Bauernhochzeiten
Die Bauernhochzeit im Tullnerfelde
Leopold Bergolth
Der Bursch und das Mädel sind meist immer schon längst einig, denn gewöhnlich „gehn s“ schon lang miteinander. Manchmal aber bedient man sich auch eines „Kupplers“, der dann nach erfolgreicher Bemühung einen „Kuppelpelz“ erhält.
Hochzeit Josef und Josefa Sieberer, Absdorf, 1922
Wird nun einem Burschen „eine verraten“, so geht dessen Vater (manchmal auch mit seinem Sohne) in das Haus der Erwählten, um eine Kuh oder Kraut zu kaufen. Das ist natürlich nur ein Vorwand, um das Mädel zu sehen und alles auszukundschaften. Er möchte ja doch wissen, ob sein Bub „eine gute oder eine schlechte Partie“ macht. Später schickt der Bub den Kuppler hin und läßt fragen, ob er kommen darf. Nun gehen der Bursch und der Kuppler „Kalm kaufen“, worüber aber alle lachen, da ja der wahre Grund des Kommens schon bekannt ist.
Der Bursch hält dann ohne jede Form bei den Eltern des Mädels um die Hand der Tochter an. Gibt sie da „Jawort“, so wird meist gleich der Tag bestimmt, an dem die „Heirat“ ausgemacht wird, bei der die Väter oft mit echter Bauernzähigkeit feilschen.
Erhält der Bursch ein Haus und sind noch Eltern da, so bekommen die den „Ausnahm“. Man sagt dann: „Die Braut heiratet auf ein Haus“. Oft sind auch Geschwister da, die „auszahlt“ werden müssen. Der Ausnahm wird beim Notar haarklein fixiert. Gewöhnlich verschreibt bei der Heirat ein Brautteil dem anderen das halbe Haus.
Sind also die Verhandlungen endlich glücklich abgeschlossen, so erhält die Braut vom Bräutigam ein „Drangeld“, welches früher meist in einem Golddukaten bestand. Als Gegengabe erhielt der Bräutigam ein Hemd oder einen Schmuckgegenstand. Reute das Mädchen die Verlobung, so sendet sie das „Drangeld“ zurück und die ganze Sache ist aus.
Bevor der Bursch heiratet, muß er zum Abschied vom „ledigen Stand“ den Ortsburschen ein Faß Bier bezahlen.
Werden dann die Brautleute an drei aufeinanderfolgenden Sonn- oder Feiertagen in der Kirche verkündet, so witzeln die Leute und raten, die Brautleute mögen sich eine Tuchent mitnehmen, damit sie nicht hart fallen, wenn sie „von der Kanzel herunter geschmissen“ werden.
Nun ladet das Brautpaar die engeren Verwandten ohne besondere Form zur Hochzeit ein. Wohnt der Bräutigam in einem anderen Orte als die Braut, so wird er einige Stunden vor der Hochzeit von der Kranzeljungfrau in das Haus der Braut abgeholt, in dem sich auch alle anderen Gäste versammeln.
Jeder hat das Beste an. Die Männer tragen schwarze Anzüge, blankgeputzte Schuhe und weiche, schwarze Hüte. Im Knopfloche steckt ein künstliches, weißes Myrthensträußchen, welches beim Bräutigam zwei weiße und zwei rote Bänder trägt. Die Braut trägt gewöhnlich ein graues Lüsterkleid (Seide), schwarze Schuhe, Myrthenkranz, Schleier und ein Bukett aus künstlichen Blumen. Ist die Braut eine Witwe oder hat sie ein „lediges“ Kind, so darf sie keine Myrthe tragen.
Nun knien die Brautleute vor den Eltern auf einem zurechtgestellten Schemel nieder, danken und bitten um Verzeihung für alles, worauf die Eltern schlichte Abschiedsworte sprechen und sie mit dem Weihbrunnen segnen.
Die alten wissen es noch, wie nun der „Brautführer“ oder der Heiratsmann in gebundener, überlieferter Rede die Braut von den Eltern „ausbitten“ mußte, ehe sich der Hochzeitszug formieren konnte.
Seit jeher wird folgende Ordnung strengst eingehalten: Vorne fährt der Bräutigam mit der „Kranzljungfrau“ und seinem „Beistand“.
Dann fahren die Hochzeitsgäste nach Alter und Verwandtschaftsgrad geordnet und zuletzt die Braut mit dem Brautführer. Ehe sich der Zug in Bewegung setzt, nehmen alle umstehenden Nachbarinnen mit einem Kuß von der Braut Abschied und wünschen ihr Glück und Segen. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde bei wohlhabenden Bauern der Brautzug zu und von der Kirche von einer Musikkapelle begleitet.
Hochzeit Klein, Absdorf, 1934
Fotos: Familie Sieberer, Absdorf
Während der kirchlichen Handlung schauen die Leute, trotz aller Andacht und Rührung, ob auch die Kerzen ruhig brennen, denn das bedeutet eine glückliche Ehe. Wenn sich die Braut während der Trauung zufällig einmal umsieht, so sagt man gleich „Die hat mit einem nicht genug“, d. h. sie wird noch einmal heiraten.
Nach der Trauung wünschen die Brautleute einander mit einem Kuß Glück und Segen im Ehestande, machen mit den Hochzeitsgästen einen Opfergang um den Altar und nehmen dann die Glückwünsche der Hochzeitsgäste entgegen.
Während der nun folgenden Heimfahrt wirft die Braut allerhand süßes Backwerk und auch Geld zum Wagen hinaus. Vor dem Haus haben die Ortsburschen einen Schwibogen mit der Aufschrift „Hoch das edle Brautpaar!“ errichtet und „verziehen“ mit einem Seidenbande. Die Burschen wünschen dem Brautpaar „Glück und Segen im heiligen Ehestande“ und warten mit Wein und Backwerk auf, wofür sie ansehnliches Trinkgeld erhalten und zur „Mahlzeit“ eingeladen werden.
An der Türschwelle werden die Brautleute von den Eltern mit Weihwasser besprengt und gesegnet.
Nun begeben sich alle zur festlich gedeckten Hochzeitstafel. Das Brautpaar hat den Ehrensitz. Ihm zur Seite nehmen die „Brauteltern“ und besonders geschätzte Ehrengäste Platz, während alle übrigen wahllos durcheinander sitzen. Später kommen auch vermummte ungeladene Gäste und machen „Maskerade“ um die Gäste zu belustigen.
Hochzeit Johann und Maria Riedl, Winkl, 1939
Foto: Familie Johann Riedl, Winkl Die Speisen sind einfach, aber gut zubereitet und werden reichlich verabreicht. Es ist auch üblich, daß man Speisen, die man nicht mehr essen kann, mit nach Hause nimmt, was man „Bschoadessen“ nennt. Die Zeit zwischen den einzelnen Gängen wird mit „Hochlebenlassen“, Gratulieren und allerhand dummen Streichen und mehrdeutigen Reden ausgefüllt. Der Bräutigam muß nun besonders wach sein, damit ihm die Braut nicht „gestohlen“ wird, denn dann müßte er sie in den Dorfgasthäusern auslösen, wohin sie ihre Entführer verschleppt haben.
Nach der Mahlzeit wird getanzt (Ziehharmonika oder etliche Musikanten). Das Brautpaar eröffnet mit dem „Hochzeitstanz“ die „Tanzerei“, an der sich besonders die „Alten“ beteiligen. Anläßlich der Hochzeit meiner Eltern wurde noch der leider schon fast ganz vergessene „Kranzeltanz“ gehalten, welcher den Höhepunkt der Feier darstellt.....
Unter allerlei weiteren Sprüchen wird der Braut der Brautkranz abgenommen. (verkürzt, Anm.d.Verf.)
Darauf führt der Brautführer die Braut dem Bräutigam zu und alle Tanzen durcheinander. Die Braut aber eilt währenddessen in ein Nebenzimmer und erscheint dann – das Haupt mit einem Kopftuch bedeckt, denn jetzt ist sie eine Frau!
Erst wenn der Morgen graut, entfernen sich die Gäste. Wohnen die jungen Eheleute in einem anderen Hause, dann wird die Braut von den restlichen Hochzeitsgästen in das neue Heim begleitet („Brauteinstellen“), wo die junge Hausfrau alle mit kalten Speisen bewirtet. Hier geht es noch einige Stunden lustig her, bis sich endlich die ganze Gesellschaft zerstreut.
(Heimatkalender des Tullner Bezirkes, 1949)
Anna Schabl, Königsbrunn
Aus ihrer Schrift „Frau und Mutter“, verfasst 1994
… Und nun: Ich selbst 31jährig, hätte mehrere Angebote bekommen um mich für einen Partner zu entscheiden. Doch ich pflegte keine Bekanntschaft zu halten und dachte mir, komme es wie es kommt.
Es war Oktober 1946, als Schachinger Leopold mit Schabl Rudolf zu uns nach Neustift kam. Schachinger brachte hausgemachte Wurst, was damals eine Rarität war.
Ich kannte meinen Gatten schon früher als strammen Reichsbündler, aber ohne mit ihm gesprochen zu haben. Er hatte ein gepflegtes Aussehen und einen tadellosen Charakter, den man auch gern haben konnte.
So begann es, er hat mich des Öfteren besucht, so etwa alle 14 Tage einmal. Es gab weder Auto noch Traktor, daher war das Fortbewegungsmittel Fahrrad oder Pferdekutsche. Es war ein strenger Schneewinter dazwischen und Rudolf machte mir einen Heiratsantrag. Ich habe es mir nicht leicht gemacht, da ja Mutter dann alleine und Bruder Josef noch nicht verheiratet war. Die Mutter hatte nichts dagegen.
