hat am 12. September 1961 dem Bürgermeister von Winkl Karl Schmidt das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich verliehen.
Die Ueberreichung der Dekoration und des Dekretes erfolgte im Rahmen einer kleinen Feier durch Herrn Landesrat Oekonomierat Johann Waltner.
(Veröffentlichung im Amtsblatt der Bezirkes Tulln vom 10.10.1961)
14.9.61
Unter Anwesenheit des Herrn Landesrates Ökonomierat Johann Waltner aus Altenwörth, wurde am 13.9.1961 (Mittwoch) dem Bürgermeister Karl Schmidt anläßlich seines 50. Geburtstages von der Gemeinde, Feuerwehr und Schule eine Feier bereitet. Nachdem 2 Kinder (Steinbatz Maria und Aigner Annemarie) ein Sprücherl aufgesagt hatten, hielt VS Dir. L. Engelberger eine Ansprache, in der er Wesen und Verdienste des Gefeierten würdigte. Herr Landesrat Waltner betonte in seiner Ansprache, daß es Bürgermeister Schmidt zu verdanken sei, daß die Gemeinde in den letzten 10 Jahren so viel schaffen konnte und dabei der innere Friede erhalten blieb.... (30), Lehrer Leopold Engelberger
21.10.61
Heute war eine Kommission der n.ö. Landesregierung in Winkl, die die Wege besichtigte, die auf Grund des Gemeinderatsbeschlusses vom und des Protokolls vom für den Preis von 12.000,- S an die Gutsherrschaft Grafenegg abgetreten und entwidmet werden sollen. Es handelt sich um den Weg, der an der Kirche vorbei in südlicher Richtung zum Hegerhaus führt und um Feldwege in der Ried „Weidäcker“, die zum Teil schon abgekommen sind. Das Ausmaß der Abtretung beträgt 0,75 ha. (30)
1962
Renovierung des Spritzenhauses. (9)
Laut Bezirksschulrat soll die Schule in Winkl gesperrt werden, der Gemeinderat und die Bewohner wehren sich heftig dagegen und können die Schließung vorläufig abwehren. (18)
1963
Letzter Feuerwehrball im Gasthaus Zehetner. (9)
1966
Da Frau Zehetner das Gasthaus die letzten Jahre als Witwenbetrieb geführt hatte und es niemand weiterführte, musste sie es in diesem Jahr schließen.
Frau Zehetner hinter der Schank
Foto: Monika Riedl, Winkl
Juli 1966
Die Schule wird geschlossen, die Schüler besuchen ab September die Schule in Kirchberg am Wagram. (18)
1967
An der Nordseite der Kirche wird ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege angebracht.(18)
Nach längeren Verhandlungen über die Zusammenlegung der kleineren Gemeinde zu Großgemeinden wird Winkl Teil der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram.
Letzter Eintrag in den Winkler Gemeinderatsprotokollen,Gemeindeamt Kirchberg am Wagram:
Der Bürgermeister schließt die Sitzung und dankt allen für die 18 Jahre guter Zusammenarbeit und bittet den Vertreter der Gemeinde der Kirchberg und den Bürgermeister der Großgemeinde in Hinkunft alte Einrichtungen und Traditionen aufrecht zu erhalten und zu pflegen.
Nach einer Ansprache und Laudatio des VSDir. Engelberger überreichte Bürgermeister Joh. Damböck an Bürgermeister Karl Schmidt die Ehrenbürgerurkunde.
Unterfertigt: Schmidt, Rauscher, Aigner, Riedl, Engelmann, Heisler, Zimmermann, WölflLaut den Sitzungsprotokollen von 1925 bis 1967 (42 Jahre) fielen fast alle Abstimmungen einstimmig aus!
1.1.1968
Winkl ist ab nun eine Katastralgemeinde der Großgemeinde Kirchberg am Wagram.
Die Gemeindehäuser werden verkauft. (24)
1970
Die Bundesstraße 3, die Stockerauer Schnellstraße wird eröffnet, die Winkl näher an Krems und Tulln anbindet. Dem Bau der Straße, die durch die erst kürzlich neu kommassierten Äcker von Winkl führen sollte, gingen harte Verhandlungen (noch im Winkler Gemeinderat) voraus. (18)
Um 1972
Die Greißlerei Zehetner wird geschlossen.(22)
1977
Der Heurige von Anni und Herbert Grill öffnet seine Pforten.
1978
Das Milchkasino wird geschlossen. (4)
Der Spielplatz wird angelegt. (24)
Verkauf des Gemeindehauses (Viehhirthaus) (24)
Die Kegelbahn wird eröffnet. (4)
Foto: Marktgemeinde Kirchberg am Wagram
1979
Eine Volkszählung bringt folgendes Ergebnis für Winkl: 56 Gebäude, 62 Wohnungen, 55 Haushalte, 180 Personen.
1.7.1979
Gründung des Verschönerungsvereins. Erster Obmann ist Karl Birochs . (15)
1981
In diesem Jahr wird die Dorfstraße gründlich saniert, es werden Gehsteige und Blumeninseln angelegt. (22)
4.6.1982
Das erste Winkler Feuerwehrfest findet im Garten der ehemaligen Schule statt. (9)
1984
An der Einfahrtsstraße von Neustift wird der Ortsgraben zugeschüttet und ein Gehsteig errichtet. (15)
Das Feuerwehrhaus wird neu gestrichen, ein Zubau für die Zillen bei der alten Schule hergestellt und ein Kleinlöschfahrzeug angeschafft. (9)
Große Gemeindegrundstücke werden aufgeforstet. (Alte Mülldeponie "im See“) (24)
1989
Am 3. Juni findet in der Gemeindekanzlei eine Bürgerbefragung über die Umwidmung von Grundstücken zur Schottergewinnung an der damaligen Schnellstraße statt. Die Wahl endete mit einer Ablehnung dieses Ansinnens.
1992
Bau der Hubertuskapelle
17.2.1994
Die Winkler gehen demonstrieren: Im Nordosten des Dorfes soll eine offene Güllegrube errichtet werden. Viele Winkler gehen mit Plakaten dagegen vor - die Grube wird nicht errichtet. Einige Jahre später wird sie, ohne dass die Bevölkerung viel davon erfährt, an der Straße Richtung Frauendorf errichtet.
11.9.1994
Einweihung der Hubertuskapelle außerhalb des Ortes mit anschließendem Fest, welches auf dem Festplatz hinter der alten Schule stattfindet. Der Andrang ist groß - gibt es doch unter anderem Wildgerichte zu speisen.März 1997
Da die Vergabe von sieben neuen Hausnummer ansteht, wird vom Herrn Ortsvorsteher Berthiller die Frage aufgeworfen, ob man die Nummern nicht der Reihe nach vergeben solle, da im Laufe der Jahre ein ziemliches Chaos entstanden ist. Es wird auch über die Vergabe von Straßennamen diskutiert. Am 30. März ist die Abgabe der Stimmzettel - es bleibt alles wie gehabt, vor allem die Kosten und die Mühen der Adressänderungen schrecken die Winkler ab.
18.7.1998
Einweihung der Schule nach ausgiebiger Renovierung anlässlich des 100-jährigen Bestehens der FF Winkl. (9)
2000
Spatenstich für den Teilabschnitt des Hochwasserschutzdammes südlich von Winkl.
12.11.2000
Eröffnung der Kläranlage zwischen Winkl und Altenwörth.
2002
Hochwasser, siehe hier:https://www.hf-kirchberg.at/katastrophen/hochwasser-2002
und https://www.hf-kirchberg.at/katastrophen/so-haben-wir-es-geschfft
1.10.2002
Die Winkler fahren mit einem Autobus in die Bucklige Welt. Der davor verstorbene Dr. Horst Friedrich Mayer (Mai 2003), der ein guter Freund der Winkler Jäger war, wollte anstatt von Kranzspenden das Geld den Winkler Hochwasseropfern zugute kommen lassen. Mit diesem Geld wurde nun dieser Ausflug finanziert, damit sich die Winkler während der Renovierungsarbeiten, die zu diesem Zeitpunkt schon im Endstadium waren, einmal einen schönen Tag machen konnten. Der Ausflug ging unter anderem nach Hollenton, da diese Gemeinde den größten Einzelposten auf das Hochwasserkonto eingezahlt hatte.
2008
Die Kastanienbäume bei der Kapelle werden gefällt.
2011
Das Wasser im Biotop ist stark verschmutzt und muss ausgetauscht werden.
Juni 2012
Franz Berthiller, seit 1990 Ortsvorsteher von Winkl, wurde von Herrn Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll das Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland NÖ verliehen - und zwar für seine Arbeit als Obmann des Donauhochwasserschutz Wasserverbandes Tullnerfeld-Nord.
Winkl hat 192 Einwohner, 91 männliche, 101 weibliche; 176 mit Hauptwohnsitz, 16 mit Nebenwohnsitz in Winkl.
Die Friedhofsverwaltung des Winkler Friedhofes ging in die Verwaltung der Großgemeinde über.
Im Zuge des Hochwasserschutzes wurden die Gräben im Dorf vermessen und geräumt, auf dem Sportplatz wurde ein Rohr eingelegt.
2013
Die Straße im Unterort erhielt eine Verschleißschicht, gleichzeitig wurde der Gehsteig im Bereich des Feuerwehrhauses erweitert.
Am 14.8.2013 stellte Herr Ortsvorsteher Franz Berthiller ein von ihm entworfenes und gestiftetes Hochwasserdenkmal in der Nähe der Kapelle im Oberort auf. Als Ausgangspunkt für die Hochwassermarken nahm er die Markierung vom Hochwasser 2002 an der Kapelle und die Daten am Hochwasserstein in Maria Ponsee.
2020
Die beiden holzernen Buswartehäuschen wurden auf Gemeindekosten geschliffen, grundiert und zwei mal gestrichen. Ein weiteres Bushäuschen im Oberort wurde errichtet.
Das Dach der alten Volksschule wurde überstiegen, und wo notwendig repariert.
Die Koniferen in der Allee zur Kirche und zum Friedhof sterben nach und nach ab. Es wird im Ort eine Lösung überlegt.
Vom neuen Ortsvorsteher Joachim Brodesser wurde ein vier Mal im Jahr erscheinendes „Informationsblatt Winkl“ ins Leben gerufen.
2020/21
Die Renovierung der Kapelle im Oberort wurde von der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram finanziert.
Die Einwohner von Winkl
| Jahr | Häuser | Einwohner | Männl./weibl. | Familien | Quelle |
| 1590 | 32 | Bereitungsbuch | |||
| 1682 | 34 | Stift Schlägl | |||
| Um 1817 | 44 | 255 | 126/129 | 54 | Topographie Österreichs 1817 |
| 1827 | 44 | 286 | 153/133 | 66 | Franziszeische Operate |
| Um 1835 | 44 | 354 | 160/153/41 K . | 69 | F.X.Schweickhardt |
| 1888 | 310 | Aus Subventionsansuchen f.d. Kirchberger Gemeindearzt Dr. Arthur Pechlaner | |||
| 1900 | 53 | 280 | Heimatkundl. Stoffsammlung | ||
| 1910 | 54 | 280 | Pfarrchronik Altenwörth | ||
| 1923 | 57 | 257 | Pfarrchronik Altenwörth | ||
| 1932 | 56 | 225 | Volkszählung/Pfarrchronik Altenw. | ||
| 1948 | 50 | 187 | Heimatkundliche Stoffsammlung Winkl | ||
| 1961 | 55 | 189 | Volkszählung/Pfarrchronik Altenw. | ||
| 1979 | 56 | 180 | Volkszählung | ||
| 2011 | 66 | 193 | 90/103 | Gem. Kirchberg/Wagram |
Im Jahr 2011 teilten sich die Bewohner in 179 Personen mit Haupt- und 14 Personen mit Zwetiwohnsitz auf.
Quellen:
1. Wilhelm Simlinger: Aus der Vergangenheit von Kirchberg, Altenwörth, Bierbaum a. K., Königsbrunn und alle dazugehörigen Gemeinden, Kirchberg 1958
2. Burgendatenbank des Europäischen Burgenistituts: http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=1527
3. Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, Wien 1835
4. Geschichten aus Winkl, 1992
5. Fragenbögen der Gemeinden, 1945; NÖ Landesarchiv; Verfasst von Schulleiter Engelberger Leopold, unterfertigt von Bürgermeister Karl Schmidt, 1961
6. 1000 Jahre Absdorf, 2011
7. Handbuch für Heimat- und Familienforschung, Hrg.: NÖ Landesarchiv
8. Andreas Nowotny, Chronik Neustift im Felde Teil 1
9. 100 Jahre FF Winkl, 1998
10. Protokolle Druschgenossenschaft Winkl, Familie Riedl
11. Heimatliche Stoffsammlung Winkl, Verfasser unbekannt, 1948
12. Franziszeische Operate, NÖ Landesarchiv
13. Klassenbücher und Kataloge der Schule Winkl
14. Pfarrmatriken Kirchberg am Wagram
15. Sitzungsprotokolle Verschönerungsverein Winkl
16. 975 Jahre Altenwörth 1014 - 1989
17. Topographische Tabelle 1817, NÖ Landesarchiv
18. Sitzungsprotokolle der Gemeinde Winkl, 1925 – 1968, Gemeindeamt Kirchberg am Wagram
19. Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, Zentralmappenarchiv, Wien
20. G. Winter: Nö Weistümer, 1884 – 1913, Wien
21. Heide Dienst: Regionalgeschichte und Gesellschaft im Hochmittelalter am Beispiel Österreichs
22. Erzählungen von Winkler Einwohnern
23. Pfarrchronik Altenwörth
24. 20 Jahre Gemeinde Kirchberg am Wagram
25. Die Wappen des Adels in NÖ, Teil 2 S – Z, J. Siebmachers großes Wappenbuch, Band 26, 1983; NÖ Landesarchiv
26. Verein für Landeskunde von Niederösterreich "Land zwischen Donau und Wagram (WagramII"), Exkursion am 29.Oktober 2011, (Peter Aichinger-Rosenberger, Günter Marian, Alexandra und Roman Zehetmayer)
27. Hubert Schützner, Geschichte von Absdorf und Absberg, 1959
28. Schulchronik II, Neustift im Felde
29. Pfarrchronik Kirchberg am Wagram
Nicht bezeichnete Fotos stammen von der Autorin.