Da vom ersten Besuch bis zur Heirat nur ½ Jahr dazwischen lag, so war es an der Zeit, Vorbereitungen zur Hochzeit zu treffen. Es war ja Nachkriegszeit, wo man nichts ohne Lebensmittelkarten bekam.
Der Ringkauf in Wien: Ich fuhr mit dem Fahrrad nach Königsbrunn und übernachtete im heutigen Wohnzimmer. Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Kleinwagen mit Plane von Hübl nach Wien. Dort kauften wir unsere Eheringe gegen Umtausch von Goldmünzen. Wir übernachteten bei den Verwandten Eiböck. Ich ersuchte, alleine übernachten zu können. Tags darauf ging die gleiche Tour wieder heim.
Beim Kaufhaus Gutscher von Kirchberg ließ ich mir Seide zum Brautkleid besorgen. Frau Hofer, eine Wienerin, nähte mir zu Hause das Kleid. Wo ich die weißen Leinenschuhe her hatte, weiß ich nicht mehr. Rudolf, mein Bräutigam, hatte von seinem Bruder Johann den schwarzen Anzug, als Kopfbedeckung trug er einen Halbzylinder. Somit war die Kleidung einigermaßen geregelt.
Wegen einem Hochzeitsauto musste Rudolf bei der Bezirkshauptmannschaft ansuchen und denen vormachen, dass die Braut schwanger sei, was in Wahrheit nicht zutraf.
Es waren ja Lebensmittelkarten und so musste man sich den Zucker im wahrsten Sinn des Wortes vom Mund absparen. Wir haben den Würfelzucker mit der Bröselmaschine gerieben, damit wir Staubzucker bekamen und so konnten wir 22 Torten machen. Etwas Kakao und Schokolade vom Schweizer Roten Kreuz zum Verbessern der Torten und Bäckerei.
Butterkrapfen vom eigenen Butter verfertigten wir. Fleisch besorgten wir uns selber, indem ich einem Kalb einen Knebel ins Maul steckte, damit es nicht schreien konnte, als ich die Kehle durchschnitt. Die Haut habe ich abgezogen und in den Laufgraben geschüttet, der vom Krieg noch vorhanden war.
So war auch für das leibliche Wohl gesorgt. Das Hochzeitsmahl fand bei uns in Neustift statt. Die Hochzeit war an einem Sonntag, 27. April 1947. Es war ein sonniger Frühlingstag. Herr Köhrer von Königsbrunn führte uns mit seinem Auto zum Standesamt nach Kirchberg. Schwager Josef Wunderer und Cousin Leopold Schachinger waren Trauzeugen.
Bei der kirchlichen Trauung nachmittags in der Neustifter Kirche waren 3 Priester und viel Volk. Der katholische Mädchenbund, dem ich lange angehörte, sang im Chor.
Den darauffolgenden Donnerstag holte mich mein Gatte ab, und so fuhren wir mit den Pferden übers Feld nach Königsbrunn in meine Heimat….
Auch in der Schulchronik Neustift wird diese Hochzeit, die wahrscheinlich die erste nach dem Krieg war, erwähnt:
1947: Hochzeit. Am Ostermontag war nach langem wieder eine Hochzeit in der Ortskirche. Frl. Zehetner Anna verehelichte sich mit einem Bauernsohn aus Königsbrunn. Der Neustifter Kirchenchor trug besonders zum Gelingen dieser Feierlichkeit bei. Die vorgetragenen Lieder unter Leitung des Oberlehrers Alexander Popek fanden allgemeine Anerkennung.
Oktober 2012, letzte Änderung April 2024
Maria Knapp
Bauernregeln
Allgemeine Bauernregeln
Vor dem Feuer kann man davonrennen, vor dem Wasser nicht.
Wenn die Schwalben niedrig fliegen, kommt Regen.
Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich’s Wetter oder es bleibt wie es ist.
Regnet’s in die Osterglocken, ist der ganze Sommer trocken.
Wenn die Kirschen gut verblühen, wird der Roggen auch gut blühen.
Wenn der Kuckuck zum ersten Mal im Jahr ruft, soll man Münzen im Geldbeutel klingeln hören, dann hat man das ganze Jahr über Geld.
Der Herbst kann nicht mehr braten, was der Sommer zu kochen verabsäumt hat.
Jeder Schnee bringt seine Kälte.
Sind die Maulwurfshügel hoch im Garten, ist ein strenger Winter zu erwarten.
Kommen die Regenwürmer aus der Erde, gibt es Regen.
Beim Gewitter: Von den Eichen musst du weichen, Buchen musst du suchen.
Bauernregeln auf bestimme Tage bezogen
Jänner
Der Name leitet sich vom römischen Gott Janus ab, er wurde früher Hartung, Schnee-, Winter- oder Eismonat genannt. Er ist meist der kälteste Monat.
Der Jänner ist ein Holzverbrenner.
Tanzen im Jänner die Mucken, muss der Bauer nach Futter gucken.
Regnet es im Jänner, verdorrt im Frühjahr das Gras.
Ist der Jänner nass, bleibt leer das Fass.
Im Januar viel Regen und wenig Schnee, tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh
Auf kalten trocknen Januar folgt oft viel Schnee im Februar.
Braut der Januar Nebel gar, wird das Frühjahr naß führwahr
Wirft der Maulwurf im Januar, dauert der Winter bis Mai sogar.
Wieviel Regentropfen ein Januar, soviel Schneeflocken im Mai
Je frostiger der Januar, desto freundlicher das Jahr
Ist der Januar frostig und kalt, lockt uns bald der grüne Wald.
Der Januar muß krachen, soll der Frühling lachen
Wächst das Gras im Januar, so wächst es schlecht im ganzen Jahr
Januar weiß, der Sommer heiß
Wenn der Frost nicht im Jänner kommen will, so kommt er im März oder April.
Ein Januar ganz ohne Schnee tut Bäumen, Bergen, Tälern weh.
1. Jänner, Neujahr
Morgenrot am ersten Tag, Unwetter bringt und grosse Plag
Neujahrsnacht still und klar, deutet auf ein gutes Jahr
Wenn es zu Neujahr schneit, gibt es viele Bienenschwärme.
Neujahr Sonnenschein, lässt das Jahr fruchtbarer sein.
Wenn ’s um Neujahr Regen gibt, oft um Ostern Schnee noch liegt.
6. Jänner, Heilige Drei Könige
Ist Dreikönig hell und klar, folgt darauf ein gutes Jahr.
Heilige Dreikönig sonnig und still, der Winter vor Ostern nicht weichen will
Ist bis Dreikönigstag kein Winter, so kommt auch kein strenger mehr dahinter.
Die Heiligen Drei Könige bauen eine Brücke oder brechen ein.
Dreikönigsabend hell und klar, verspricht ein gutes Weinjahr.
20. Jänner, Hll. Fabian und Sebastian
Mit Fabian und Sebastian fängt der rechte Winter an.
An Fabian und Sebastian fangen die Tag zu wachsen an.
21. Jänner, Hl. Agnes
Wenn St. Agnes und Vincentius (22.) kommen, wird neuer Saft im Baume vernommen
Februar
Bei den Römern war der Februar der letze Monat. Sein Name kommt vom lateinsichen "februare", was reinigen bedeutet, da in diesem Monat das römische Sühne- und Reinigungsfest stattfand. Im gregorianischen Kalender steht er an der zweiten Stelle. Früher hieß er auch Hornung (da die Rinder in diesem Monat neue Hörner bekommen), Schmelz-, Tau- oder Narrenmonat.
Wenn’s im Hornung viel regnet, kommen im Mai viel Reife.
Die Faschingskrapfen in der Sunn‘, die roten Eier in der Stub’n.
Fastnachtssterne haben die Hühner gerne
Der Februar muss stuermen und blasen, soll das Vieh im Fruehling grasen.
Wenn im Feber die Mücken geigen, müssen sie im Märzen schweigen.
Ein nasser Februar bringt ein fruchtbar Jahr.
Je nasser ist der Februar, desto nasser wird das ganze Jahr.
Ist der Februar trocken und kalt, kommt im März die Hitze bald.
Lässt der Februar Wasser fallen, so lässt’s der März gefrieren.
Nebel im Februar – Kälte das ganze Jahr.
Heftiger Nordwind im Februar vermelden ein fruchtbar Jahr.
Im Februar müssen die Stürme fackeln, dass dem Ochsen die Hörner wackeln.
2. Februar, Maria Lichtmess
Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.
Ist die Lichtmess hell und rein, wird ein langer Winter sein.
Wenn es aber stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.
Lichtmeß Sturm und Schnei, bringt den Lenz herbei.
An Lichtmess fängt der Bauersmann neu mit des Jahres Arbeit an.
Auf Lichtmess lasst es Winter sein, kommt der Frühling bald herei.
Gibt’s an Lichtmess Sonnenschein, wird’s ein später Frühling sein.
Fällt Regen um Lichtmess nieder, kommt auch der Winter kaum wieder.
Je stürmischer es um Lichtmess ist, desto sicherer ein gutes Frühjahr ist.
3. Februar, Hl. Blasius
Sankt Blasius stößt dem Winter die Hörner ab.
Sankt Blas‘ und Urban (25. Mai) ohne Regen folgt ein guter Erntesegen.
6. Februar, Hl. Dorothea
St. Dorothee gibt oft viel Schnee.
14. Februar, Hl. Valentin
An Sankt Valentin gehen Eis und Schnee dahin.
Am Tage des St. Valentein, da friert das Rad samt Mühle ein.
Hat der Valentin viel Regenwasser, wird der Frühling noch viel nasser.
Ist’s am Valentin noch weiß, blüht zu Ostern schon der Reis.
Hat’s zu Sankt Valentin gefroren, ist das Wetter lang verloren.
22. Februar, Petri Stuhlfeier
Geht es sehr kalt um Petri Stuhl, denn bleibt’s noch 14 Tag kuhl.
Die Nacht zu Petri Stuhl zeigt an, was wir noch 40 Tag für Wetter han.
War’s in der Petersnacht sehr kalt, hat der Winter noch lange Gewalt.
24. Februar, Hl. Matthias
Matthäus bricht das Eis, hat er keins, so macht er eins.
Matthäi ohne Eis, wird’s wieder weiß.
28. Februar, Hl. Roman
Roman hell und klar, verspricht ein gutes Jahr.
März
Er ist nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt und hieß früher auch Lenz oder Lenzing.
Märzenstaub bringt viel Frucht und Laub.
Feuchter, fauler März, macht dem Bauern Schmerz.
Eine Schaufel Märzenstaub ist dem Golde gleich.
Die Märzennebel kommen in 100 Tagen als Reif (Gewitter) wieder.
Märzenschnee tut dem Korne weh.
Wenn man zu wenig anzog, holte einem das "Märzen-Kaibl", das heißt, man wurde krank.
10. März, 40 Märtyrer
Wenn es zu 40 Märtyrer gefriert, gefriert es noch 40 Tage.
12. März, Hl. Gregor
Weht um Gregori stark der Wind, noch 40 Tage windig sind.
Gregor zeigt dem Bauern an, dass im Feld er säen kann.
Um den Tag des St. Gregor, da kommen auch die Schwalben vor.
An Gregor kommt die Schwalbe über des Meeres Port – und an Bartholomäus (24. August) ist sie dann wieder fort.
17. März, Hl. Gertrud
Sankt Gertraud den Garten baut. - Die hl. Gertraud wird seit frühester Zeit als Frühjahrsbotin verehrt.
Friert’s an Gertrud der Winter noch vierzig Tage nicht ruht.
19. März, Hl. Josef
Zu Josef ist auch der faulste Bauer am Acker.
Ist’s am Josefitag klar, folgt ein fruchtbares Jahr.
Ist’s am Josephstag klar, folgt ein fruchtbar Jahr.
Ist es am Josephstage schön, kann es nur gut weitergeh’n.
20. März, Frühlingsanfang
Wie das Wetter am Frühlingsanfang, so ist es den ganzen Sommer lang.
Wie das Wetter um den Frühlingsanfang, so hält es sich meist den Sommer lang.
Wie sich die Sonne zum Frühling wendet, so auch unser Sommer endet.
25. März, Mariä Verkündigung
Zu Maria Geburt (9. Sept.) fliegen die Schwalben furt, zu Maria Verkündigung kommen sie wiederum.
An Mariä Verkündung hell und klar, ist ein Segen für das ganze Jahr.
Die Maria bindet die Reben auf und nimmt auch noch leichten Frost in Kauf.
Hat’s nach der Mariennacht gefroren, werden noch 40 Fröste geboren.
Ist Mariä schön und hell, kommt viel Obst auf alle Fäll‘.
Schöner Verkündungsmorgen befreit von vielen Sorgen.
Wenn Maria sich verkündet, Storch und Schwalbe heimwärts findet.
April
Der Name kommt vom lateinischen aperire – öffnen. Früher hieß er auch Ostermond, Keimmond oder Launing.
Der April macht was er will. (Aufs Wetter bezogen)
Das Gemüse: Setzt mi in Aprü kumm i wonn i wü, setzt mi in Mai kumm i glei.
Donnert’s im April, hat der Reif sein Ziel.
April viel Regen ist Gottessegen.
Trockener April ist nicht des Bauern Will‘.
Im April ist hinter jeder Staude ein anderes Wetter.
Am Karsamstag gibt es neunerlei Wetter.
Wenn der Holler blüht, wird das Wetter schlechter, die Hühner legen weniger.
Wenn die Schlehen blühen, wird es kalt und regnerisch.
Wenn der April bläst in sein Horn, so steht es gut um Heu und Korn.
Je eher im April der Schlehdorn blüht, je früher der Bauer zur Ernte zieht.
Heller Mondschein im April schadet den Blüten nicht.
1. April
Am ersten April schickt man die Narren hin, wo man will.
Den 1. April musst du gut übersteh’n, dann kann dir nichts Böses mehr gescheh’n.
Säen am 1. April verdirbt den Bauern mit Stumpf und Stiel.
4. April, Hl. Ambrosius von Mailand
War’s an Ambrosius schön und rein, wird’s an Florian (4. Mai) umso wilder sein.
Der heilige Ambrosius schneit oft dem Bauern auf den Fuß.
Sankt Ambrosius man Zwiebeln säen muss.
Erbsen säe Ambrosius, so tragen sie reich und geben Mus.
24. April, Hl. Georg
Sind auf Georgi die Reben noch blind, freut sich Weib und freut sich Kind.
Solange vor Georgi die Frösche schreien, solange müssen sie nach Georgi schweigen.
Ist’s an Georgi warm und schön, wird man noch rauhe Wetter seh’n.
Ist’s an Georgi hell und warm, gibt’s noch ein Wetter, dass Gott erbarm.
Georg und Markus (25. April) ganz ohne Trost, erschrecken uns sehr oft mit Frost.
Gab es Gewitter am Georgitag, so folgt gewiss noch Kälte nach.
Auf St. Georg’s Güte stehen alle Bäum‘ in Blüte.
25. April, Hl. Markus, Evangelist
Gibt's an Markus Sonnenschein, so erhält man besten Wein.
Was St. Markus an Wetter hält, so ist's auch mit der Ernt' bestellt.
Leg‘ erst nach Markus Bohnen, er wird‘s dir reichlich lohnen.
Georg (23. April) und Markus ganz ohne Trost, erschrecken uns sehr oft mit Frost.
Wie jetzt an Markus sich das Wetter hält, so ist es auch oft im Herbst zur Ernte bestellt.
Vor dem Markustag, sich der Bauer hüten mag.
Gibt’s an Markus Sonnenschein, hat der Winzer guten Wein.
Ist’s jetzt um den Markus warm, friert man danach bis in den Darm.
Bauen um Markus schon die Schwalben, so gibt’s viel Futter, Korn und Kalben.
30. April, Walpurgisnacht
In der Walpurgisnacht Regen, bringt uns reichen Erntesegen.
Walpurgisfrost ist schlechte Kost.
Sturm und Wind in der Walpurgisnacht, hat Scheune und Keller vollgemacht.
Auf ihren Besen mit bösem Sinn, reiten die Hexen zum Blocksberg hin.
Mai
Er ist nach der römischen Göttin des Wachstums benannt und hieß früher auch Wonne- oder Weidemond, bzw. Marienmonat.
Mai kühl und nass, füllt dem Bauer Scheuer und Faß.
Mairegen auf die Saaten, verwandelt sich in Dukaten.
Landregen im Mai ist mehr wert als ein Königreich.
Donner und Fröste im Wonnemond, Müh‘ und Arbeit wenig lohnt.
Ist der Mai recht heiß und trocken, kriegt der Bauer kleine Brocken.
Regen im Mai bringt fürs ganze Jahr Brot und Heu.
Ein Bienenschwarm im Mai ist wert ein Fuder Heu.
Mairegen bringt Segen.
4. Mai, Hl. Florian
War’s an Ambrosius (4. April) schön und rein, wird’s an Florian umso wilder sein.
Der Florian, der Florian noch einen Schneehut setzen kann.
Florian und Gordian richten oft noch Schaden an.
Eisheilige vom 11. bis 15. Mai
Pankrazi, Bonifazi, Servazi sind drei frostige Lumpazi. Und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.
Gehen die Eisheiligen ohne Frost vorbei, schreien die Bauern und Winzer juchhei.
11. Mai, Hl. Mamertus
Der heilige Mamerz, der hat von Eis ein Herz.
12. Mai, Hl. Panktratius
Pankratius macht mit den Nachtfrösten Schluss.
Wenn Pankratius und Urbanus (25.5.) ohne Regen, folgt ein grosser Weinsegen.
Wenn’s an Pankratius gefriert, so wird im Garten viel ruiniert.
Ist Sankt Pankratius schön, wird guten Wein man sehn.
13. Mai, Hl. Servatius
Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein.
Nach Servaz kommt kein Frost mehr her, der dem Rebstock gefährlich wär‘.
Servatius‘ Hund der Ostwind ist – hat manches Blümlein totgeküsst.
14. Mai, Hl. Bonifaz
Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost
Wer seine Schafe schrt vor Bonifaz, dem ist die Woll‘ lieber als das Schaf.
15. Mai, Hl. Sophie (kalte Sophie)
Die kalt‘ Sophie, die bringt zum Schluss ganz gern noch einen Regenguss.
Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bevor Sophie vorüber ist.
Gehen die Eisheiligen ohne Frost vorbei, schreien die Bauern und Winzer Juchei.
16. Mai, Hl. Johannes Nepomuk
Der Nepomuk uns das Wasser macht, dass uns ein gutes Frühjahr lacht.
Heiliger Sankt Nepomuk treib uns die Wassergüsse z’ruck.
Lacht zu Nepomuk die Sonne, dann gerät der Wein zur Wonne.
25. Mai, Hl. Urban
Wie sich das Wetter an Urban verhält, so ist’s noch 20 Tage bestellt.
Das Wetter um den St. Urban zeigt auch des Herbstes Wetter an.
Scheint die Sonne hell am Urbanitag, wächst guter Wein nach alter Sag‘; wenn es aber regnet, ist nichts gesegnet.
Viel Sonne bringen muss St. Orben, sonst die Trauben leicht verdorben.
Wenn Pankratius und Urbanus ohne Regen, folgt ein großer Weinsegen.