Oktober 2011, letzte Änderung März 2024
Maria Knapp
Die Bürgermeister von Winkl
Dorf- und vizedomische Richter aus verschiedenen Unterlagen
1613: Matheus Achamber ist Kastenamtsrichter der vizedomischen Güter in Winkl
1620: Paul Päzelt, Vizedombischer Richter zu Winckhel, ist verstorben
1622/23: Wolff Thiernauer (Dÿrauer), Khaÿ: Casten Ambts Richter zu Winkl
1633: Wolff Perzinger, Dorfrichter
Philipp Posch, Kastenamtsrichter
1651: Michael Litsch, Kastenamtsrichter
1655: Mathias Kellner, Kastenamts-Grundrichter
1657/1661: Michael Litsch, Kastenamtsrichter Winkl
1658: Mathias Kellner, Kaiserlicher Kastenamtsrichter
1660: Friderich Sembler, Richter
1656 ist Friedrich Sembler mit Gattin Magdalena in Bierbaum genannt, 1658, bei der Geburt der Tochter Eva Rosina bereits in Winkl. Weitere Geburten sind 1660, 1663 und 1665 erwähnt. Ab etwa 1669 ist er mit Scholastika verheiratet, Kinder sind 1669 und 1671 genannt.
1662: Geörg Halbßeisen, der Herrschaft Gravenegger Richter zu Winkhl
1664: Friderich Sembler, Richter
1675 - 1681: Mathias Vollmann ist mit Gattin Scholastika bei der Geburt des Sohnes Sebastian in den Pfarrmatriken erwähnt.
1681: Georg Fröschl
Richterwahl zu Winckhl
Am 21. 9bris 1681 ist die Richter Wahl zu Winckhl vorgenomben worden weillen aber Richter Matias Vollman mit todt ist abgangen also seindt an die Wahl genomben
Geörg Fröschl Mathias Halbseißen
15 stimb
'Weillen der Geörg Freschl ein hellig ist zum Richter erwehlt, also thuet in die Herrschaft darzue conferirren und bestetigen darbeÿ anbefehlen das er sein Ambt also Ministrire, das alle ehrbahr Manzucht erhalten werdendt, daß trinkhen, tunieren spillen so beÿ der Nacht durch die Jung pursch geschiecht abstellen, auf der Herrschafft Awen gehülz und freÿheit achtung geben daß in dero freÿheit Nichtes vergeben wirdt. In den Awen ohne Vorwissen der Herrschaft kein Stambholz abgeben auch nicht gestatten daß andere was herauß tragen daß holztragen oder stellen abstellen deßwegen Ihme daß ambt uber geben wirdt, daß guete zu schizen daß böß zu straffen auch den underthanen anbestehlen Ihme daß gewöhnliche gelib zu laisten und anzu globen.
1684: Mathias Paur, kayl: Kastenambts Richter,
Jeremias Eywöckh, kayl: Kastenambts Richter, 2.10.1684
Zacharias Fellner kayl: Kasten Ambst Richter daselbsten, 2.10.1684
In diesem Jahr sind drei verschiedene Kastenamtsrichter erwähnt.
Dorf Richter Wahl zu Winckel
In die Wahl sindt khomen
1690: Wolf Mahrer
Richter Wahl zu Winckhl
Auf vorhergangen Gehörten anlangen ist mit hochgräfl: Herrschaft: Verwilligung Matthias Halbseysen seines getragenen Richterlichen Ambts endtlassen und nach abgefordten wahlstimmen Wolf Mahrer von Einer Gemain daselbst erwählt, selber auch von Grundt: und Voggt Obrigkheit wird ratificirt neben deme aber auch zu ainem Beÿstandt Geörg Fröschl gewählt worden. Actum Winkhl den .. Februarÿ ao 1690.
1691: Jeremias Eÿwöckh
1699: Mathias Pauer
1700: Andreas Rapp
1702: Georg Pfeiffer Vizedombischer Richter
7.5.1742: stirbt der Dorfrichter Johann Exinger mit 45 Jahren.
1748/1755: Joseph Perr alß Grundt und Torff Richter zu Winckhl
1818/1820: Johann Friedl
Um 1829: Joseph Schuster
Geschworner war Mathias Glatt
Um 1830: Johann Hartl
1836: Karl Maringer Richter zu Winkl (KrA VUMB 223/XIV, Wasserbau, 1836)
Um 1836: Ignaz Bösel
Unter anderem kümmerte er sich darum, dass die Herrschaft Grafenegg den Winklern nicht noch mehr Grundstücke abnahm, als sie es schon getan hatten.
Von ihm wird gesagt, dass er es gewesen ist, der Winkl bewohnbar gemacht hat, da der Ort vorher eine stinkende Sumpflacke gewesen ist. Das kinderlose Ehepaar übersiedelte später nach Kirchberg wo Ignaz Bösel 1888 verstarb. Näheres siehe hier.
1848, 1849: Franz Söllner
Bürgermeister
Die wichtigsten Aufgaben des Bürgermeisters und der Gemeinde zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Schautafel in der Gemeindestube im Museumsdorf Niedersulz) siehe hier.
| Jahr | Bürgermeister | Vizebürgermeister | Gemeinderat 1 | Gemeinderat 2 |
| 1850-1865 | Ignaz Bösel, Wirtschaftsbes. | Joseph Schaupp, Gastwirt | Michael Weidinger, Wb, | |
| 1866-1867 | Ignaz Bösel, Wb. | Joseph Schaupp, Gastwirt | Michael Weidinger, Wb. | |
| 1869- 1870 | Wagensonner Joh., Wb. | Michael Weidinger, Wb. | Schmidt Johann, Wb. | |
| 1871-1873 | Wagensonner Joh., Wb. | Schmidt Johann, Wb. | Jos. Schaupp, Gastwirth | |
| 1875-1876 | Rauscher Mathias, Wb. | Krach Johann, Wb. | Schmidt Johann, Wb. | |
| 1877-1882 | Krach Johann, Wb. | Schmidt Johann, Wb. | Wimmer Joseph, Wb. | |
| 1883-1885 | Rauscher Mathias, Wb. | Schocher Josef, Gastwirth | Weidinger Michael, Wb. | |
| 1886-1888 | Rauscher Mathias, Wb. | Schmidt Johann, Wb. | Laistinger Franz, Wb. | |
| 1889-1891 | Bösl-Lastinger Franz, Wb. | Rauscher Mathias, Wb. | Pfaller Johann, Krämer | |
| 1892-1894 | Schocher Joseph, Wb. | Bösl-Lastinger Franz, Wb. | Pfaller Johann, Gastwirt u.Krämer | |
| 1895-1899 | Weninger Anton, Wb. | Schocher Joseph, Wb. | Jungbauer Jacob, Lehrer | |
| 1901-1906 | Rauscher Leop., Wb | Schocher Joseph, Wb. | Jungbauer Jacob, Lehrer | |
| 1907-1912 | Schocher Joseph, Wb. | Rauscher Leop., Wb | Jungbauer Jacob, Lehrer | |
| 1913-1919 | Zehetner Leopold, Gastwirt | Ihl Heinrich, Hauer | Söllner Anton, Hauer | |
| 1920-1921 | Wimmer Joseph Wb.. | Nevosad-Armbruster Jos., Hauer | ||
| 1922 | Wimmer Joseph Wb.. | Nevosad-Armbruster Jos., Hauer | ||
| 1923 | Wimmer Joseph Wb.. | Nevosad-Armbruster Jos., Hauer | ||
| 1924-1929 | Markl Anton Wb. | Nevosad-Armbruster Jos., Hauer | ||
| 1930-1935 | Ihl Heinrich Wb. | Nevosad-Armbruster Jos., Hauer | ||
| 1936 | Ihl Heinrich Wb. | unbesetzt | ||
| 1937 | Wimmer Johann Wb. | Bösinger Leopold, Wb. | ||
| 1938 | Georg Zimmermann Leop.Zehetner | |||
| 1945 | Leopold Grill Wb. | Anton Markl | ||
| 1946 | Leopold Grill Wb. | |||
| 1947-1948 | Anton Nofirth Wb. | |||
| 1949 | Grill Leopold, Landwirt | Nofirth Anton ÖVP | ||
| 1950 | Grill Leopold, Landwirt | |||
| 1950-1967 | Schmidt Karl, Landwirt |
Bis 1919 war jeweils ein Vertreter der Herrschaft Grafenegg im Gemeinderat vertreten.
Während des Krieges unterstand Winkl dem Bürgermeister von Altenwörth.
Ortsvorsteher
Seit 1968 gehört Winkl zur Großgemeinde Kirchberg am Wagram und entsendet einen Ortsvorsteher in den Gemeinderat.
1968 – 1969 Rauscher Josef
1969 – 1980 Engelmann Johann
1980 – 1990 Ing. Heisler Wilhelm
1990 - 2015 Berthiller Franz
2015 - 2020 Anton Karner
2020 - 2025 DI Joachim Brodesser
seit 2025 Wilhelm Heisler jun.
Franz Zehetgruber war von 1968 bis 1995 und von 2005 - 2010 Gemeinderat.
Fotos
Archiv Vizedom 27,28, 30, 31, 35 NÖ Landesarchiv
Unterlagen der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram
Diözesanarchiv Wien, Landpfarren/Kirchberg am Wagram/Karton 17/Filiale Winkl
Maria Knapp
Die Kunstdenkmäler von Winkl
Entnommen aus:
DEHIO-HANDBUCH
Die Kunstdenkmäler Österreichs; Niederösterreich nördlich der Donau, 1990
WINKL, Gemeinde Kirchberg am Wagram. Polit. Bez. TullnZeilendorf, südlich von Kirchberg am Wagram. – Urnenfeld- und hallstattzeitliche Funde. Urkunde 1130/40. 1456 urkundlich Festung, zu dieser Zeit Stapelplatz an der Donau. 1477 landesfürstlich. 1495 öde. – Geschlossene Zeilenverbauung, überwiegend Zwerchhöfe.
FILIALKIRCHE hl. Nikolaus, am südlichen Ortsrand, von Friedhof umgeben. Romanischer-frühgotischer Bau, mit vorgestelltem W-Turm 2. Hälfte 19. Jh. Im Inneren renoviert 1865, restauriert 1926.
Langhaus mit gleich hohem und nur wenig schmälerem, gerade geschlossenem Chor. N-Sakristei und nördliches Seitenschiff unter Pultdach, geritzte Ortsteinquaderung 15./17.Jh. An der N-Seite, an Sakristei und Seitenschiff schmale Rundbogenfenster, im O 2bahniges Maßwerkfenster, im S Spitzbogenfenster. Spitzbogiges N-Portal. W-Turm mit Putzgliederung, rundbogigen Schallfenstern und Spitzhelm.
Langhaus, einjochiges queroblonges Haupt- und etwas niedrigeres schmäleres, 2jochiges Seitenschiff, durch spitzbogige Durchbrüche verbunden. Kreuzrippengewölbe. Orgelempore 19. Jh. – Chor, 2jochig, kreuzrippengewölbt, spitzbogiger Triumphbogen- Gotische Sessionsnische mit Kleeblattbogen, 1. Hälfte 14.Jh. – Sakristei tonnengewölbt. – Turmerdgeschoß tonnengewölbt.
Frühbarocker Hochaltar, 3. Viertel 17.Jh., mit Säulenaufbau und gesprengtem Giebel sowie Opfergangsportalen, Altarblatt hl. Nikolaus, bezeichnet Klimesch, 1801; Oberbild Gnadenstuhl, 3. Viertel 17. Jh., ebenso die gemalten Felder der Opfergangsportale, li. Hll. Josef und Katharina, re. Hll. Antonius und Klara; Tabernakel von Putti bekrönt. – Neugotische Orgel. Gotische Figuren, Maria mit Kind, Anfang 15. Jh. und hl. Sebastian, dzt. in Verwahrung. Barocke Figur hl. Anna, 1. Hälfte 18. Jh. Barockes Kruzifix. – Grabstein mit Ritzkreuz, 14. Jh.
17. April 2012
Maria Knapp
Druschgenossenschaft Winkl
1939
Die Druschgenossenschaft wurde am 30.7.1939 gegründet. Die Vorstandsmitglieder waren: Anton Kreutner, Leopold Grill, Franz Reiser, Johann Engelmann, Georg Zimmermann und Josef Weninger.