Urban, lass’ die Sonne scheinen, damit wir nicht beim Weine weinen.
Sankt Urban hell und rein, gibt viel Korn und guten Wein.
Juni
Er ist nach der römischen Göttin Juno benannt und hieß früher auch Brachet oder Brachmond, weil in diesem Monat weder gesät noch gepflanzt werden musste.
Zu Pfingsten regnet es gerne.
Menschensinn und Juniwind ändern sich oft sehr geschwind.
Wenn im Juni Nordwind weht, das Korn zur Ernte trefflich steht.
Was im Juni nicht wächst, gehört in den Ofen.
Gibt’s im Juni Donnerwetter, wird g’wiss das Getreide fetter.
8. Juni, Hl. Medard
So wie das Wetter am Medardustag ist, so bleibt es 40 Tage lang.
Am Fronleichnamstag soll es so heiss sein, dass das Gras während des Umganges zu Heu wird. Dann gibt es ein gutes Heujahr.
Das erste Heu soll um Fronleichnam gemäht werden.
13. Juni, Hl. Antonius von Padua
Wenn zu Antoni die Luft ist klar, gibt’s ein trockenes Jahr.
Große Kälte am Antoniustag manchmal nicht lange halten mag.
Um Antonius nehmen die Tag zu um eine kleine Mönchesruh’.
24. Juni, Johannes der Täufer
Dieser Tag ist ein Lostag für allerlei Gemüse: Spargel und Rhabarber sollen nur bis zu diesem Zeitpunkt geerntet werden.
Bis Johannis wird gepflanzt, ein Datum, das du Dir merken kannst.
Vor Johannes bitt' um Regen, nachher kommt er ungelegen.
Regnet´s am Johannistag, so regnet es noch vierzehn Tag.
Vor dem Johannistag man Gerst‘ und Hafer nicht loben mag
Wie's Wetter am Johanni war, so bleibt's wohl 40 Tage gar.
27. Juni, Siebenschläfertag
Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.
(Die Regel besagt, dass das Wetter so bleibt, wie es am Siebenschläfertag ist. Was früher die Bevölkerung durch Beobachtung herausgefunden hat, hat einen einfachen meteorologischen Grund: Wenn sich bis Ende Juni ein Azorenhoch aufgebaut hat, bleibt dieses meist einige Wochen erhalten.)
Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.
Wenn’s am Siebenschläfer regnet, sind wir sieben Wochen mit Regen gesegnet.
Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass. 29. Juni, Hll. Peter und Paul
Peter und Paul hell und klar bringt ein gutes Jahr.
Schön zu St. Paul, füllt Tasche und Maul.
Regnet es an Peter und Paul, wird des Winzers Ernte faul.
Juli
Der Juli ist nach Julius Cäsar benannt und hieß auch Heumond oder Heuert.
Trübe Aussicht an den Hundstagen, trübe Aussicht das restliche Jahr.
Fällt kein Tau im Julius, Regen man erwarten muss.
Im Juli muss vor Hitze braten, was im September soll geraten.
Juli schön und klar, gibt ein gutes Bauernjahr
23. Juli
Beginn der Hundstage, die ihren Namen vom Hundsstern Sirius haben. Dieser geht bis zum 22. August gleichzeitig mit der Sonne auf. In diesen Tagen ist es meist sehr heiß.
25. Juli, Hl. Jakobus der Ältere
Bläst Jakobus weiße Wölkchen in die Höh, sind’s Winterblüten zu vielem Schnee.
Sind an Jakobi die Tage warm, gibt’s im Winter viel Kält‘ und Harm
Sankt Jakob nimmt hinweg die Not, bringt erste Frucht und frisches Brot.
Um Jakobi heiß und trocken, kann der Bauersmann frohlocken.
Regnet’s an St. Jakobstag, fehlt die Nuss mit einem Schlag.
Zu Jakobi wachsen die Rüben unten und oben.
26. Juli, Hl. Anna
Die Bohnen müssen vor Anna in die Erde, damit sie noch einen ordentlichen Ertrag bringen.
Ist St. Anna erst vorbei, kommt der Morgen kühl herbei.
Wenn der Wind erst aus den Haferhalmen weht, ist der Herbst nicht weit.
Sankt Anna klar und rein, wird bald das Korn geborgen sein.
August
Der August ist nach dem Kaiser Augustus benannt und hieß früher auch Erntemonat, Ernting, Ährenmonat oder Hitzemonat.
Augustregen wirkt wie Gift, wenn er die reifenden Trauben trifft.
Stellt im August sich Regen ein, so regnet’s Honig und guten Wein.
Trübe Aussicht an den Hundstagen, trübe Aussicht das restliche Jahr.
Je dicker die Regentropfen im August, je dicker wird auch der Most.
Bring der August viel Gewitter, wird der Winter kalt und bitter.
Was der August nicht vermocht, kein September mehr kocht.
8. August, Hl. Dominikus
Ist’s an Domini sehr heiß, wird der Winter lang und weiß.
Ist’s heiß an Sankt Dominikus, der Winter mit strenger Kälte kommen muss.
Je mehr Dominikus schürt, je länger man im Winter friert.
10. August, Hl. Laurentius
St. Lorenz kommt in finstrer Nacht ganz sicher mit Sternschnuppenpracht.
Laurentius heiter und gut, einen schönen Herbst verheißen tut.
Kommt Laurentius daher, wächst das Holz nicht mehr.
Wie Lorenz und Barthel sind, wird der Winter - rau oder lind
Kommt St. Lorenz mit heißem Hauch, füllt er dem Winzer Fass und Bauch.
Regnet's am St.-Laurenz-Tag, gibt es große Mäuseplag.
15. August, Maria Himmelfahrt
Wie das Wetter am Himmelfahrtstag, so der ganze Herbst sein mag.
Scheint die Sonne hell und zart an Mariä Himmelfahrt, wird es schönen Herbst bedeuten.
Um Maria Himmelfahrt, das Wisse, gibt es schon die ersten Nüsse.
16. August, Hl. Rochus von Montepellier
Wenn Sankt Rochus trübe schaut, kommen die Raupen in das Kraut.
16 August, Hl. Joachim
Wenn's an Joachim regnet, dann folgt ein warmer Winter.
24. August, Hl. Bartholomäus
Zu Bartholomäus ist die größte Hitze vorbei.
Wie sich das Wetter am Bartheltag stellt ein, so soll’s den ganzen September sein.
Liegt Reif um den Barthelmtag offen, so ist ein warmer Herbst zu hoffen.
Bleibt St. Barthol im Regen stehn, ist ein guter Herbst vorherzusehn.
September
Das Wort September kommt vom lateinischen „sieben“, da er bei den Römern der siebente Monat war. Dieser Monat wurde auch Herbstmond, Holzmond oder Scheiding genannt.
Am feinem Septemberregen ist dem Bauer gelegen.
Was Juli und August nicht braten, lässt der September ungeraten.
Wenn im September die Spinnen kriechen, sie einen harten Winter riechen.
Viele Eicheln im September – viel Schnee im Dezember
8. September, Maria Geburt
Zu Maria Geburt fliegen die Schwalben furt, zu Maria Verkündigung kommen sie wiederum.
Um Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt. Bleiben sie noch da, ist der Winter nicht nah.
Wie sich’s Wetter zu Maria Geburt verhält, ist es noch vier Wochen bestellt.
12. September, Maria Namen
An Mariä Namen, sagt der Sommer „Amen“.
21. September, Hl. Mathäus, Evangelist
Ist Matthäus hell und klar, gute Zeiten bringt’s fürwahr.
Wie’s Matthäus treibt, es vier Wochen bleibt.
Trifft Matthäus stürmisch ein, wird`s bis Ostern Winter sein.
Wenn Matthäus weint statt lacht, er aus dem Wein oft Essig macht.
Ist Matthäus hell und klar, gute Zeiten bringt’s fürwahr.
Matthäus packt die Bienen ein.
26. September, Hll. Cosmas und Damian
Sankt Cosmas und Sankt Damian fängt das Laub zu färben an.
29. September, Erzengel Michael
Auf nassen Michaelitag ein nasser Herbst folgen mag.
Gibt Michaeli Sonnenschein, wird es in zwei Wochen Winter sein.
Wenn Michael durch Pfützen geht, ein milder Winter vor uns steht.
Um Michaeli in der Tat, gedeiht die beste Wintersaat.
Kommt der Michel heiter und schön, wird’s vier Wochen weitergehen.
Sind um Michael die Vögel noch hier, haben bis Weihnachten lind Wetter wir.
Bringt St. Michael Regen, kannst Du gleich den Pelz anlegen.
Vor Michel sä' mit halber Hand - dann aber streu mit ganzer Hand!
Oktober
Das Wort kommt von der lateinischen Zahl „acht“. Der Monat wurde auch Weinmonat oder Gildhard genannt.
Oktober hell, bringt den Winter schnell.
Es ist selten ein Jahr, wo es nicht vor Allerheiligen einmal friert.
Oktoberschnee tut Mensch‘ und Tieren weh.
Ist der Oktober warm und fein, kommt ein scharfer Winter drein. Ist er aber nass und kühl, mild der Winter werden will.
Bringt der Oktober viel Regen, ist’s für die Felder ein Segen.
Warmer Oktober bingt fürwahr, stets einen kalten Februar.
Wenn’s im Oktober friert und schneit, bringt der Jänner milde Zeit.
Schneit’s im Oktober gleich, wird der Winter weich.
Hilft der Oktober nicht mit Sonne, hat der Winzer keine Wonne.
15. Oktober, Hl. Theresia
Zu Theres‘ ist Weinles‘.
16. Oktober, Hl. Gallus
Auf St. Gall bleibt die Kuh im Stall.