Am 25. August 1939 stand dazu in der Wochenzeitung "Kreis Tulln" zu lesen:
Gründung einer landwirtschaftlichen Genossenschaft.
Unser Ort besteht mit wenigen Ausnahmen aus kleinen Bauern, die nicht imstande sind, aus eigenen Mitteln größere Summen für landwirtschaftliche Maschinen abzugeben. Maschinen aber ersetzen fehlende Arbeitskräfte, Maschinen erleichtern die Arbeit und Maschinen sind jetzt billiger als je zuvor. Und der Vierjahresplan verlangt vom deutschen Bauern Einsatz aller Kräfte und Möglichkeiten. Da taten sich ein paar richtige deutsche Bauern, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, zusammen und gründeten eine landwirtschaftliche Genossenschaft, um sowohl im eigenen wie auch im Interesse der Volksgemeinschaft eine gewisse Rückständigkeit zu überwinden und vor allem den fühlbarsten Mängeln abzuhelfen. Es wurden also unter Zuhilfenahme der Genossenschaftszentralkasse in Wien vor allem ein Rohölmotor mit 10 PS und eine moderne Dreschmaschine angekauft, zu der demnächst auch eine Strohpresse geliefert werden wird, so dass für die Genossenschaftsmitglieder die lästige und drückende Sorge um den Ausdrusch nunmehr ein Ende gefunden hat. Denn die neue Dreschgarnitur surrt und summt nun jeden Tag ihr Lied, einmal in einer Scheune, einmal an einem Stock im Felde, und sorgt dafür, dass das liebe tägliche Brot in die Säcke gelange. Die Genossenschaftsmitglieder empfinden den Besitz ihrer Maschinen als eine große Wohltat. Bald soll nun die Anschaffung einer Kreissägeanlage und einer Schrotmühle folgen. Um das Gelingen der Sache haben sich besonders verdient gemacht die Männer, die heute dem ersten Vorstand der Genossenschaft bilden: Obmann Anton Kreutner, Obmannstellv. Leopold Grill und Vorstandsmitglied Franz Reiser und nicht zuletzt freilich auch unser Ortsbauernführer Leopold Zehetner. Möge diese Gründung recht vielen wirtschaftlich schwachen Kleingemeinden als nachahmenswertes Beispiel dienen.
(Stadtamt Tulln )
Bei Hermann Pirker wurden die Dreschmaschine (Modell Hofherr Schrantz) und die Strohpresse ( Modell Raussendorf) gekauft.
1940
Im Jänner 1940 unterschrieben der Obmann Anton Kreutner sowie Franz Reiser, Josef Weninger und Nikolaus Riedl das Protokoll. Geschäftsführer war Josef Rauscher.
Am 22.8. werden neue Mitglieder aufgenommen: Josef Schneider, Josef Schuster, Josef Schweiger, Engelbrecht Urban, Anton Kreuzinger und Leopold Riedl. Unterschrieben von Anton Kreutner, Leopold Grill und Johann Engelmann.
1941
Ankauf einer Karrenspritze, 1941
1942
Eine Kreissäge wurde angeschafft.
Rückzahlung von RM 700 für die Saatgutreinigungsmaschine
1948
Drei Mitglieder der Druschgenossenschaft sind im Krieg gefallen: Engelbert Urban, Leopold Riedl und Josef Weninger.
Der Obmannstellvertreter Leopold Grill übergibt an den neuen Obmann, Josef Bierochs. Als weiteres Vorstandsmitglied unterzeichnet Josef Biebl. Es gibt schon einen Aufsichtsrat der unter anderem aus Engelmann Johann und Riedl Johann besteht. Schneider Josef ist Vorstandsmitglied.
Am 6. April wurde ein Protokoll anlässlich der Revision der Landwirtschaftkammer erstellt:
Protokoll aufgenommen in der gemeinsamen Vorstands- und Aufsichtsratssitzung am 6. April 1948 um 20 Uhr abends im Hause des Obmannes Bierochs in Winkl anlässlich der Beendigung der Revision.
Anwesend die Gefertigten.
Der Obmann begrüßt alle erschienenen Herren und erteilt dem Revisionsbeamten der Landwirtschaftskammer das Wort. Dieser bespricht die im Laufe der Revision aufgeschienenen Mängel, deren Auswirkung und Abstellung. Insbesondere betont er die zukünftige Kassaführung der Genossenschaft und die Verpflichtungen des Vorstandes und Aufsichtsrates. Die Rechnungsabschlüsse der Jahre 1945 – 47 wurden verlesen und erklärt und von der Sitzung genehmigt. Der Revisionsbericht und die angeschlossenen Weisungen werden vollinhaltlich verlesen, Punkt für Punkt erklärt und von der Sitzung zur Kenntnis genommen.
Die Sitzung beschließt noch die kommenden Druschgebühren und Sämaschienenleihgebühren für 1948. Die Druschgebühren werden pro Stunde auf S 15,--festgesetzt. Als Umstellkosten wird pro Partei S 5,-- gerechnet – für die Sämaschiene wird eine Leihgebühr von S 3,-- pro Joch und für die Wiesenegge eine Leihgebühr von S 2,-- pro Joch eingehoben.
Für Nichtmitglieder wird ein Aufschlag von 50 % gerechnet.
A Weichselbaum Insp.
Schneider Josef
Leopold Grill
Johann Riedl
Josef Biebl
Johann Engelmann
1949
Franz Geidel ist neues Mitglied und Schriftführer.
1950
Es wurde ein Elektromotor, Kabel und Zubehör angeschafft, zum Preis von 5476,22 ÖS.
1951
Franz Walzer ist neu im Aufsichtsrat.
Am 28.1. 51 wird Josef Schneider als neues Mitglied aufgenommen und die Betrittsgebühren festgelegt.
1952
Die Sitzungen wurden ins Gasthaus Zehetner verlegt. Als neues Mitglied scheint Beer Anton auf.
1953
Es wird der Ankauf eines Gebläses beschlossen.
Im Protokoll vom 18.8. wird Werner Schlawak als neuer Maschinist genannt.
1954
6.3.: Der Kauf eines neuen Tisches für die Dreschmaschine wird beschlossen, ebenso, den Wiesenhobel richten zu lassen.
2.8.: Als Maschinist wird Josef Zehetner bestimmt, er erhält einen Taglohn von S 40,--. Ein neuer Motor für die Dreschmaschine wir bei Kolar in Kirchberg angekauft. Das Dreschen ist der Reihe nach wie im Vorjahr durchzuführen.
1955
Es traten etliche Mitglieder aus der Genossenschaft aus: Wegscheider Josef, Engelmann Johann, Hartl Franziska, Weninger Josef, Seidl Franz, Wiesmüller Katharina, Spannagl Alois, Kreutzinger Anton, Gutsverwaltung. Die Mitgliedsanteile, die sie ausbezahlt bekamen, beließen sie in der Genossenschaft.
Neue Mitglieder sind Aigner Karl und Hartl Karl.
1956
Aus diesem Jahr stammen die letzten Aufzeichnungen im Protollbuch, das Kassabuch wurde weiter geführt. Die Dreschmaschine wird zu Herrn Holzschuh Kirchberg zur Reparatur gebracht, Herr Hartl übernimmt das Fuhrwerk. Josef Birochs jun. und Riedl Johann jun. übernehmen das Maschinisten-Geschäft und werden in die Krankenkasse gemeldet.
1964
Die Genossenschaft wird aufgelöst und die Anteile an die Mitglieder ausbezahlt. Der noch verbleibende Rest wurde aufgeteilt.
Antriebsmotor und Dreschmaschine, aufgenommen anlässlich eines "Dampffestes" in Windpassing bei Hollabrunn.April 2012, letzte Änderung März 2024
Maria Knapp
Ehrungen in Winkl
wurde die neu erbaute Schule in Winkl eröffnet. Der Neustifter Lehrer Ludwig Marzani, der die Kinder bis dahin unterrichtet hatte, erhielt ein Ehrendiplom der Gemeinde Winkl.
Anlässlich seines 60. Geburtstages wird Dechant Ignaz Hohmann von den meisten Ortschaften der Kirchberger Pfarre - so auch von Winkl - zum Ehrenbürger ernannt.
Bürgermeister Josef Schocher legt nach vielen Jahren im Gemeinderat sein Amt zurück; es wird ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen. Gleichzeitig ernennt ihn die Freiwillige Feuerwehr für sein Entgegenkommen in vielen Belangen per Diplom zum Ehrenmitglied.
wird der Schulleiter und Gründer der Freiwilligen Feuerwehr, Jakob Jungbauer, per Diplom zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Bundeskanzler Engelbert Dollfuß wird zum Ehrenbürger ernannt. Nach dessen Ermordung im Jahr 1934 wird der Kaiserplatz in Dollfußplatz umbenannt und beschlossen, eine Hinweistafel anzubringen. Es handelte sich dabei um den Platz vor dem Haus Nr. 35, Grill, jetzt Verkehrsinsel.
Der Land- und Forstwirtschaftsminister Josef Reither wird zum Ehrenbürger ernannt. Man kann aber nicht zur Huldigung nach Wien fahren, da das nötige Geld fehlt.
1945
Bundeskanzler Leopold Figl wurde in allen 77 Gemeinden des Tullner Bezirkes zum Ehrenbürger ernannt.
1949
Dem Land- und Forstwirtschaftsminister a. D. Rudolf Buchinger wird das Ehrenbürgerrecht verliehen.
1952
Dem beliebten Altenwörther Pfarrer Karl Berthold wird das Ehrenbürgerrecht verliehen.
1955
Dem Schulleiter Leopold Engelberger wird von Bezirkshauptmann Dr. Kermer, das ihm vom Bundespräsidenten Dr. Körner verliehene Silberne Verdienstkreuz für Verdienste um die Republik als Anerkennung für seine Leistungen während des Hochwassers überreicht.
1967
Der Gemeinderat beschließt, Volksschuldirektor Leopold Engelberger, der nach 20-jähriger Tätigkeit nach dem Auflassen der Schule den Ort in Richtung Krems verlässt, zum Ehrenbürger zu ernennen.
1957
Landesrat Ökonomierat Johann Waltner aus Altenwörth wird zum Ehrenbürger von Winkl ernannt.
1961
Die nö. Landesregierung verleiht am 12. September 1961 dem Bürgermeister Karl Schmidt das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich. Die Überreichung der Dekoration und des Dekretes erfolgt im Rahmen einer kleinen Feier durch Herrn Landesrat Ökonomierat Johann Waltner.
1967
Bürgermeister Karl Schmidt erhält die Ehrenbürgerurkunde der Gemeinde.
2012 Franz Berthiller, von 1990 bis 2015 Ortsvorsteher von Winkl, wird von Herrn Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll im Juni 2012 für seine Arbeit als Obmann des Donauhochwasserschutz-Wasserverbandes Tullnerfeld-Nord das Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland NÖ verliehen.
2024
Maria Knapp erhielt für ihre Verdienste um die Heimatforschung das goldene Marktwappen der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram verliehen.
Pfarrchronik Kirchberg am Wagram
Maria Knapp
Fischerrechte zu Winkl
Zum besseren Vergleich ist nach jedem Absatz des Originals die Übersetzung angefügt.
Ein Blatt des Originals der Fischrrechte zu Winkl mit dem Titel:
"Pann-Büchl über Winchl"
Foto: Handschriften Nr. 985, NÖ Landesarchiv
*Senkl: Senkgewicht zum Versenken des Fischnetzes
*wadt: großes, aus zwei Wänden und einem Sack in der Mitte bestehendes Zugnetz
*Gereider: Flechtwerk aus Reisig, das im Wasser befestigt wird und unter dem sich kleine Fische sammeln
*Gereider Teile: Ortsangabe, Platz, wo sich die Gereider befinden.
* Schaltn: Stange zum Abstoßen eines Schiffes
G. Winter: Niederösterreichische Weistümer I, Wien, 1886, NÖ Landesbibliothek
G. Winter: Niederösterreichische Weistümer IV, Nachträge und Register, mit einem Glossar, bearbeitet von Josef Schwarz, Wien 1913; NÖ Landesarchiv
Maria Knapp
Flurnamen Winkl
Riede
Abbrennter Moas
Lage: Einige Meter nach dem Granitzhaus westlich durch den Graben des ehemaligen Granitzwassers in Richtung Süden – es führen eine Treppe und ein Weg durch die Lahn. Am Platz befindet sich ein Hochstand.
Auffahrthaufen
Lage: Südwestlich vom Granitzhaus an der Donau
Nach Aussage von älteren Bewohnern gab es dort eine sehr tiefe Lahn mit klarem Wasser, in dem sich der Himmel blau spiegelte.
Bergau; obere, mittlere, untere
Lage: Diese Au befindet sich etwa 1 km südwestlich des Granitzhauses, direkt am Donauufer.