18. Oktober, Hl. Lukas, Evangelist
St. Lukas mild und warm, Winterkält' dass Gott erbarm'.
Wer an Lukas Roggen streut, es im Jahr d'rauf nicht bereut.
20. Oktober, Hl. Wendelin von Tholey
Sankt Wendelin, verlass uns nie, schirm unsern Stall, schütz unser Vieh.
21. Oktober, Hl. Ursula
Zu Ursula muss das Kraut herein, sonst wird’s noch lange draußen sein.
Lacht Ursula mit Sonnenschein, wird wenig Schnee vorm Christfest sein.
23. Oktober, Hl. Severin
Wenn’s Sankt Severin gefällt, so bringt er mit die erste Kält‘.
November
Das Wort kommt von der römischen Zahl neun. Der Monat wurde auch Winter-, Reif-, Windmonat oder Nebelung genannt.
Wer nicht im November die Äcker gestürzt, der wird im nächsten Jahr verkürzt.
Wie der November verflogen, kommt der nächste Mai gezogen.
November hell und klar, ist übel fürs nächste Jahr.
Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein.
Bringt der November Morgenrot, der Aussaat dann viel Schaden droht.
Wenn der November blitzt und kracht, im nächsten Jahr der Bauer lacht.
Ist der November kalt und klar, wird trüb und mild der Januar.
Gefriert im November schon das Wasser, wird der Januar umso nasser.
1. November, Allerheiligen
Bringt Allerheiligen einen Winter, so bringt Martini (11. November) einen Sommer.
Allerheiligen bringt Sommer für alte Weiber, der ist des Sommers letzter Vertreiber.
Ist’s zu Allerheiligen rein, tritt Altweibersommer ein.
2. November, Allerseelen
Der Allerseelentag will drei Tröpfle Regen ha’n.
Um Allerseelen kalt und klar, macht auf Weihnacht alles starr.
3. November, Hl. Hubertus von Lüttich
Bringt Hubertus Schnee und Eis, bleibt’s den ganzen November weiß.
4. November, Hl. Karl Borromäus
Wenn’s an Karolus stürmt und schneit, dann lege deinen Pelz bereit.
6. November, Hl. Leonhard von Limoges
Wenn auf Leonhardi Regen fällt, ist’s mit dem Weizen schlecht bestellt.
Wie’s Wetter an Lenardi ist, bleibt’s bis Weihnachten gewiss.
Nach der vielen Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre.
11. November, Hl. Martin
Wenn an/nach Martini Nebel sind, wird der Winter meist gelind.
Ist Martini klar und rein, bricht der Winter bald herein.
Hat Martini einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart.
Wenn die Martinsgänse auf dem Eise geh’n, muss das Christkind im Schmutze steh’n.
Wenn’s Laub nicht vor Martini fällt, kommt eine große Winterkält‘.
Sankt Martin Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein.
15. November, Hl. Leopold
Der heilige Leopold ist oft noch dem Altweibersommer hold.
17. November, Hl. Gertrud
Tummeln sich an Gertrud die Haselmäuse, ist es weit mit des Winters Eise.
19. November, Hl. Elisabeth
Sankt Elisabeth zeigt an, was der Winter für ein Mann.
Es kündigt die Elisabeth, was für ein Winter vor uns steht.
22. November, Hl. Cäcilia
Die heilige Cäcilie mit Dank, setzt sich auf die Ofenbank.
Wenn es an Cäcilia schneit, ist der Winter nimmer weit.
Cäcilia im weißen Kleid, erinnert an die Winterzeit.
25. November, Hl. Katharina von Alexandrien
Kathrein stellt den Tanz ein.
Wenn kein Schneefall auf Kathrein is‘, auf Sankt Andreas (30. November) kommt er g’wiss.
Ist an Kathrein das Wetter matt, kommt im Frühjahr spät das Blatt.
Wie das Wetter um Kathrein, wird’s den ganzen Winter sein.
Wer eine Gans zum Essen mag, beginn’ sie zu mästen am Katharinentag.
30. Novermber, Hl. Andreas
Andreasschnee tut dem Korne weh.
Andreas, hell und klar, verspricht ein gutes Jahr
Wenn kein Schneefall auf Kathrein (25.11) ist, auf Sankt Andreas kommt er g’wiss.
Hält Sankt Andrä den Schnee zurück, so schenkt er reiches Saatenglück.
Dezember
Das Wort kommt von der lateinischen Zahl „zehn“. Der Monat wurde früher auch Julmond, Christ- oder Heilmonat genannt.
Dezember kalt mit Schnee, gibt’s Korn auf jeder Höh‘.
Dezember warm, Gott erbarm.
Dezember lind, der Winter ein Kind.
Im Dezember Schnee und Frost, das verheißt viel Korn und Most.
Kalter Dezember und fruchtbar Jahr sind vereinigt immerdar.
Dezember mild mit viel Regen ist für die Saat kein Segen.
Auf kalten Dezember mit tüchtigem Schnee folgt ein fruchtbar Jahr mit reichlich Klee.
Weihnacht im Schnee, Ostern im Klee
4. Dezember, Hl. Barbara
Geht Barbara im Klee, kommt das Christkind im Schnee.
Knospen an Sankt Barbara, sind zum Christfest Blüten da.
Auf Barbara die Sonne weicht, auf Lucia sie wiederum herschleicht.
Nach Barbara (4. Dezember) geht’s frosten an, kommt’s früher, ist nicht wohlgetan.
Wenn die an diesem Tag geschnittenen Zweige von Kirsche oder Sträuchern zu Weihnachten blühen, hat man im nächsten Jahr Glück.
6. Dezember, Hl. Nikolaus von Myra
Trockener Nikolaus, milder Winter rund um’s Haus.
Regnet’s an Sankt Nikolaus, wird der Winter streng und graus.
Fließt zu St. Nikolaus noch der Birkensaft, dann kriegt der Winter keine Kraft.
7. Dezember, Hl. Ambrosius von Mailand
Ist Ambrosius schön und rein, wird Sankt Florian (4. Mai) ein Wilder sein.
Sankt Ambrosius man Zwiebeln säen muss.
Erbsen säe Ambrosius, so tragen sie reich und geben Mus.
Der heilige Ambrosius schneit oft dem Bauern auf den Fuß.
8. Dezember, Mariä Empfängnis
Zu Mariä Empfängnis Regen bringt dem Heu keinen Segen.
13. Dezember, Hl. Lucia
An Sankt Lucia ist der Abend dem morgen nah.
16. Dezember, Hl. Adelheid
Die Adelheid liebt weiße Flocken, so bleibt die Erde selten trocken.
17. Dezember, Hl. Lazarus
Ist Sankt Lazar nackt und bar, gib’s ein schönes neues Jahr.
Sankt Lazarus nackt und bar, macht einen linden Februar.
21. Dezember, Hl. Thomas
Wenn Sankt Thomas dunkel war, gibt’s ein schönes neues Jahr.
Sankt Thomas bringt die längste Nacht, weil er den kürzesten Tag gebracht.
Beginn der Rauhnächte, die bis zum 6. Jänner andauern. In dieser Zeit treiben nach alten Überlieferungen Geister und Dämonen ihr Unwesen.
24. Dezember, Heiliger Abend, Weihnachten
Ist die Christnacht hell und klar, folgt darauf ein gutes Jahr.
Christnacht nass, leeres Fass.
Weihnachten im Schnee, Ostern im Klee.
Wenn es Weihnachten flockt auf allen Wegen, das bringt den Feldern Segen.
Hängt zu Weihnacht Eis von den Weiden, kannst du zu Ostern Palmen schneiden.
Ist es an Weihnachten kalt, ist kurz der Winter, das Frühjahr kommt bald.
Wer sein Holz nach Weihnachten fällt, dessen Gebäude zehnfach hält.
26. Dezember, Hl. Stephanus
Scheint am Stephanstag die Sonne, so gerät der Flachs zur Wonne.
Windstill muss St. Stephan sein, soll der nächste Wein gedeih'n.
Bringt St. Stephan Wind, die Winzer nicht fröhlich sind.
27. Dezemberg, Hl. Johannes, Evangelist
Hat der Evangelist Johannes Eis, dann macht es auch der Täufer heiß.
28. Dezember, Fest der unschuldigen KInder
Schneit’s an unschuldige Kindl, fährt der Januar in die Schindel.
Haben’s die unschuldigen Kindlein kalt, so weicht der Frost nicht so bald.
31. Dezember, Silvester
Silvesternacht düster oder klar, sagt an ein gutes Jahr.
Friert zu Silvester Berg und Tal, geschieht’s dies Jahr das letzte Mal
Wenn man über Silvester Wäsche aufhängt, stirbt im nächsten Jahr jemand aus dem Hause.
Quellen:
Gustav Gugitz: Fest- und Brauchtumskalender, Wien 1955
Margit Adam: Bauernregeln für jeden Tag, Seehamer Verlag
Lehrer Leopold Engelberger: Heimatkundliche Stoffsammlung
Die besten Bauernregeln für jeden Tag, Kosmos-Verlag, 2011
https://www.garteln.com/bauernregeln-dezember/
Oktober 2012, letzte Änderung Dezember 2024
Maria Knapp
Bewegliche Feste im Jahreslauf
Diese Feste zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht jedes Jahr auf den gleichen Kalendertag fallen.
Seit 325 n.Chr. wird das Osterfest am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert. Daher fällt der Termin frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April. Sowohl der Beginn der Fastenzeit, Karwoche und die nachfolgenden beweglichen Feste wie Pfingsten, Christi Himmelfahrt und Fronleichnam orientieren sich an diesem Termin.
Fasching
Verkleidete Burschen kamen als Faschingsnarren ins Haus, trieben allerlei Unsinn und bekamen Krapfen.