Es handelt sich dabei um einen Au-Abschnitt, der höher liegt und bei Hochwasser selten unter Wasser ist. (1)
Blick zum Kraftwerk Zwentendorf
Böden
Boden als Flurname bezeichnet einen durch gewisse Merkmale zusammenhängenden Grund ohne Rücksicht auf Bodenerhebung. Dies zeigt sich in verschiedenen Variationen z.B. im Vorkommen bestimmter Hölzer, nach der Form etc. (1)
Breiter Boden
Lage: Direkt südlich des Granitzhauses
Mitterboden
Lage: Südlich des Granitzhauses
Oberer Boden
Lage: Östlich vom Jägerhaus
Spitzboden
Lage: Südöstlich vom Granitzhaus
Unterer Boden
Lage: Südwestlich der Kirche
Wasserboden
Lage: Südlich des Granitzhauses
Boh-Gartln
Lage: Diese verlaufen vom Ortsanfang aus Richtung Gigging (anschließend an die Nachtweide) vor den Häusern bis hinunter zum Gemeindegraben beim Feuerwehrhaus.
Früher hatten die meisten Familien hier kleine Flächen, die als Wiesen genutzt wurden. Der Name kommt entweder daher, weil daneben ein Bach vom Niederwagram her durchs Dorf floss, andererseits waren sie von der Gemeinde um einen geringen Betrag gepachtet.
Karte des Franziszeischen Katasters der Katastralmappensammlung des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen, 1822, siehe hier.
Blick auf die Boh-Gartln von Norden nach Süden:
Brückl-Äcker
Lage: Südlich der Kirche, rechts von den Kirchenäckern
Diebshäufel
Häufel sind kleine Inseln und Halbinseln im Donaubereich. Diese befindet sich östlich der Bergau und war ein Schlupfwinkel für Diebe. (1)
Donaufeld
Lage: Das Donaufeld befindet sich östlich des Dorfes Richtung Frauendorf, unter dem ersten Querweg.
Das Feld, die große Niederung zwischen Donauauen und dem Nieder-Wagram. In der Maria-Theresianischen Fassion hießen manche dieser Felder Freyfeldt. Offenbar waren sie wegen der häufigen Überschwemmungen von Abgaben befreit. (1)
Josephinische Fassion, 1787: Fanget an bei der Schölmgrube und endet sich an der Ried Holzgasen, ist ein feucht Ried. (2)
Vierte Classe. Dieselbe begreift einen Flächenraum von 13 Joch 541 Klafter und 19 Parzellen, für welche der Acker sub Parzellen No 575 dem Reisinger Anton von Winkel in der Ried Donaufeld gehörig als Mustergrund dienet.
Der Boden äußert sich, bei einer ebenen, sehr tiefen Lage, durch einen lockeren mit fein körnigem Sande gemengten ziemlich tiefgründigen und humosen Lehm, welcher größtentheils in einen mägereren Lehm, oder theils in einem feinkörnigen Sand übergehet. Litten diese Grundstücke hier nicht am meisten durch Überschwemmungen, welche zu oft die Fechsung ganz aussäuern, so würden sie bei dieser Gemeinde beinahe zu den besten gehören; gegenwärtig aber behaupten sie den geringsten Werth. (3)
Die Wiesen in der Ried Donaufeld zählten allerdings zur ersten Klasse:
Erste Classe. Dieselbe begreift im Flächenmaße von 36 Joch 1226,7 Klafter und 38. Parzellen, für welche die Wiese sub Parzellen No. 536, dem Schober Johann von Kirchberg am Wagram in der Ried Donaufeld gehörig zum Mustergrunde dient. (3)
Hubert Schützner, 1959:
Das Donaufeld oder Aufeld breitet sich vor dem Niederwagram aus. Es ist jenes Gebiet, das bei allen großen Überschwemmungen, zuletzt 1897, 1899, 1924, 1938 und 1954 beinahe restlos überflutet worden ist. Halbrund, verlandete Altarme der Donau geben diesem Donaufeld ein charakteristisches Aussehen. Manche dieser Altarme sind noch im frühem Mittelalter (6. bis 9. Jhdt.) mit dem Strome in Verbindung gestanden…. Heute sind all diese Altarme schon längst verlandet und zu Sümpfen, Wiesen oder Auen geworden. Ihre Tümpel haben sich noch lange erhalten. Die alte Bezeichnung – „See“ – für solche Lacken ist in den Flurnamen des Aufeldes häufig zu finden. (4)
Eine Ried „Donaufeld“ gibt es auch in Dörfl, Engelmannsbrunn, Gigging und Neustift.
Donaufeld, Blick nach Frauendorf
„Entan Boch“
(jenseits des Baches) Die Häuser, die an der Seitenstraße jenseits der tiefer liegenden Boh-Gartln in der Mitte des Dorfes liegen. Diese Bezeichnung deutet darauf hin, dass hier einst ein Bach durchfloss, was auch die Karte der Josephinischen Landesaufnahme (1773 – 1781) bestätigt: Vom Niederwagram her floss ein Bach durch den Oberort bis zum jetzigen Feuerwehrhaus, bog dann nach links ab und floss nach Frauendorf.
Im Ellbogen
Lage: Westlich der Fuchsbergerau.
Enggasse
Lage: Am Ende der Freiheit von Gigging.
Hier befand sich der Winkler Gemeindeziegelofen.
Grundbuch Grafenegg über Winkl, 1603: Die Flur wird hier als Endtgasse bezeichnet.
Josephinische Fassion, 1787:
XXIIte Ried, Ennggase. Diese ein mitlmäßige Ried so mehrnteils aus Wiesen bestehet fangt an bey des Dangl Haus, und endet sich an der Ried Fux Bergerin, diese Ried wird eben nach algemeiner bauart wie die Vorige benuzt. (2)
Catastral Schätzungs Elaborat der Enclave Winkl, 1830:
Erste Classe. Dieselbe begreift einen Flächenraum von 56 Joch 24,5 Klafter und 29 Parzellen; für welche die Gemeindehuthweide sub. Parzellen No. 257 a in der Ried Enggaße zum Mustergrunde dienet. (3)
Fünfhaus
Die Häuser „entan Boch“, da dort viele Jahre lang fünf Häuser standen.
Fuchsbergerau
Lage: westlich von Winkl. Hier treffen sich die Grenzen von Winkl, Altenwörth und Gigging.
Alte Gült-Einlage des V.U.M.B. – 122 aus dem Jahr 1628: Ein Au die Fuxbergerin genandt, helt in sich bey sechzig Joch, hat felbers und asches Holz, jedes Joch per fünff guldten thuet dreyhundertt guldten. Item wirdt der wiltpann und Reißgraidt auf dieser Au angeschlagen, per hundtert und fünffzig guldten. Vischwasser befindt sich ains bey obbemelter Au…
Laut Ing. Mann der Name des Besitzers.
Gegen die Fuchsbergerau, Fuchsbergerin
Lage: Die Äcker zwischen den Häusern und der Fuchsbergerau
Grundbuch der Herrschaft Grafenegg, 1605: Andre Peuteler wird als Besitzer von zwei Tagwerk Wiesen bei der Fuchsbergerin ausgewiesen.
Josephinischen Fassion, 1787:
XXIIIte Ried, Fux bergerin. Fanget an bey des Tangl Hauß und endet sich an dem Gemein Holz Wegegemard, diese Ried ist schlecht und wird nach algemeiner Bauart 1 Jahr mit Winter und 1 Jahr mit Sommerfrucht gebaut, idem das 3te Jahr gebracht. Angesart wird auf 1 Joch 3 ½ Mezen Korn und 3 Mez Gerste. (2)
Catastral Schätzungs Elaborat der Enclave Winkl, 1830:
Zweyte Classe. Dieselbe begreift im Flächenmaße von 132 Joch 940,3 Klafter und 157 Parzellen, für welche die Wiese sub. Parzelle No 181. dem Mahringer Franz von Mallon in der Ried gegen die Fuchsbergerau gehörig zum Mustergrunde dient. Bei einer ebenfalls ebenen, gegen die vorgenannten Wiesen tieferen … mehr den Überschwemmungen beim Austritte der Donau ausgesetzten Lage, besteht der Boden aus einem tiefgründigen und ziemlich humosen mit feinkörnigen Sande gemengten Lehm, welcher größtenteils auf reinen Sand, oder auch theils an Schotter stößt. (3)
Gmoa (Gemeinde-Au)
Lage: Unter dem jetzigen Spielplatz, angrenzend an die Boh-Gartln.
Granitzbreiten, -boden
Lage: Sie befindet sich um das Granitzhaus. Grenze ist ein Lehnwort aus dem slowenischen granica. In der Donaustromkarte von 1817 ist „Grenzhaus“ eingetragen.
Breiten: So hießen immer die großen Ackerflächen der Herrschaftsbesitzer, hier Grafenegg. (1)
Catastral Schätzungs Elaborat der Enclave Winkl, 1830:
Erste Classe. Die besseren Wiesen liegen in der Hadau und beim Granitzhaus, alle übrigen sind zur 2. Klasse zu zählen. (3)
Gries, Griesfeld
Lage: Linkerhand der Straße, gleich außerhalb des Dorfesin Richtung Neustift.
Gries, Grieß ist der . . . Sand, das sandige, schottrige Ufergelände, eine Schotterinsel, eine Sandbank.(1)
Das Wort Grieß bedeutete früher auch Salz, der Griessler war der Salzhändler, aus dem später der Greißler wurde.
Josephinische Fassion, 1787:
XXIte Ried, Gruesl Feldt. Diese Ried welche wegen Näse und Säuere mitlmäßig ist, fangt an beym Ortsblaz und endet sich an Giging und Neustifter Freiheit, diese Ried wird wegen eben nach algemeiner Bauart wie vorige Ried Landstraß benuzet. Angesart wird auf 1 Joch 3 ½ Mezen Korn und 3 Mez Habern. (2)
Catastral Schätzungs Elaborat der Enclave Winkl,1830:
Zweite Classe. Dieselbe begreift einen Flurenraum von 205 Joch 1491,5 Klafter und 217 Parzellen, für welche der Acker sub Parzelle No 884 dem Maringer Karl in der Ried Griesfeld gehörig, als Mustergrund dient.
Die Bodenbeschaffenheit vereiniget sich bei einer ebenen, teilweise den Überschwemmungen beim Austritte der Donau ausgesetzten Lage in einem 1 ½ Schuh tiefgründigen lockeren ziemlich humosen Lehm welcher größtentheils auf feinkörnigen Sande, auch theils auf Schotter ruhet. Daher gegen die obige Klaße eine mindere Ertragsfähigkeit verräht, und mehr von Mehlthau leidet. (3)
An der Hafnerstraße
Lage: Außerhalb des Ortes, rechterhand der Straße, südlich der Autobahn.
Dort dürften wegen des vorhandenen Hafnermaterials (Ton, Lehm) Hafner angesiedelt. (1)
Josephinische Fassion, 1787:
XVIIIte Ried, Hafner Strase. Fangt an bey den andern Kreuz und endet sich an dem Neustifter Freiheits Stein. Diese Ried welche mitlmäsig ist wird nach algemeiner Art gleich der vorigen Rieden bebauet. (2)
Haide, auf der Hoad
Lage: Unter den Kirchenäckern, der erste Abschnitt der Au.
Heide ist ein ebenes, mit Strauchwerk, Dornen und Heidekraut bewachsenes Gelände.
Hasenhäufel
Lage: Südlich des Granitzhauses
Höher gelegen, zwischen Donau und trockenem Donauarm, daher Zufluchtstätte für Au- und Feldhasen und beliebter Aufenthaltsort für Hasen überhaupt. (1)
Hinter den Häusern
Lage: Die Grundstücke hinter den Häusern Richtung Osten (Frauendorf) von Dorfanfang bis zum Feuerwehrhaus.
Vor den Häusern
Lage: Die Grundstücke vom Feuerwehrhaus bis zur Kirche. Da der Unterort großteils einseitig bebaut ist, liegen diese Grundstücke „vor den Häusern“.
Josephinischen Fassion, 1787:
XIVte Ried, Vor den Häusern. Fanget bei dem Totengasl an und endet sich an Donaufeld.
Ein mitlmäßige Ried, die Felder werden 1 Jahr mit Winter und das 2te Jahr mit Sommerfrucht gebaut und das 3te Jahr gebracht. (2)
Holzgasse
Lage: Außerhalb des Dorfes, nordöstlich gelegen, südlich vom „See“.
In der Karte der Josephinischen Landesaufnahme von 1787 ist dort eine lockere Baumbepflanzung eingezeichnet.
Josephinischen Fassion, 1787:
XVIte Ried, Holz Gaasen. Fanget an bei der Schölmgrube und endiget sich bey dem ersten Kreuz, diese Ried so mitlmäsig ist wird eben nach algemeiner bauarth das 1 Jahr Winter und 1 Jahr Sommerfrucht gebauet und das 3te Jahr gebracht. (2)
Catastral Schätzungs Elaborat der Enclave Winkl,1830:
Dritte Classe. Dieselbe begreift einen Fluhrenraum von 62 Joch 246,2 Klafter und 63 Parzellen, für welche der Acker sub Parzellen No 618. dem Hampel Joseph von Winkel in der Ried der Holzgasse gehörig zum Mustergrunde dienet.
Die Grundstücke dieser Klasse charkaterisiert, bei einer ebenen jedoch etwas tieferen, den Überschwemmungen bei Donau Austritten mehr exponierten Lage, ein magerer, ziemlich tiefgründiger Lehm, welcher theilweise schotterig wird, und auf einem Sand oder Schotterlager ruhet. Das Wasser bleibt hier überdies länger stehen, und tränkt da oft die Pflanzen aus; so wie der Mehltau, sich hier auch häufiger äußert. (3)
Protokolle des Winkler Gemeinderates:
10.1.1926. Beschlussfassung über die Abgabe des Holzes im See: Es wurde beschlossen, das Holz in der Holzgasse und auf dem Kirchenberge sowie die alten Birnbäume im Dorfe im Frühjahr 1926 zu verlizitieren. (5)
Holzgasse Richtung Schottergrube
Insel
Lage: Unterhalb des Kraftwerkes, neben dem → Langen Haufen
Die unbenannte, bewaldete Insel östlich von Altenwörth liegt schon im Winkler Gemeindegebiert. Im Zuge des Kraftwerkbaues wurde sie weggebaggert, danach allerdings wieder aufgeschüttet, um den Fischen durch die Wasserberuhigung zum linken Donauufer hin Platz zum Laichen zu bieten. Durch den niedrigen Wasserstand vergrößerte sie sich in den letzten Jahren.
Luftaufnahme 2009
Foto: Hermann Pistracher,Kirchberg
Kirchenäcker
Lage: Unter der Kirche, links von der Brückl-Äckern.
Kirchengraben
Lage: Rund um die Kirche
Es handelt sich dabei um den ehemaligen Burggraben. In früherer Zeit lag der Ausgang der Kirche nach Richtung Westen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde unter Bürgermeister Schocher dieser Eingang augelassen und nach Richtung Norden – direkt von der Dorfstraße aus zugänglich – verlegt.
Da im Winter 2011/12 das Holz vergeben wurde, konnte man den Burggrabens gut sehen.
Die Außenbegrenzung des Burggrabens – wahrscheinlich Palisaden aus Holz und Steinen gebaut und mit Erde bedeckt.
Die Nordseite des Grabens mit dem Kircheneingang
Am krumpen Weg (am krummen Weg)
Lage: Dieser Weg liegt oberhalb des Niederwagram.
Er ist, da wenig benutzt, stark mit Gras bewachsen und schlecht zu befahren.
Auf der Landstraße
Lage: Nördlich der Autobahn und der Landstraße Frauendorf – Neustift. Es ist die einzige Winkler Flur, die jenseits der Bundesstraße liegt.
Josephinische Fassion, 1787:
XXte Ried Landstrase. Fangt an bey dem Kirchberger Weeg, und endet sich an der Ried Partz, die Felder werden nach allgemeiner Bauart 1 Jahr mit Winter und 1 Jahr mit Sommerfrucht bebaut und das 3te Jahr gebracht, angesart werden auf 1600 Kl 3 ½ Mzn Korn und 3 Mez Habern. (2)
Catastral Schätzungs Elaborat der Enclave Winkl,1830: Die Äcker der ersten Klasse liegen in der Steingrub und Landstraß. (3)
1960 wurde bei Abbau in der Schottergrube Markl in der Ried „Auf der Landstraße“ auf Parz. 734 ein Grab zerstört: Herr Markl hatte keinen tiefgehenden Pflug und bat Herrn Berthiller, ihm doch einmal zu ackern, da dieser einen besseren Pflug hatte. Danach kamen hinter dem Pflug eine große Menge Tonscherben zum Vorschein.
Langer Haufen
Lazerin
Lage: Südöstlich der Kirche, zuerst kommt die Tullnerin (ehemals Wiesenland), dann die Lazerin, ebenfalls ein Wiesengebiet.
Ing. Franz Mann über die Tullnerin und die Lazerin: Beide enden mit „in“, sind also Wiesen. In der Josephinischen Fassion heißt es bei Winkl: ‚nur aus Wiesen und Auen bestehend‘. Dass beide Fluren nicht weit auseinander liegen, lässt darauf schließen, dass es sich um den gleichen Besitz handelt. Mhd. Lazer … Aderlassen. Tatsächlich hatte ein Nonnenstift bzw. ein Spital aus Tulln einst in den Gemeinde Altenwörth und Winkl einen Besitz. Damit ist die Deutung mit einstigem Tullner Spitalsbesitz wohl begründet. (1)
Lessern, Lössern, Lößerin
Lage: Sie liegen westlich vom Granitzhaus. Die Lössern von Winkl, Gigging und Altenwörth grenzen aneinander.
Josephinische Fassion: Bloße Wiesen, nur einmal gefechsent. Es handelt sich um Wiesen, die bis 1848 jährlich verlost wurden.
1961 wurde der Lösserweg, der sanierungsbedürftig war, nach vorangehenden Verhandlungen an die Herrschaft Grafenegg verkauft:
Vorsprache des Herrn Landesrates Waltner wegen des Weges durch die Au nach Altenwörth: Der Herr Landesrat erklärt, dass die Gutsverwaltung Grafenegg bereit ist, schriftlich zu erklären, dass sie bereit ist, den Weg für Fußgänger jederzeit offen zu halten, für Fuhrwerke jederzeit den Verkehr freizugeben, wenn die Witterungsverhältnisse eine Befahrung erlauben, ohne dass die Straßendecke durch die Befahrung zerstört wird. (5)
Lesserwiesen mit Blick auf die Kläranlage
Mühlhaufen, Mühlhäufl
Lage: Westlich des Granitzhauses, an der Donau
Hier waren die Altenwörther Schiffmühlen verankert.
Mühlhaufen, Müllnersaum
Lage: Westlich des Granitzhauses, an der Donau, teilweise in der Altenwörther Freiheit.
Die (meist drei) Altenwörther Schiffmühlen befanden sich unterhalb des Ortes im Mühlwasser, in der Nähe der Bergau, teilweise auch direkt im Fluss, wie einige Karten aus der Zeit um 1800 zeigen. Die Müller selbst wohnten im Ort.
Die Mühlen gehörten zum Besitz der Herrschaft Grafenegg. In deren Mühlenbuch aus der Zeit um 1660 sind drei Schiffmüller verzeichnet: Stephan Beckh, sowie Hans Wieser und Friederich Sembler in Winkl. Das deutet darauf hin, dass manche Schiffmühlen in der Winkler Freiheit standen oder die Müller ihre Wohnhäuser in Winkl hatten.
Nachtweide
Lage: Ein Streifen, außerhalb des Dorfes, Richtung Gigging, rechts der Straße.
Diese Senke ist die Fortführung des Dorfgrabens nach Nordwesten. Auf alten Karten (z.B. Karte der Josephinischen Landesaufnahme von 1787) ist an dieser Stelle ein Bachlauf eingezeichnet, der den Niederwagram entlang, durch Winkl und beim jetzigen Feuerwehrhaus Richtung Frauendorf geflossen ist. Da sich die Natur von menschlichen Eingriffen wenig beeindrucken lässt, kommen viele Hochwässer über diesen Weg ins Dorf - wie etwa die beiden noch erinnerlichen von 1954 und 2002.
Ing. Franz Mann: Eine Weide, auf der des Nachts geweidet wurde, im Gegensatz zur Tagweide. Die Nachtweide, meist minderwertig im Ertrag, wurde hauptsächlich für Pferde benützt und weist daher auf Pferdezucht hin. Dass gerade Winkl eine Nachtweide, also Pferdezucht aufweist, ist naheliegend; die Herren von Winkl waren als unternehmende Besitzer von Winkl und Winkelberg, ca. 8 km voneinander entfernt - verständlicherweise auf Pferdezucht für Reitpferde eingestellt. (1)
Karte des Franziszeischen Katasters der Katastralmappensammlung des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen,, 1822, siehe hier.
Die Nachtweide vom Dorf aus gesehen - man erkennt gut die Senke.
Neue Anschütt
Lage: Südwestlich vom Granitzhaus, direkt an der Donau
Der Name bezieht sich auf angeschwemmtes Erdreich. (1)
Naufahrthaufen
Lage: Unter der Bergau, direkt an der Donau
Dabei handelt es sich um dieselbe Flur wie: Auffahrthaufen – siehe dort!
Niederwagram
Lage: Dabei handelt es sich um eine Geländestufe nördlich des Ortes nach der Flur Grieß, die in den vergangenen Jahrhunderten oftmals die Grenze eines Hochwassers gewesen ist.
Der Niederwagram ist den diversen Karten als Grünstreifen eingezeichnet, aber nicht namentlich benannt.
In der Bevölkerung wird die Gegend „Seegstett’n" genannt.
Parz, Partz
Lage: Die Parz liegt in der Freiheit Neustift, wird aber in der Josephinischen Fassion von 1787 auch als Teil der Winkler Freiheit behandelt.
Josephinische Fassion, 1787: XVIIte Ried, Die Partz. Diese aus bloßen Wiesen bestehende Ried nimbt ihren Anfang an der Schölmgrube, und das Ende an der Neustifter Dorfweide ist ein gute Riedt. (2)
Pfaffenhölzl
Lage: Östlich des Unterortes am frisch gebaggerten Graben, der Richtung Donau führt.
Ing. Franz Mann: Gehörte wohl der Herrschaft Grafenegg, aber die Pfarre erhielt davon Holz. (1)
Russensportplatz
Auf diesem baumlosen Stück Land in der Au südlich des Tummelplatzes haben nach dem 2. Weltkrieg die Russen gelagert.
Sandl, Sandgruben
Eine öde Wiese in der Au (beim Tummelplatz) wo sich die Leute früher Sand geholt haben. Bereits einige Spatenstiche tief stieß man auf Wasser.
Schinderalerl
Lage: Westlich des Jägerhauses, des ehemaligen Schinderhauses
Alerl ist ein Schreibfehler durch ortsfremde Personen, richtig: Auerl, also eine kleine Au, wo der Schinder das verendete Vieh verscharren musste. (1)
Schinderhäufl
Lage: unter dem Schindermais
Schindermais
Lage: Südlich des Schinderhauses
Schinderwiese
Lage:
1. Richtung Fuchsbergerau, wo der letzte Schinder seine Arbeitsstätte hatte.
2. In der Au an dem Weg der vom Försterhaus zum Granitzhaus führt.
Schottergrube
Lage: In der Flur See
Sie wurde bis vor etwa 30 Jahren als dorfeigene Schottergrube von den Bewohnern genutzt.
Sitzungsprotokolle des Winkler Gemeinderates, 1956:
Für die Instandsetzung der Feldwege und die Instandsetzung der Schottergrube werden, wenn es die Zeit noch erlaubt, die notwendigen Arbeiten gemacht. Die Schottergrube muss lt. Mitteilung der Landesregierung in einen vorschriftsmäßigen Zustand gebracht werden. GR Steinbatz beantragt, dass im nächsten Jahr das Schotterfahren bezahlt wird. Der Antrag Steinbatz wird mit 8 Stimmen angenommen (Die Schottergrube wird mit einem Balken verschlossen.) Es hat jeder vor der Schottenentnahme der Bürgermeister zu fragen und die Schottergrube in einem Winkel von 60 % abzubauen. Die Erdentnahme ist ebenfalls genehmigungspflichtig.
Für den m3 Erde bzw. Schotter sollen 1,-- S eingehoben werden. Eine Warntafel und Verbotstafel sind aufzustellen.
Durch den Schotterabbau entstand eine offene Wasserfläche, die die Jugend früher zum Baden nützte.
Heute ist die Schottergrube ein Biotop.
Im See
Lage: Etwa 100 m östlich vom 1. Seekreuz
Vor Jahren befand sich “im See“ die Müllablagerungsstätte des Ortes. Diese wurde bei Einführung der Müllabfuhr zugeschüttet und aufgeforstet. Daneben wurde ein Biotop ausgehoben.
Da das Wasser im Biotop aus verschiedenen Gründen "umgefallen" war und alle darin befindlichen Karpfen umkamen, wurde im Jahr 2012 das Holz vergeben, um den Laubeinfall ins Wasser zu vermindern.
Seegstett’n
Siehe unter Niederwagram
Seidlgries, Seitlgrieß
Lage: Am östlichen Ende der Winkler Freiheit, wo der Gemeindegraben das Ortsgebiet verlässt.
Steinhügl, obere, untere
Lage: südlich des Granitzhauses
Diese Flur heißt in anderen Karten Spitzboden, der mittlere Boden, Wasserboden
In Steingruben
Lage: Zwischen der Ried Gries und der Autobahn.
Josephinische Fassion, 1787:
XIXte Ried, Stain Grueb. Nimmt ihren Anfang bey des Pochbauer Acker und das Ende an der Neustifter Freiheit. Die Ried ist gurt, und werden die Felder eben nach algemeiner bauart wie in voriger Ried gebauet und benützet. (2)
Catastral Schätzungs Elaborat der Enclave Winkl, 1830:
Erste Classe. Dieselbe begreift einen Flurenraum von 176 Joch 162,9 Klafter und 239 Parzellen; für welche der Acker sub Parzellen Nr. 793 in der Ried Steingrube dem Hartl Johann gehörig als Mustergrund dient.
Bei einer ebenen, theils den Überschwemmungen beim Austritt der Donau und dem Mehlthau ausgesetzten Lage, äußert sich der hiesige Boden durch einen ziemlich tiefgründigen und humosen Lehm, welcher an magereren Lehm, theils auch an einem feinkörnigen Sand, stößt.
Die Weiden in dieser Flur zählten zur zweiten Klasse:
Zweyte Classe: Dieselbe begreift einen Flächenraum von 14 Joch 1292,9 Klafter und 6 Parzellen; für welche die Gemeindehuthweide sub. Parzellen No. 826 in der Ried Steingrube zum Mustergrunde dienet. (3)
Tullnerin, Auf der Tullnerin
Lage:Süd-westlich der Kirche
Siehe auch unter Lazerin.