(Maria Engelmann,Winkl)
Einige Male hielt man in Kirchberg einen Faschingsumzug ab, der aber wieder eingestellt wurde.
Fasching in Kirchberg, 1980
Foto: Maria Knapp
Faschingsfeier der Kollersdorfer Schule,1962
In den Wirtshäusern der meisten Ortschaften gab es Bälle. Als die Gasthäuser nach und nach geschlossen wurden, hörten sich auch die Bälle auf, heute finden sie in der Wagramhalle statt.
Faschingsmarkt
In Kirchberg gibt es am Fasching-Montag seit alters her den Holzmarkt und am Faschings-Dienstag den Faschingsmarkt.
Kirchberg erhielt 1493 durch Kaiser Friedrich III. das Marktwappen und die Erlaubnis zur Abhaltung eines Marktes im Jahr - später wurde ein zweiter Markt bewilligt. Von dieser Tradition zeugt das Marktmanderl oder auch Marktroland genannt. Das Sandsteindenkmal (Jahreszahl 1636) trägt das Marktwappen als Schild und die auswechselbaren Werkzeuge Schwert und Hammer als Symbol für Markt- bzw. Werktage. Näheres siehe hier.
Als typische Speise verzehrt man gerne die Faschingskrapfen.
Faschingsmarkt in Kirchberg, um 1950
Fotos: Dr. Rudolf Delapina, Kirchberg/Wien
Fastenzeit
Da früher in der gesamten Fastenzeit nur das Essen von Kaltblütlern - Wassertieren - erlaubt war, sah in dieser Zeit der Speisezettel anders aus als heute: In einem Kochbuch von 1890 gibt es ein eigenes Kapitel mit Fastenspeisen. Dort findet man u.a.: Gestoßene Fischsuppe, Froschsuppe, geschäumte Mandelsuppe, Chocolade-Suppe, Weinsuppe. Außer Fischen aß man: Schnecken, Frösche, Schildkröten. Siehe hier.
Hochzeiten und Tanz waren in dieser Zeit verboten.
An allen Sonntagen in der Fastenzeit fanden und finden Kreuzwegandachten statt.
Aschermittwoch
Mit diesem Tag beginnt die Fastenzeit. Der Aschermittwoch ist neben dem Karfreitag der einzige strenge Fasttag im katholischen Kirchenjahr. In der Kirche bekommt man das Aschenkreuz mit dem Satz: „Bedenke Mensch, du bist aus Staub und wirst wieder zu Staub zurückkehren!“
Palmsonntag
Erika und Richard Knapp mit Palmbuschen
Foto: Maria KnappDie Kinder gehen mit ihren Palmbuschen, die meist vom Vater oder Großvater gemacht wurden, zur Palmweihe. In Altenwörth findet diese malerisch am Donau-Altarm statt. Danach ging es früher samt der vielen Palmbuschen in die Kirche, wo die lange Palmsonntags-Liturgie gehalten wurde. Heutzutage kommen die Palmbuschen beim Vorbeigehen ins Auto – oder man fährt gleich ohne Besuch der Kirche nach Hause, um die Buschen zu verteilen. Aber das war anscheinend schon früher so, wie Pfarrer Pelzmann 1951 in der Pfarrchronik Kirchberg vermerkt: Zur Palmenweihe wurde erstmalig verlangt, daß die Kinder auch bei der folgenden Messe bleiben. Kaplan Loidolt wurde darob schwer angeflegelt. Es ist aber diese Maßnahme notwendig. In früheren Jahren gingen z.B. Buben von Oberstockstall gar nicht zur Kirche sondern kehrten im Graben unten um, damit sie ihre Palmzweige als erste an den Mann brachten. Solchen Oberflächlichkeiten muß begegnet werden. Natürlich macht man sich damit nicht schnell beliebt.
In den 70er-Jahren liefen die Burschen (für Mädchen war das damals noch nicht erlaubt) von Haus zu Haus und wollten ihre Palmbuschen verkaufen. Heute muss man sich anmelden, wenn man einen haben will! Aber früher wie heute ist das Geld für die Kinder eine willkommene Aufbesserung der Finanzen.
Woraus besteht ein Palmbuschen? Schon einige Wochen vor dem Palmsonntag holt man sich ca. 1 cm dicke Haselnusszweige, die bis auf ein etwa 20 cm hohes Stück abgeschält werden. Nachdem man die Zutaten – Wacholderzweige, Immergrün, Buchszweige, einige Palmkätzchen und Schradlholz, soferne man welches findet, schon einige Tage zuvor zusammengesucht hat, bindet man diese Zweige um den Stecken. Oft wird der Buschen mit bunten Bändern verziert.
Verwundert schaut die alte Weide am Bach in das rinnende Wasser. Willige silbergraue Kätzchen sitzen an ihren Ästen und wiegen sich sanft im Frühlingswinde. Verlangende Bubenaugen spähen: „Dagleng is oder dagleng is net?“ Aber was ein echte Tullnerfelder Bub ist, der „Daglengt“ die Weidenkätzchen für seinen Palmbuschen- Dann umgibt er sie mit Buchsbaum- oder Zypressenzweiglein, verziert sie mit „Schradlholz“, das sind verkrüppelte Zweige in Form einer Spielbahnfeder, und bindet den Palmbuschen von dem auch oft bunte Bänder und welliges Krepppapier flattern, an einen abgerindeten Stock. Nur der Griff behält die Rinde. Wenn der Priester in der Kirche dann die Weihegebete spricht, stellt sich so mancher Knirps auf die Zehenspitzen und hält seinen Palmbuschen so hoch er nur kann. Er meint, je höher er ihn hebe, desto mehr bekäme er von der kirchlichen Weihe ab. Armen Leuten bedeutet der Palmsonntag Verdienst. Sie binden viele Palmbuschen und verkaufen sie dann nach der Weihe. (Tulln) Die Palmbuschen werden in den Hausgärten gesteckt oder im Wohnzimmer wird ein Heiligenbild oder der Spiegel damit geschmückt.
(Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke, erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)
Gründonnerstag
Ratschenkinder um 1997 in Winkl
Foto: Familie Riedl, WinklDas Wort „grün“ kommt von greinen (weinen). Allgemein bezieht man das Wort auf die Farbe und man isst an diesem Tag etwas Grünes, meist Spinat und Spiegelei.
Ein Brauch, der einige Zeit abgekommen war und vor einiger Zeit wieder belebt wurde, ist die Fußwaschung während der Gründonnerstagsliturgie in der Kirche. Dazu werden einige Gläubige angesprochen, um an der Zeremonie teilzunehmen, bei der der Priester symbolisch etwas Wasser über die Füße gießt und sie so wäscht.
Nach christlichem Brauch fliegen am Gründonnerstag die Glocken „nach Rom“, nachdem sie vorher noch einmal mächtig ertönen dürfen. Um trotzdem eine Zeitmessung zu haben – die Menschen nutzten früher die Kirchen- und Kapellenglocken zur Zeitbestimmung, um z.B. zu Mittag vom Feld nach Hause zu gehen, gehen die Kinder (die auch beim Sternsingen waren) mit den Ratschen durchs Dorf. Einige Wochen vorher schon treffen sie sich außerhalb des Dorfes, um die Ratschen zu erproben und die Sprüche zu lernen oder aufzufrischen. Dabei ging (oder geht) es oft lustig zu und so manches Kind raucht da seine erste Zigarette. Früher war auch das Ratschen eine Domäne der Burschen, heute dürfen auch die Mädchen mitmachen. Und oft wäre nicht nur beim Ratschen ein Mangel an Teilnehmern, wenn nicht die Mädchen wären! Winkler Kinder beim Ratschen
Am Gründonnerstag. An diesem heiligen Tag ist Vormittags um 7 Uhr das heilige Hochamt, und zwar mit Assistenz. Darnach wird das Sanctissimum in feierlicher Procession unter dem Baldachin und mit Vortragen der Scatola zu dem Speisaltar getragen. Da wird es in dem Tabernakel aufbewahrt.
Nach einem uralten Gebrauche wird an diesem Altar das Allerheiligste in der Monstranz verhüllt mit einem Schleier, zur Anbetung ausgesetzt.- Gleich darauf betet der celebrierende Priester vor dem ausgesetzten Allerheiligsten die Vesper. Die assistierenden Priester denudiren während dieser Zeit, unter Abbetung des 21. Psalmes die Altäre.- Hier kommt zu bemerken, daß außer dem Hochamte keine Hl. Messe an diesem heiligen Tage gelesen wird, gemäß kirchlicher Anordnung. Abends um 6 Uhr wird unter Absingung des Segenliedes der Hl. Segen ertheilt, und gleich darauf das Allerheiligste in dem Tabernakel beigesetzt. - Noch kommt zu bemerken, daß während des Hochamtes, gleich nach Anstimmung des Gloria mit der Sakristei-Glocke geläutet wird. Eben auch haben die Ministranten mit zwei kleinen Altarglocken zu läuten. Am Thurme wird mit allen Glocken geläutet. Darnach hört das Glockengeläute auf bis zum Gloria am Charsamstag.