Josephinische Fassion, 1787:
XXVte Ried, Thullnerin. Ist eine aus Wiesen und Auen bestehende Ried, welche sich an Donaufluß anfanget und an der Ried Donau endiget. (2)
Es gab die kleinen und großen Tullner Teile, das waren sehr schmale Äcker, die den einzelnen Häusern zugeteilt waren.
Tummelplatz
Lage: Zu diesem kommt man, wenn man von der Lösser Wiese den Weg nach Süden geht. Es handelt sich dabei um eine baumfreie, landwirtschaftlich genutzte Fläche.
Auf der Waid, Waidäcker, Weidäcker
Lage: Südlich der Fuchsbergerau
Auf diesen Äckern war nach der Ernte im Herbst das Weiden erlaubt.
Im Grundbuch von 1880 bis 1886 sind hier Parzellen unter dem Namen Sumpf in Waidäckern angeführt.
Wiesenboden
Lage: Nördlich ans Granitzhaus anschließend, heute eine Ackerfläche
Lahnen und Gewässer
Anschlag-Lahn, in der Anschlacht
Lage: Vom südlichen Ende der Fuchsberger Au bis hinunter zum Schinderlahn in der Au.
Am südöstlichen Ende der Fuchsbergerau kommen die Felberlahn von Gigging und eine zweite Lahn von der Ostseite der Fuchsbergerau zusammen. Ab da heißt die Lahn „Anschlaglahn". Es hieß, wenn sie bis zum Anschlag voll war, kam auch ein Hochwasser. Am unteren Ende dieser Lahn quert der Hochwasserschutzdamm, durchbrochen von zwei Sieltoren zur Regulierung von Hochwässern.
In den 60er- und 70-er Jahren stand hier noch Wasser, die Jugendlichen fuhren im Winter mit Schraubendampfern, d.s. Schlittschuhkufen, die direkt auf die Schuhe geschnallt wurden, auf dem Eis. Der umgangssprachliche Name des Gewässers war "Schinderlacke" da gleich daneben die Arbeitsstätte des Schinder war.
Die Lahn im unteren Teil. Wenn man in der Lahn steht, kann man sich gut vorstellen, dass hier einmal Zillen und Kähne gefahren sind, zumal auch der alte Ausgang der Kirche in diese Richtung führte.
Donau
Eisteich
Felberlahn
Lage: Von Gigging hintaus kommend, fließt sie an der West- und Südseite der Fuchsbergerin entlang, um sich dort mit der von der Ostseite kommenden, namenlosen Lahn zu vereinigen. Der Name ab dieser Stelle ist Anschlaglahn.
Fuchsbodenteich
Gmoa-Grobn (Gemeindegraben)
Lage: Das ist die Lahn, die vom Feuerwehrhaus Richtung Frauendorf fließt. Nach einigen 100 Metern teilt sie sich: Ein Teil führt Richtung Osten nach Frauendorf, der zweite Richtung Südosten, die Grenze zu Frauendorf entlang.
Dieses Rinnsal wurde im Jahr 2010, als das Grundwasser sehr hoch war, ausgebaggert und das Wasser mit Pumpen vom Dorf durch diesen Graben abgeleitet.
Der Gemeindegraben, rechts das Feuerwehrhaus
Gießgang oder Rondellenwasser (Dotationsgerinne)
Lage: An der Donau beginnend verläuft dieser Graben in einem großen Bogen zuerst südlich und dann nach Osten. Er wurde in den 80er Jahren, als das Kraftwerk Greifenstein gebaut wurde, künstlich angelegt, indem diverse alte Lahnen verbunden wurden, damit der Grundwasserspiegel in den Auen durch den Kraftwerksbau nicht zu sehr absinkt. In der Winkler Freiheit heißt der Wasserlauf Rondellenwasser, danach Rabischwasser und Plackenwasser. Er verläuft bis Korneuburg und mündet dort in die Donau.
Durch Schlamm, der von der Donau eingetragen wird, wird seine Funktion als Grundwasserregulator stark eingeschränkt, daher laufen derzeit Bemühungen (initiiert vom Hochwasserschutzprojekt unter Herrn Berthiller), durch stellenweise Ausbaggerungen und Messungen diese Funktion wieder herzustellen.
Zwei Abschnitte des Gießganges - die Übergänge sind fortlaufend numeriert.
Granitzwasser
Das war ein Seitenarm der Donau, von dem ein schmälerer Wasserweg am Granitzhaus vorbeiführte und der befahrbar war. Diese Wasserläufe sind heute meist trocken.
Grenzgraben
Lage: Dieser teilt sich nach einigen 100 Metern vom Gemeindegraben ab und fließt an der Grenze zu Frauendorf entlang Richtung Südosten.
Heuwiesengraben
Lage: Eine Lahn zwischen Haide und Tullnerin
Mühlwasser
Dieses führt unter Altenwörth in die Au. Nach Abzweigung der Schinderlahn (Schindergraben) hieß diese Lahn früher „Alte Naufahrt“.
Rondellenwasser
siehe unter Gießgang
Schinderlahn
Lage: Der Zusammenfluss von Granitzwasser und Anschlaglahn wird als Schinderlahn bezeichnet. Diese Lahn ist wie alle anderen bei normalem Wasserstand trocken.
Die Lahn liegt südlich der Riede Schinderalerl, Schindermais und Schinderhäufl.
Theißerin (Theißer Wasser)
Traisen
Weingartlwasser
Lage: Ein südlicher Nebenarm der Donau, die neue Donau fließt teilweise durch das Bett des Weingartlwassers.
Auabschnitte südlich der Donau
Im großen Boden
Im Kleinen Boden
Asperboden
Eigentlich Aspach, zu ahd. aspa, mhd. Aspe = Espe, Zitterpappel. Der Flurname kommt nur in Augemeinden vor; d.h., der Baum bevorzugt Auen. (1)
Dornboden, Dornstrauchen
Granzboden
Hirschboden
Mitterhaufen
Die Rothsaum
Rothsaum Anschitt
Dieser kleine Au-Abschnitt lag etwa 1 km südwestlich des Granitzhauses und war früher eine Insel in der Donau. Mhd. Schütte, nhd. Schütt, Anschwemmung, angeschwemmtes Erdreich , Anlandung aus der späteren Zeit gegenüber der alten, mit Werd bezeichneten, daher zu beachten: Neuanschitt. (1)
Rothsaum-Häufel
Thierboden
Straßen und Wege
L 2177 – Neustifter Straße
Lage: Durch den Ort in Richtung Neustift führend. Sie mündet nach der Unterführung der S 5 in die L 45.
Die Straße wurde 1961 durch die Straßenmeisterei Kirchberg mit einer
festen Decke versehen. An ihr sind - nach dem Motto der Marktgemeinde als „Essbare Gemeinde“ – in den letzten Jahren verschiedene Obst-, und außerhalb des Ortes Kirschbäume gepflanzt worden.
L 2178 – Gigginger Straße
L 45 - Landesstraße
S 5 - Stockerauer Schnellstraße
Schellergasse
Lage: Der asphaltierte Weg führt von der Kapelle bei der Kreuzung am Ortsanfang in Richtung Frauendorf.
Wird bei Herrn Ing. Franz Mann diese Gasse mit dem dort befindlichen Glockenturm in Verbindung gebracht (Scheller ist einer, der mit der Schelle läutet. Glöckchen mhd. Schelle … Gasse, die zum Glockenturm führt.), dürfte der Name aber eher auf einen ehemaligen Besitzer des Grundstückes links daneben, heute Haus Nr. 42, zurückgehen, nämlich auf Joseph Heinrich Scheller von Ungershausen, der von 1686 bis wahrscheinlich 1696 Besitzer dieses damaligen kleinen Schlosses war.
Die Schellergasse in Richtung Osten, nach Frauendorf
Im krumpen Weg
Hintauswege
- Im Norden des Ortes als Verbindung zwischen Gigginger und Neustifter Straße.
- In der Schellergasse führt rechterhand ein kurzer Servitutweg zu den Häusern 34 bis 28. Dieser wurde errichtet, damit die Hauseigentümer nicht die daran angrenzen Äcker mit Zufahrtwegen zu den Häusern durchschneiden mussten.
- Weg hinter den Häusern „Entan Boch“
- Ab dem Feuerwehrhaus führt ein Weg hinter den Häusern auf der rechten Seite bis zur Kirche.
- Das Kirchenareal wird in Dreieckform von Wegen umgeben. Er wird gerne bei den jährlichen Bittgängen benutzt.
- Servitutweg östlich der Häuser unterhalb der Kapelle
Nicht mehr gebräuchliche Namen
XXVIte Ried, An der Donau. Diese ein sehr nache an der Donau liegende und der Überschwemmung ausgesetze Ried bestehet mehrentheils aus Wiesen und Auen, die Felder nach algemeiner Bauart wie die der vorigen Rieden benützet. Angesart werden auf 1 Joch 3 ½ Mezen Korn und 3 Mez Habern. (2)
Ein schmaler Donauarm zwischen Bergau und hoher Saum.
(Topographische Tabellen von 1817, NÖ Landesarchiv)
Hotter bedeutet Erdhügel – Grenzzeichen (1)
Ing. Franz Mann: Die Pointen waren einfriedete Grundstücke für den Aufenthalt jener Haustiere, die nicht auf die Hutweide getrieben werden durften. Es waren kleinere, in der Nähe der Dörfer gelegene Privatgrundstücke. Nach dem oberdeutschen Flurnamenbuch von Dr. Buck soll in den Pointen Kraut, Hanf, Flachs etc. gebaut worden sein, so dass die Poenten in manchen Gegenden vielleicht die Rolle unserer Pflanzsteige hatten. (1)
Ing. Franz Mann: Mhd.: Schelme .. Seuche, Pest, Aas, Kadaver; später auch Abdecker, Schinder, Wasenmeister,: vgl. ma. Schinter; also Graben, wo Tierkadaver verscharrt und Pesttote begraben wurden. (1)
Donaufeldt: Fanget an bei der Schölmgrube und endet sich an der Ried Holzgasen, ist ein feucht. Ried und wird wie die vorige bebauet.
Holz Gaasen. Fanget an bei der Schölmgrube und endiget sich bey d. ersten Kreuz.
Die Partz: Diese aus bloßen Wiesen bestehende Ried nimbt ihren Anfang an der Schölmgrube, und das Ende an der Neustifter Dorfweide. (2)
Wenn man diese Punkte vergleicht, könnte es sich um die aufgelassene Mülldeponie "im See" gehandelt haben.
Ing. Franz Mann: Da es sich um eine Augemeinde handelt, kann eher ein Deputatgarten für den der Schneisen, gerade Durchhaue in der Au anzulegen und zu erhalten hat, als ein Garten für einen Herrenschneider gemeint sein.. Nach ahd.: snidan, mhd: sniden - Schneisen machen. (2)
Obwohl ahd. swin und dann im mhf. für Schwein gebraucht wird, kommt Schwein in keinem Grundbuch vor, dafür nur das Dialektwort Sau. Ein Beispiel, wie oft die Volkssprache die Fluren bezeichnet hat. Hier sind sehr nasse Felder gemeint, wo die Schweine sich gerne wälzten. (1)
(4) Hubert Schützner, Geschichte von Absdorf, 1959
Die Fotos stammen, wenn nicht anders angegeben, aus der Zeit um 2011.
Ausschnitte aus Ansichtkarten, wenn nicht anders angegeben: Herbert Eder, Kollersdorf
Mai 2012, letzte Änderung März 2024
Maria Knapp
Franziszeische Operate
der Catastralvermessung
sämmtlicher Grund und Bau-Parzellen
der Steuer Gemeinde Winkl
- In Säen und Schollenschlagen 2 f
- Schneiden und Aufbinden der Kornfrucht 10 f
- Schneiden und Aufbinden der Sommerfrucht 8 f
- Einführen des Korns 3 f
- Einführen des Hafers 2 f
- Räumen 2 f
- Mähen und Heuen für ein Mal 5 f
- Einführen 3 f
Prachner
Johann Friedl Ortsrichter
Joseph Stampfel Ausschuß
Johann Wagensonner Ausschuß
Vorgedruckter Text: Sie (die Kommission, Anm.d.Verf.) soll diese ihr aufgetragene Vorarbeit rechtfertigen durch die Verschiedenheit des ausfallenden Ertrages der Gründe in den von ihr ausgemittelten Klassen und in den verschiedenen Gattungen der Produktion.
Da diese nützliche Vorarbeit viele Genauigkeit und große Local-Kenntnisse erfordert, so soll die Gemeinde dazu einen Ausschuß aus ihrem Mittel wählen, und sie den Rechtlichsten und Fähigsten ihrer Glieder anvertrauen.
Es versteht sich daher von selbst, dass diese Classification bloß eine Vorarbeit ist, dazu bestimmt, den Schätzungs-Commissären die ihnen obliegenden Arbeiten zu erleichtern. Diese sind daher verpflichtet, die von den Gemeinden vorgeschlagenen Classificationen auf das genaueste zu prüfen, und sie nur nach einer strengen Prüfung anzunehmen! Auch bleibt ihnen die Classierung der Grundstücke ausschließlich vorbehalten.
Land Nieder Oesterreich
Kreis U.M.B
Schätzungsbericht N.V.
Steuerbezirk Grafenegg
Catastral Schätzungs Elaborat
der Enclave Winkl No.548
Einleitung.
§: 1.
Topographie.
Die Enclav Gemeinde Winkl liegt nördlich ¼ Stunde vom Donaustrom – 1 ½ Stunden aber in südlicher Richtung von der Relee Poststation Kirchberg am Wagram.
Die Grundoberfläche ist ganz eben: im Genusse eines ziemlich milden Klimas und umfaßt einen Flächenraum von 1576 Joch 479 Ar. Die Ried von Süden gegen Norden von zerstreut liegenden einzelnen von Obstgärten ringsherum umgebenen Häusern aufgebaut, befindet sich fünf Viertel Stund vom oben erwähnten Donaustrom und ebenso weit von der entlegensten Rieden. Die Nähe der Donau und die zu sehr tiefe Lage des Ortes erzeugen häufige Nebel, daher hier einige örtliche Krankheiten als Fieber etc., so wie mutmaßlich das Trübwasser die hiesigen Inwohner kröpfig macht, welche Kröpfe oft zu einer beträchtlichen Größe hervorwachsen und gegen die meist blaß gelbe Farbe des Angesichts grell abstechen.
Vom Orte aus betrachtet, befindet sich das Ackerland gegen alle Weltgegenden, die Wiesen östlich und westlich, die Hutweiden südlich und westnördlich und die Auen südlich.
Ortsobrigkeit ist die Herrschaft Grafenegg, so wie auch in Landsgerichtssachen eben dieser Herrschaft die Ausübung der Verhandlungen zusteht. Zur Pfarre und Schule gehört diese Gemeinde nach Altenwörth.
§: 2.
Grenzen
Begränzt wird diese Gemeinde:
Im Süden vom Donaustrome.
Im Osten von den Gemeinden Frauendorf und Neustift.
Im Westen von der Gemeinde Altenwörth und der Enclave Gigging.
Im Norden von der Gemeinde Neustift.
§: 3.
Bevölkerung
Nach den Konskripitons Resultaten des Jahres 1827 beläuft sich die hiesige Bevölkerung auf 153 männliche und 133 weibliche, insgesamt auf 286 Seelen, welche in 44 Häusern wohnen und 66 Familien bilden, diese widmen sich durchgehends, bis auf 2 Familien, welchen ihren Nahrungserwerb teils aus Handwerken und aus der Landwirtschaft beziehen, der landwirtschaftlichen Produktion.
Die Nahrung des hiesigen Landmannes besteht aus Mehl und Gemüse, Speisen, welche bis zweymal in der Woche durch Fleischspeisen von im Hause gemästetem Borstenvieh unterstützt werden.
Bei den größeren Bestiftungen wird ein Knecht und eine Magd angetroffen.
§: 4.
Viehstand
Bei der ganzen Gemeinde befindet sich ein Viehstand von
42 Pferden
1 Stier
122 Kühe
31 Jungvieh
100 Schafe und
33 Borstenvieh
Die Pferde sind meist vom böhmischen Mittelschlag und werden im Sommer mit Hafer und Heu, im Winter dagegen meist mit Stroh und etwas Heu genährt. Die Kühe sind vom niedrigen Landschlage. Im Sommer kommen sie auf die Hutweiden und erhalten zur Unterstützung beim ungünstigen Wetter etwas Gras aus den Obstgärten, im Winter werden sie aber mit Futterstroh und Gemüseabfällen gefüttert. Die Schafe werden das ganze Jahr auf die Hutweiden getrieben, nur bei sehr ungünstigem Wetter oder hohem Schnee erhalten sie bei Hause etwas Heu und Futterstroh. Für den Verkauf erübrigt bei den größeren Bestiftungen etwas Schmalz und Wolle. Bei den größeren Bestiftungen bestehen:'
2 Pferde
3 Kühe
1 Stück Jungvieh
4 Schafe und
2 Borstenvieh
§: 5.
Flüsse, Bäche, Teiche, Seen, Moraste
Im südlichen Teil der Freiheit durchzieht mit mehreren Ästen der Donaustrom, welcher, wenn er diese Ufer übertritt, den größten Teil dieses Burgfriedens unter Wasser setzt, ja auch schon den Fall herbeiführte, dass das Wasser so gewaltig über ihre Häuser zugenommen hat, dass die hiesigen Bewohner ihre Häuser zu verlassen nicht mehr im Stande waren und sich stets an wachsendem Wasser nötiget sahen, ihre Wohnungen auf dem Boden aufzuschlagen. Zu dieser Lage wird die Herrschaft Grafenegg bemüßiget, diesen Notleidenden Nahrungsmittel zuzuführen. Auf diese Art wirkt hier der Donaustrom verderbend ein, nicht nur, dass er diese Feldfrüchte zu Grunde richtet und die Grundstücke beinahe verödet, sondern er verdirbt auch, wenn er in die Häuser eindringt, alles, was nicht weggeräumt worden, und wird der Gesundheit durch die zurück gelassenen fauligen Wasser, welches sich dann versitzen muss, höchst nachteilig.
Der Krimmbach – eigentlich Faulbach, welcher von Gigging in westnördliche Teile in dieses Flurgebiet eindringt, erreicht hier die größte Breite, wird jedoch als Bach betrachtet und nie schädlich.
§: 6.
Straßen, Wege
Die Kommunikationswege befinden sich hier in ziemlich schlechtem Zustande und scheinen äußerst selten einige Reparatur zu genießen.
§: 7
Marktplätze
Mit dem Überschuße an landwirtschaftlichen Erzeugnissen werden die Wochenmarktplätze Krems und Langenlois besucht, doch scheint der jeden Montag abgehaltene Langenloiser, 5 Stunden entlegene Markt von der Mehrzahl der hiesigen Bewohner besucht zu werden, wohin man bis Hadersdorf die platzweise ziemlich schlechten Landwege fährt, von da an aber die von den k. und k. Kreisämtern der Vierteln unter und obern Manhartsberg haufenfenmäßig erbauten und unterhaltenen Straßen benützt.
§: 8.
Cultivirte, unbenützte, unbenutzbare Grundfläche
Diese einzelnen Kategorien enthalten.
a) An kultivierten Gründen, Äckern, Wiesen, Gärten, Hutweiden, Hutweiden mit Kopfholz,
und Minderwaldungen zu 1297 Joch, 45,4 Klafter
b) An unbenützten Grundoberflächen, als die Bauarea
und die Hofräume zu 5 Joch, 1272,5 Klafter
c) An unbenutzbaren Gründen, welche aus den
d) Flüssen und Bächen, aus unbenützten
Boden und aus Wegparzellen bestehen zu 273 Joch, 981, 2 Klafter
§: 9.
Grunderzeugnisse
Beim Ackerlande erscheinen Korn, Hafer, Erdäpfel als Haupterzeugnisse, Safran, Weizen, Gerste, Kukuruz, Kraut, gelbe Burgunder und Stoppelrüben, dann Steirerklee als Nebenprodukte, welche ausnahmsweise von einzelnen Grundbesitzern für den Hausbedarf erzeugt werden.
Der Wiesboden gibt ein gemischtes Heu und Grumet – die Obstgärten ein halbveredeltes Obst und etwas Gras, und endlich die Auen ein gemischtes, d.i. hartes und weiches Baumholz, dann weiches Kopf- und Birtelholz.
Der Erdäpfelbau dürfte seit einer mehrjährigen Periode hier zugenommen, dagegen der Körnerbau sich vermindert haben.
§: 10
Kultur des Bodens
Der hiesige, ziemlich bedeutende Wiesboden gestattet die Erhaltung eines größeren Viehstandes als in jenen weiter von der Donau entlegenen Ortschaften, und da überdies hier keine Weinkultur besteht, wird der ganze Dünger dem Ackerlande zugewendet, welches eben hier, nach der ererbten Art und Weise mehreren Ackerungen aus obiger Ursache genießt und auch darum, damit das häufige Gras, auf dessen Vermehrung die Nähe der Donau, eigentlich die, durch diese sich einfindenden häufigen Nebel einwirken, vor dem Anbau des Saamens vertilgt werden.
Würde der hiesige Landmann die Zwecke der verschiedenen landwirtschaftlichen Verrichtungen, und die entsprechende Methode in der Bereitung des Düngers kennen, so könnte der verschiedenartige Ertrag des Bodens um ein Bedeutendes gehoben werden und der Landmann zu einem gewissen Wohlstande gelangen, wo er hier gegenwärtig mit dem Elende kämpft.
Die Errichtung von Musterwirtschaften würde für alle Zweige der Landwirtschaftsverrichtungen, durch den mehrjährig höchstmöglich erzielten Ertrag zur Nachahmung Bilder statuieren, und zur Nachahmung ist ja nur der Landmann durch den sicheren augenscheinlichen Gewinn zu vermögen.
Die Wiesen werden nur im Frühjahre vom Unrathe befreit und die Obstgärten zu dieser Zeit abgewurmt, sonst genießen beide keine sonstige Kultur.
Das Ackerland verhält sich zum Weideland wie 2,3 zu 1, zu Obstgärten wie 1,8 zu 1, zu Hutweiden wie 12 zu 2, und endlich zu den Auen wie 4 zu 5.
Durch das eigene Zugvieh und die penible Handarbeit werden die vorkommenden landwirtschaftlichen Verrichtungen gedeckt.
Beim Ackerbau werden der Wendepflug mit der eisernen Sohle und die hölzerne Egge; beim Wieslande der Reifen und die Sense; beim Abgrasen der Haus oder Obstgärten die Sichel, und endlich bei den Auen die Säge und verschiedene Seile, angewendet.
Die Winterung wird bestellt zu Ende September, die Sommerung aber zu Ende März oder Anfang April, erstere wir eingebracht zu Ende Juli; letztere aber zu Anfang August.
§: 11.
Grunderzeugnisse. Qualität und Anwerth derselben.
Die Erzeugnisse des Ackerlandes bestehen in Korn, Hafer und Erdäpfeln – das erstere ist in der Qualität gegen jenes in der näher am Wagram liegenden Ortschaften, wegen häufigen Nebel und Mehltau etwas zurück, die anderen 2 Produkte, so wie jene des Wieslandes, der Obstgärten und der Auen sind von geschätzter Güte. Der Safran und die Erdäpfel werden durch Spekulanten in der Gemeinde aufgekauft und auf dem Donaustrome nach Wien verführt.
§: 12.
Gattung des Grundeigenthums; Anzahl der Bestiftungen.
Das hiesige Grundeigenthum entfällt:
Dominical.
Rustical Haus )
Rustical Haus ) Überländgründe
Rustical Frey )
Die letzteren kommen ziemlich häufig beim Acker und Weidlande vor – und können circa den 4ten Theil des Bergfriedens nach Wegrechnung der Auen umfaßen.
Die hiesigen Bestiftungen bestehen aus
- Ganzlehner von 22 Joch
- Halblehner 9 bis 13 Joch
3b. Viertellehner 1 ½ - 6 Joch Hausgründe
Die obigen Häuser finden ihren Nahrungserwerb bis auf 2 Handwerker, welche theils vom Gewerbe, theils von der Landwirtschaft leben, ganz in der landwirtschaftlichen Produktion.
Grundherrschaften: Grafenegg, Mitterstockstall und Köngistetten. V.U.W.W.
Den Zehent beziehen die Herrschaft Thürnthal, Mitterstockstall und dem Kastenamte Stein hat die Gemeinde ihren Theil abgekauft.
§: 13.
Häuser.
Der Grund bei den hiesigen Wohnhäusern und Wirthschaftsgebäuden ist meist aus Stein, die Mauer aber theils von Luftziegeln theils von Holz und gedeckt sind selbe theils mit Schindeln, die meisten jedoch mit Stroh.
Der Feueraßecuranz ist hier Niemand beigetretten.
§: 14.
Industrialgewerbe
bestehen in dieser Gemeinde keine.
Schätzung
des Naturalertrages in der Enclave Winkl.
§: 1.
Claßeneintheilung.
§: 9.
Benützbare Grundoberfächen
die der Ertrags Ausmittlung unterliegen.
Von dieser Grundoberfläche erscheinet hier bloß die Bauarea und die Hofräume, welche 5 Joch 1052,5 Klafter begreifen. Diese kommen nach § 152. der hohen Schätzungs Instruction dem reinen Ertrage der zweyten Ackerklasse von der betroffenen Gemeinde gleich zu halten; daher hier pro Ein n.oe. Joch mit 11 fr 15 xr.
Korneuburg am 15. Juni 1830.
Siegel – Anton Kaspar ?
Geprüft und den Instructions Vorschriften entsprechend befunden
Korneuburg am 10ten Juni 1830
Jos. Scherat, Insp.
Land Nied.Oest.
Kreis U.M.B.
Schätzungs-Bezirk No 5.
Steuerbezirk Grafenegg
Schätzung
des Natural Brutto Ertrages der Waldungen der Steuergemeinde Winkel.
Erste Klasse.Niederwaldung.
Flächenmaaß.125 Joch 863,3 Klafter.
Parzellenzahl 5
Mustergrund. Top. No 273, dem Dominio Thürnthal gehörig.