(Pfarrchronik Kirchberg am Wagram, Pfarrer Vinzenz Willim, 1866)
Am Gründonnerstag fliegen alle Glocken nach Rom und kein erzener Ruf klingt über das weite Land, über dem der stille Karfreitagszauber liegt. In den meisten Orten ziehen an den Tagen, da die Glocken schweigen, morgens, mittags, und abends die Ratschenbuben mit ihren Ratschen, die oft mit grünen Zweigen und Bändern geschmückt sind, durch die Hauptstraßen. Ihre hellen Stimmen singen: „Mir ratschen, mir ratschen an englischen Gruaß den jeder Christ beten muaß, fallts alle nieda auf die Knia und betets drei Vaterunser und drei Avemaria“. Am Morgen des Karsamstags wird gesungen: „Mir ratschn, mir ratschn die Pumpermettn. Weiber, stehts auf und bachts Osterfleckn!“ (Absdorf) Man benutzt aber auch fahrbare Ratschn, mit denen nur die Ministranten gehen dürfen. Dabei singen sie „Mir ratschn, mir ratschn den Gottesdienst zsamm, weil alle drei Glocken nach Rom gflogn san. Drum ratsch ma, drum ratsch ma den Gottesdienst zsamm!“ (Langenlebarn) Tulln besitzt auf dem Kirchturm eine große Holzratsche, die zur Zeit des Gebetsläutens gedreht wird. Am Ostersonntag gehen die Buben von Haus zu Haus. „Die Ratschenbuam bitten um a rots Oa!“ sagen sie. Ihr Körbchen füllt sich mit guten Sachen und in ihre hingehaltene Sparbüchse wandern gern gegeben kleine Geldstücke.
(Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke, erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)
Karfreitag
An diesem Tag wird der Kreuzigung Christi gedacht. Es ist der zweite strenge Fasttag der katholischen Kirche. Für die Ratschenkinder ist dieser Tag besonders anstrengend, da sie viermal, nämlich in der Früh, zu Mittag, um 3 Uhr zur Sterbestunde Christi und abends ratschen gehen müssen.
Am Charfreitage wird um 6 Uhr morgens die Kreuzweg-Andacht abgehalten. Um 7 Uhr darnach ist die Predigt, welche der Hw. Hr. Kooperator zu halten hat, der die Frühpredigten im Verlaufe des Jahres abgehalten hatte. Nach der Predigt ist der Charfreitags-Gottesdienst mit Assistenz, worauf die Grablegung folgt. Um 6 Uhr abends wird das Allerheiligste unter Absingung des Segenliedes in den Tabernakel des Speisealtars deponirt.- Hier muß bemerkt werden, daß an den Fastenfeiertagen um 1 Uhr Nachmittags die Kreuzwegandacht abgehalten werde.
(Pfarrchronik Kirchberg am Wagram, Pfarrer Vinzenz Willim, 1866)
Ein wichtige Rolle spielt am Karfreitag das Heilige Grab. Dazu aus der Pfarrchronik Kirchberg von 1916, Provisor Wenzel Steiner:
Wo wird denn heuer das hl. Grab aufgestellt. So zerbrach man sich überall die Köpfe. Wie gemeldet, befand sich bis jetzt das hl. Grab rückwärtig. – Das war etwas ganz Unwürdiges. Der Platz so beschränkt – die Leute saßen auf den Bänken, den Rücken gegen den Speisaltar – die große Lourdesstatue wurde auf den Josefs Altar gestellt – der Grottenkasten stand in einer anderen Ecke – mir war bei diesem Anblicke nicht ganz gut. Denn ist es auch gegen die Rubriken, das Allerheiligste in einem rückwärtigen Teile der Kirche auszusetzen. Nun wurde die Kapelle mit dem Speisaltar zum hl. Grabe ausersehen – das Kommuniongitter entfernt, die Kapelle mit weißen Tüchern behängt mit Blumen und Teppichen geschmückt – mit lauter einfachen Mitteln wurde eine majestätisch schöne, vornehm wirkende Grabkapelle geschaffen. Viele kamen zu mir u sagten: Ja, kann es denn im Himmel noch schöner sein?
Ratschenbrauch am Karfreitag
Aus den Ortschaften Ober- und Mitterstockstall, aber auch aus anderen in der Pfarre Kirchberg am Wagram zog man am Karfreitag um 15:00 Uhr mit dem Kreuz gemeinsam in die Pfarrkirche ein. In Oberstockstall wurde das Kreuz beim Kirchenvater Schmidt aufbewahrt, in Mitterstockstall beim Kirchenvater Burger. Das Kreuz wurde halbkreisförmig mit Blumen, die um diese Zeit schon blühten, verziert, meist mit Müllibischln (Löwenzahn). Die Ratschenkinder ratschten im Halbstundentakt dreimal vor dem Aufbruch durchs Dorf und zwar mit den Rufen: „Das erste zum Kreuz“, „das zweite zum Kreuz“ und „das dritte zum Kreuz“ Diesen Brauch gab es noch in den 60er-Jahren.
Karsamstag
Am Karsamstag abends bzw. in der Nacht gibt es die Auferstehungsfeier mit Weihe des Taufwassers und Verbrennung der Palmzweige, um für das nächste Jahr wieder Asche für das Aschermittwochskreuz zu haben.
Am Charsamstag ist um 7 Uhr Morgens die Feuerweihe, dann die Weihe der Osterkerze, die Prozession, die Wasserweihe und darnach das hl. Hochamt mit Assistenz. Unter dem Gloria werden die Glocken, wie am Gründonnerstage geläutet. Nach dem Gottesdienste wird das Allerheiligste in dem heiligen Grab zur Anbetung ausgesetzt. - Um 6 Uhr Abends ist die feierliche Auferstehungsfeierlichkeit . Hier wird bemerkt, daß an die Herren k.k. Beamten und die Rathsherren aus Rücksicht des beschrenkten Raumes, keine Kerzen distribuirt werden.
Anm. Am grünen Donnerstag, Charfreitag und Charsamstag halten die einzelnen Gemeinden Bethstunden vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, und zwar in folgender Ordnung:
a) Engelmannsbrunn von 9 bis 10 Uhr - b) Mitterstockstall von 10 bis 11 Uhr - c) Kirchberg von 11 bis 12 Uhr - d) Dörfl und Mallon von 12 bis 1 Uhr - e) Winkl von 1 bis 2 Uhr - f) Neustift von 2 bis 3 Uhr - g) Ottenthal von 3 bis 4 Uhr - h) Unterstockstall von 4 bis 5 Uhr - i) Oberstockstall von 5 bis 6 Uhr.
(Pfarrchronik Kirchberg am Wagram, Pfarrer Vinzenz Willim, 1866)
In diesen Tagen werden auch die Ostereier gefärbt. Früher verwendete man dazu selbst hergestellte Farben, wie grün vom Spinat, rot von den Roten Rüben oder braun von den Zwiebelschalen.
Die Ratschenkinder gehen entweder am Karsamstag nachmittags oder am Ostersonntag vormittags von Haus zu Haus und wünschen “dem Herrn und der Frau frohe Ostern und viel Glück auf der Welt und taten bitten ums Ratschengeld.“ Sie erhalten entweder Geld, Ostereier und/oder Naschereien.
Ratschengeld einsammeln, Winkl 2014
Foto: Maria Knapp
Ostersonntag
Am Ostersonntag feiert man die Auferstehung von Jesus. Dieses Frühlingsfest gab es aber schon früher. Es geht auf die germanische Götttin Ostara zurück.
Wer am Ostersonntag den Palmbuschen nicht frühmorgens ins Haus holte, dem konnte es passieren, dass jemand anders ihn hineintrug und dafür ein rotes Ei verlangte.
Am Ostersonntag wird der Gottesdienst in gewöhnlicher Ordnung abgehalten, mit dem Unterschied, daß nach der Spätpredigt unter Vortragung des Pfarrkreuzes und zweier Fahnen, der Osterkreuze und der Statue des auferstandenen Heilands eine Procession durch die Kirche abgehalten werde, wobei die versammelte Pfarrgemeinde von dem Celebranten unter Assistenz mit dem Weihwasser besprengt werde. Diese Procession beginnt am Hochaltare mit der Antifon: vidi aquam, und schließt also auch da. Darauf folgt das feierliche Hochamt mit Assistenz.
(Pfarrchronik Kirchberg am Wagram, Pfarrer Vinzenz Willim,1866)
Beliebt war an diesem Tag das Ostereierpecken. Dabei wurde von zwei Personen (meist Kindern) jeweils ein mitgebrachtes Osterei mit der Spitze gegeneinander gestoßen. Der Spieler, dessen Ei dabei kaputt ging, musste es dem Sieger überlassen.
Ostermontag
Nach dem Lukas-Evangelium gingen Kleopas und ein weiterer Jünger seien am Tag nach Ostern von Jerusalem nach Emmaus und seien dabei dem auferstandenen Jesus begegnet. In Anlehnung daran sagt man, wenn man am Ostermontag zu Verwandtschaft fährt, man gehe nach Emmaus:
In vielen Orten geht man am Ostermontag gerne „ebenaus“, d.h. nach Emmaus. Man besucht entfernter wohnende Verwandte, Göden, Bekannte oder auch nur ein Gasthaus in einem Nachbarort. In Groß-Riedenthal wandern die Leute am frühen Morgen des Ostersonntags auf den Friedhof. Dieser seltene Brauch erinnert wohl an den biblische Gang der frommen Frauen zu Christi Grab, denen ein Engel die frohe Botschaft kündete: 'Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden!'
(Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke, erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)
Weißer Sonntag
Das ist der Sonntag nach Ostern. Früher wurde an diesem Tag die Erstkommunion gehalten. Da Ostern manchmal auf einen recht frühen Termin fällt, wird dieses Fest heute in den meisten Pfarren später – meist im Mai – gehalten.
Bitttage
An den Tagen vor Christi Himmelfahrt findet in den Ortschaften der Bittgang statt. Dabei bitten die Gläubigen unter Gesang und Litaneibeten um gutes Wetter für die Landwirtschaft.