Probefläche. Keine
Holzbestand. 4/5 Aspen, und Baumweiden, und 1/5 Rusten
Benützungsart, Absatz, Verkaufsmodalitaeten. Als Brennholz, theils zum eigenen Bedarfe, theils losweißen Verkaufe an die umliegenden Ortschaften, und auch klafterweise.
Antreibsperiode. 30 Jahre.
Benützte Behelfe. Waren keine aufzufinden, daher Angleichung an die erste Niederwald 1/3 die Erlen 1/3 und die weichen Hölzer 1/3 betragen, so enthällt der Naturalertrag am Joche bey den Rusten auf 24/3 = 8 Klafter, bey den Erlen auf 24,62/3 = 8,21 Klafter, und bey dem weichen Holze auf 59,54/3 = 19,85 Klafter.
Bodenbeschaffenheit und Lage. Ein sehr trockener, mit vielen Sande gemengter Lehmboden, mit einer bedeutend höheren Lage über dem Wasserspiegl, als bey der ersten Klasse.
Vorherrschende Holzart. Weiche Hölzer.
Dermahliger Holzstand. Gut geschlossene junge Hölzer.
Zuwachs- derselben entwickelt sich für ein Jahr und Joch, mit : und zwar: für die weichen Hölzer mit 8,00/30 = 0,27 Klafter, und für die Erlen 8,21/30 = 0,27 Klafter, und für die weichen Hölzer 19,85/30 = 66 Klafter bekannten Maaß.
| Holzarten | Klafterzahl 30 Dritter per Joch Kft 100 | Catastralpreis per Klafter fr xr | Geldbruttoertrag pro Joch fr xr |
| Weiche Hölzer | 0 66 | 2 20 | 1 32 2/4 |
| Erlen | 0 27 | 2 48 | 1 45 1/4 |
| Rusten | 0 27 | 3 50 | 1 2 |
| Einjähriger Ertrag | 1 20 | 319 3/4 |
| Holzarten | Klafterzahl 30 Dritter per Joch Kft 100 | Catastralpreis per Klafter fr xr | Geldbruttoertrag pro Joch fr xr |
| Weiden | 0 75 | 2 20 | 1 45 |
| Einjähriger Ertrag | 1 20 | 1 45 |
Welcher Ertrag mit 1 f 45 xr dem Grasnutzen ganz zuzuschlagen ist.
Nebenbenützung. Bestehet keine.
Korneuburg am 17ten April 1829. Jos. Heller
_______________________________________________________
Kreis V.U.M.B.
St.B.U. Grafenegg.
Gemeinde Winkl
N. 548
Protocoll.
Welches am heutigen Tage über die Bestimmung, welche Kultur Gattungen in der Gemeinde Winkl vorkommen, nach den Verordnungen der § 19 bey der Belehrung zur Vornahme der Vorarbeiten für die Grundertragsschätzungen, aufgenommen wurde.
Gegenwärtige.
Benedikt Ullrich Akteur der St.B. Obrigkeit
Franz Kilpp Forstmeister der Herrschaft
Johann Hartl Ortsrichter der Gemeinde
Johann Friedl Ausschußmann
Johann Wagensonner Ausschußmann
Michael Lederer Ausschußmann
Joseph Stampfl Ausschußmann
Mathias Deimel Ausschußmann
Johann Guttmann Ausschußmann
Nach genauer Besichtigung der Grundstücke der Gemeinde Winkl, und Vergleichung der dabey vorgefundenen Kultur Gattungen mit den Ansätzen im Vermessungs=Protokolle, und mit dem Ausweise der Kultur Gattungen, welche der eben bemerkten Belehrung Beilage A angebogen ist, und die Anwesenden dahin übereingekommen, daß in der Gemeinde Winkl folgende Kultur Gattungen als bestehend angesehen und in der Grundertrags=Schätzung für die stabilen Kataster zu berücksichtigen sind.
- Aecker
- Wiesen
- Obstgärten
- Wiesen mit Bäumen
- Huthweiden mit Kopfholz
- Huthweiden
- Niedere Waldungen.
Da die Anwesenden unter dieser sub Kultur=Gattungen alle Grundstücke der Gemeinde, mit Ausnahme der öden, und unbenützbaren begriffen glauben, und ihnen keine außer diesen in der Gemeinde vorkommenden Kultur=Gattungen bekannt ist, so wurde gegenwärtiges Protokoll geschlossen, und gefertiget.
Dorf Winkl am 27. August 1826
Benedikt Ullrich Akteur der St.B. Obrigkeit alle mit Siegel!
Franz Kilpp Forstmeister der Herrschaft
Johann Hartl Ortsrichter der Gemeinde
Johann Friedl Ausschußmann
Johann Wagensonner Ausschußmann
Johann Guttmann Ausschußmann
Michael Lederer Ausschußmann
Joseph Stampfl Ausschußmann
Mathias Deimel Ausschußmann
Bei der vorgenommenen Prüfung der in den Bereich der Waldschätzung einschlagenden Kulturgattungen wurden die Wiesen mit Bäumen des unbedeutenden Belanges wegen von der Holzausschätzung ganz ausgeschloßen, und zu der reinen Wiese zugezählt. Die übrigen Kulturgattungen sind übrigens richtig befunden worden.
Winkl den 7ten May 1828.
Jos. Heller
k.k. Waldschätzer
Joh. Hummel ?
Johann Hartl Ortsrichter
Johann Guttauer Schuß
Jos. Stampfl als Ausschuß
Mathias Deimel als Ausschuß
No 548
Steuerbezirk Grafenegg
Welches unter dem heutigen Tage mit dem steuerbezirksobrigkeitlichen leitenden Beamten und den Vorständen der Gemeinde Winkl, hinsichtlich der Berichtigung der im Jahre 1825 statt gehabten Produktenpreis Erhebungen, aufgenommen wurde.
GegenwärtigeLeopold Freiherr von Koenigsbrunn
Commißar
Kaspar Kuzal
Adjunkt
Ignaz Prachner Oberamtmann
Johann Hartl, Ortsrichter
Johann Friedel
Johann Wagensonner
Johann GuttauerJosef Stampfel
Mathias Deimel, alle Mitnachbarn
Nachdem die Kataster Commißion den Anwesenden den Zweck gegenwärtig vorzunehmender Verhandlung klar und deutlich auseinander gesetzt und dieselben aufgefordert hat, durch die genauesten Angaben, und mit der größten Genauigkeit zur Berichtigung der Produktenpreis Erhebungen, als der Grundlage des richtigen Verhältnisses der künftigen Grundertragsausmittlungen mitzuwirken, wurde zu den diesfälligen Erörterungen geschritten.
Das Flurgebiet der Gemeinde Winkl liegt durchaus in einer Ebene und unweit des Donaustromes.
Das Ackerland charakterisiert zum Theil ein lockerer, schwarzer, ziemlich humoser, tiefgründiger Lehmboden; zum Theil aber eine unverhältnismäßig mit Wellsand gemengte Gleba.
Die gemeindeüblich hier erzeugt werdenden Produkte bestehen, als: An Hauptkörnergattungen: in Korn, Gerste und Habern; an Nebenprodukten: im süßen und saurem Heu und Grummet, und einige Holzgattungen.
Außer den eben aufgezählten Produkten werden von einigen Grundbesitzern erzeugt: Erdäpfel, türkischer Weizen, Kraut, etwas steyrischer Klee, und etwas Obst; da jedoch diese Erzeugnisse blos von einzelnen Grundbesitzern, und lediglich für den Hausverbrauch gewonnen, und nicht gemeindeüblich erzeugt werden, so sind selbe auch hier, nach den Grundsätzen der hohen Instruction, kein Objekt der Werthsveranschlagung.
Über den Preis der Hauptkörnergattungen
Nach den eingeholten Daten, nach Äußerung des Gemeindevorstandes, sowie nach Bestätigung des obrigkeitlichen Stellvertreters, gehören die, bei dieser Gemeinde erzeugt werdenden Körnergattungen zu der schlechtesten Qualität, des im Donauboden erzeugten gleichnamigen Getreides, und selbst auf dem 2 ¼ Stunden entfernten Hauptmarktamte Langenlois schließen sich dieselben, an den hirher zum Verkauf bringenden mindere Qualitäten an; und sind überhaupt denen gleichnamigen Körnergattungen, welche bei der Gemeinde Gigging und Altenwörth gewonnen werden, an innerer Güte und im geldlichen Werthe, gleichzuhalten, da das hiesige Ackerland mit diesen beiden Gemeinden den häufigen Überschwemmungen durch den Donaustrom ausgesetzt, so wie durch die nahe Lage der Aue mit ihren gleich leidend. Die erstere Gemeinde Gigging hat jedoch eine günstigere Lage, und das von der zum Verkaufe bringende Getreide stellt sich stäts um etwas im Preise höher gegen das hiesige.
In Berücksichtigung der eben vorausgeschickten charakteristischen Eigenschaften des hiesigen Ackerlandes, des faktischen Umstandes: daß das hiesige Ackerland durch die nahe Lage der Donau und Auen heimgesucht wird, und ein nieder preiswürdiges Körndel gewinnen läßt; so wie in billiger Erwägung des Verhältnisses der Erzeugung zum Absatze, und der Beschaffenheit und Entfernung der Wege zum gesagten Marktamte, hat die Commission, einverständlich mit dem Gemeindevorstande den Katastralpreis für diese Gemeinde, gleich jenem für die Gemeinde Altenwörth angenommen adjustiert; wonach
ein n.oe. Metzen Korn mit rf 14 xr
„ „ „ Gerste mit rf 48 xr und
„ „ „ Haber mit rf 39 xr conv. Münze
in Antrag gebracht wird.
Bei dieser Gemeinde wird gar kein Weitzen erzeugt.
Localpreis des Heu und Grummets
Bei dieser Gemeinde wird süßes und saures Heu und Grummet erzeugt. Der Gemeindevorstand und namentlich der Ortsrichter Johann Hartl gibt an: Daß er an seinen Bruder Michael von Bierbaum acht Zentner gemischtes das ist: süß und saueres Heu im Jahre 1824, den Zenter zu 24 xr conv. Münze verkauft, andere Verkäufe von diesem Produkte sind im Innern der Gemeinde in obigem Jahre nicht vorgekommen; daher der Gemeindevorstand einstimmig anträgt, den Preis für das süße Produkt mit den Nachbargemeinden Altenwörth, mit welcher sie gleiches Produkt erzeugt, und auch mit dem gleichen Verhältnis der Erzeugung zur Nachfrage genießt, bei Annahme des Katastralpreises für ihre Gemeinde gleichzuhalten; die saure Gattung aber nach Abnahme der Güte, mit einem billigen verhältnismäßigen Abschlage, zu adjustieren; und die Commißion hat den obigen Antrag als übereinstimmend mit allen lokalen und klimatischen Verhältnissen der Nachbargemeinden, unbedenklich als Katastralpreis für diese Gemeinde angenommen, und somit
Neue n.oe. Zentner
süßes Heu mit 27 xr
Grummet 20 xr
Saures Heu 20 xr und
Grummet 16 xr Conv.Münze in Antrag gestellt.
In dieser Gemeinde bestehet kein Weinbau.
Localpreis des Holzes.
Die Auhölzer bei dieser Gemeinde sind aus Rusten, Eichen, Erlen, Aspen und Alben und Weidenstämmen gemischt, und werden zu Scheiterklafterholz aufgearbeitet; das Weidenholz auf den Hutweiden wird auf Bürteln benützt.
Nach Angaben des Gemeindevorstandes hat sich der Preis einer 30 Zoll Wiener Scheiterklafter im Jahre 1824 auf Stamme folgend gestellt.
Das rustene um 7 f WW bis 8 f 15 xr oder 2 f 48 xr bis 3 f 18 xr C.M.
Das eichene und erlene um 6 f WW bis 7 f 15 xr oder 2 f 24 xr bis 2 f 54 xr C.M.
Das aspene, albene und weidene um 5 f WW bis 5 f 15 xr oder 2 f bis 2 f 30 xr C.M.
Ein Schilling Weidenbürteln dagegen 1 f 30 xr WW oder 36 xr Conv. Münze
Und vier solche Schillinge hällt man hier vier 30 Zoll Wiener Scheiterklafter von gleichnamiger Holzgattung gleich.
Die Schätzungskommission erklärt inzwischen, insoweit dieselbe diesfalls weitere legale Daten an Hand zu erhalten in der Lage ist, sich die Berichtigung der vorstehenden Anträge vorbehalten zu müssen.
Das Korn ist hier das Hauptprodukt, und der Wein wird gar nicht erzeuget. Der Gemeindevorstand glaubt übrigens, hinsichtlich der Umstände, welche auf den Localpreis der Produkte vorzugsweise mitwirken, die Gemeinde Winkl, der Nachbargemeinde Altenwörth zunächst aufschließen zu können.
Winkl am 7ten Hornung 1827.
Frhr. V. Koenigsbrunn
Kaspar Kuzal, Adjunkt
Prachner, Oberamtmann
Johann Hartl, Ortsrichter
Johann Friedl und Mitnachbar
Johann Wagensonner und Mitnachbar
Johann Guttauer und Mitnachbar
Michl Lederer und Mitnachbar
Jos. Stampfel ein Mitnachbar
Mathias Deimel Mitnachbar
November 2013, letzte Änderung März 2024
Maria Knapp


