Bittgang zur Ursprungskapelle mit Pfarrer Morgenbesser
Foto: Christine Dreschkai, Kirchberg
40. Tag nach dem Ostersonntag, Christi Himmelfahrt
Ein hoher kirchlicher Feiertag
Pfingsten
Firmung um 1936
Foto: Anna Sieberer, Absdorf Pfingsten findet 50 Tage nach Ostern statt. An diesem Tag wurden die Apostel vom Heiligen Geist erleuchtet und sie gingen aus, das Evangelium zu verbreiten. Heute finden an diesem Tag oft Firmungen statt. Wo die Firmungen heute meist in der eigenen oder einer Nachbarpfarre stattfinden, fuhren früher viele dazu nach Wien in den Stephansdom und danach in den Prater. Auch fand die Firmung in jüngerem Alter statt, sodass die Kinder die Erstkommunionkleidung anziehen konnten.
Fronleichnam
Fronleichnam wird am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag (2. Sonntag nach Ostern) gefeiert. Das Fest wurde 1264 von Papst Urban IV. eingeführt, war aber in verschiedenen Gegenden schon vorher gefeiert worden.
Nach der Messe, die meist ein Hochamt ist, findet die Prozession statt, (besonders schön ist dies Prozession in Altenwörth, wo man ein Stück den alten Donaulauf entlang geht) bei der der Priester unter dem "Himmel"geht, begleitet von den Windlichtträgern, den Schulkindern, Pfarrgemeinderat, Feuerwehr, Musik und Volk. Entlang der Strecke werden an altangestammten Plätzen insgesamt drei oder vier Altäre aufgestellt. Die Gestalter des Altares, meist die Bewohner des nächstgelegenen Hauses, bieten ihre ganze Kunst auf, den Altar mit reichem Blumenschmuck zu versehen. Diese Fronleichnamszweige, die die Prozessionsteilnehmer nach der Feier am Altar mitnehmen dürfen, steckt man zu Hause hinter das Kruzifix.
Früher wurden entlang der Strecke, an der die Prozession vorbei kam, Weidenzweige aufgestellt und Gras auf der Straße verteilt. Da das Wegräumen viel Mühe machte, kam dieser Brauch ab.
Am Frohnleichnahmsfeste wird von nun an folgende Ordnung beim Gottesdienste und der Procession beobachtet:
a) Um 6 Uhr Früh ist der erste Gottesdienst. Dieser besteht aus einer Hl.Segenmesse oder einem Frühamte. - b) Um 7 Uhr darauf ist das feierliche Hochamt mit Assistenz, und gleich darauf folgt die Procession zu den im Freien errichteten Altären und zwar in folgender Ordnung: Beim Hochaltar stimmt der Celebrant den Hymnus: Pange lingua an und ertheilt darnach den Segen mit dem Allerheiligsten. Darauf bewegt sich die Procession von der Kirche aus über den Hafnerberg zu dem Hause des Herrn Schober . Hier ist der erste Altar errichtet. Ist dahier das Evangelium gesungen, wird die vorgeschriebene Andacht verrichtet und der Segen gegeben, bewegt sich die Procession zu dem zweiten Altar, welcher bei der Hl. Dreifaltigkeitssäule errichtet ist. Nach vollendeter Andacht geht die Procession um die Dreifaltigkeitssäule herum, und zieht an der rechten Häuser-Reihe hinab durch die beiden Stege in den sogenannten Katzensprung, bis zu dem Badehaus, dort biegt die Procession ein auf die Straße, und zieht zu dem Park des Herrn Köck, wo der dritte Altar aufgestellt ist. Ist bei dem dritten Altar die Andacht vollzogen, geht die Procession auf der Straße bis zu dem Hause des Herrn Prosel, von da aus wird eingebogen zu der Auffahrt, welche in den Markt führt, bis zum Hafnerhause. Von da aus geht die Procession zu dem vieren Altare, welcher bei dem Hause des Herrn Delapina errichtet ist. Ist dahier die Andacht verrichtet, geht die Procession in die Kirche zurück. Da wird das Frohnleichnahmsfest unter Absingung des Tantum ergo und Genitori nach Ertheilung des Segens mit dem Allerheiligsten beendet.
(Pfarrchronik Kirchberg am Wagram, Pfarrer Vinzenz Willim, 1866)
Ueberaus feierlich gestaltete sich die heutige Fronleichnamsprozession, da die Feuerwehr und sämmtliche Herrn Bürgermeister der eingepfarrten Gemeinden, sowie die geehrten Herren Beamten des k.k. Bezirksgerichtes und Steueramtes in ihren neuen Uniformen daran theilnahmen. Durch den verehrten Herrn Bürgermeister von Kirchberg aber war eine Musikkapelle besorgt worden, welche treffende Stücke während des Weges aufspielte.
(Kremser Zeitung vom 7.6.1890)
Zum Fronleichnamsfeste wandern Birken mit weißen Rinden und zarten Ästen vom Wald ins Dorf. „Zöpferlmadam! Schneckerlmadam!“ spotten Buben und Mädchen. Die aber blicken wie verwunschene Prinzeßlein drein. Denn morgen gehen sie im schneeweißen Kleid, im Lockenhaar ein Blütenkränzlein, knapp hinter dem „Himmel“ und sehen lieblich aus wie Englein.
In Orten die an der Donau liegen wie Altenwörth und Langenlebarn, tragen Mütter ihre unter einem Jahr alten Säuglinge beim Umgang mit. Es geht der Glaube, daß ein solches Kind niemals ertrinken werde.
In allen Orten werden Blumen von den Altären, Birken- und Haselzweige, die durch die Prozession als geweiht gelten, mit nach Hause genommen. Bei Gewitter werden sie im Herde verbrannt und schützen das Haus vor dem zündenden Blitz.
(Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke, erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)
Fronleichnamsprozession in Kirchberg mit Kaplan Ludwig Czombal, um 1960
Foto: Karl Gangl, Dörfl Fronleichnam in Altenwörth 2002
Foto: Dir. Anton Payer, Altenwörth
Weinlesefeste
Auch Weinlesefeste gab es in den Orten. Geschmückte Wagen mit Trauben, Obst, Papierrosen und Maschen, auch ein Fassbinder, der auf dem Streifwagen auf offenem Feuer an einem Fass einen Reifen anzog durfte nicht fehlen. Die Musik spielte dazu und es gab fröhliche Laune. Ich erinnere mich, als ich selbst als Winzerkönigin in einer Kutsche saß. Der Plafond der Tanzbühne war ganz mit Trauben und Obst behangen so daß sich Tänzer bemühten, unbeobachtet dort zu stehlen, damit sie der Strafe entgingen.
(Anna Schabl, Königsbrunn)
Weinlesefest in Mallon im Jahr 1947
Foto: Familie Josef Bauer, Mallon
Erntedankfest
Dieses von der Kirche gefeierte Fest findet Ende September/Anfang Oktober auch heute noch statt. Es werden dabei die Früchte aus Feld und Garten gesegnet und für den reichen Ertrag gedankt. Früher, als man von den Kapriolen des Wetter noch abhängiger war als heute, war dies ein eindrucksvolles Fest der ganzen Gemeinde. Es wurden Erntekronen und -wägen geschmückt. Kinder und Erwachsene brachten ihre Gaben zum Segnen mit.
Erntedankfest 1959
Foto: Pfarrchronik Kirchberg am Wagram
Erntedank in Kirchberg
Foto: Dr. Norbert Schober, Kirchberg
Erntedank in Bierbaum
Foto: Schulchronik Bierbaum
Kirtag
In vielen Orten fand ein Kirtag statt, bei dem das ganze Dorf auf deinen Beinen war. Es wurde aufgekocht und gebacken und die Verwandtschaft eingeladen. Das Ereignis fand im Wirtshaus oder dessen Garten statt. Es gab auch „Standeln“, wo man allerhand Spielzeug, Schmuck und Naschwaren kaufen konnte. In größeren Orten gab es auch ein Ringelspiel. Für die Erwachsenen gind es abends zum Tanz. Die meisten Kirtage sind abgekommen und wurden durch die Feuerwehrfeste ersetzt.
Kirtag in Winkl
Foto: Leopold Zehetner, Winkl
Kirtagstandln in Winkl
Foto: Familie Zehetgruber, Winkl
"Kirtag-Aufspielen" in Neustift in der Zwischenkriegszeit
Foto: Rudolf Schäfer sen., Neustift
Ein Spruch, der sich oft bewahrheitete:
Kein Kircherl so hoch, es führt hin ein Weg,
kein Kirchtag so nobel, es gibt dabei Schläg.
Auch in Zeitungen fanden Kirtage manchmal Einzug, hier aus Kirchberg am Wagram:
Der am 1. u. 2. d. M. hier stattgefundene Kirtag war nicht besonders animirt und verlief weil es hie und da etwas regnete, in ziemlicher Ruhe.
(Kremser Zeitung vom 7.6.1890)
Wallfahrten
Es kamen nicht nur Wallfahrer nach Kirchberg. Auch von hier ging und geht man auf Wallfahrt, z.B. nach Maria Taferl. Die Daheimgebliebenen gingen den Wallfahrern zum Zeitpunkt der angenommenen Rückkehr mit Blumen entgegen und erhielten dafür ein Votivbild.
Heute geht man von Kirchberg aus nach Ruppersthal oder man fährt mit dem Rad von Altenwörth nach Maria Ponsee. Jedes Jahr wird eine Fußwallfahrt nach Mariazell durchgeführt.
Dreschhahn
Nach Abschluss der Drescharbeit, bei der einige Familien zusammenhalfen, und die sehr anstrengend war, gab es den „Dreschhahn“: Der Dreschhahn ist eine bessere Mahlzeit, an der nach dem Abschluss des Drusches alle daran Beteiligten teilnehmen und die bei Gesang, Spiel und Trunk bis tief in die Nacht hinein andauert.
(Heimatliche Stoffsammlung, Winkl)
Advent
Der Beginn des Advent (1. Adventsonntag) fällt so, dass bis zum 24. Dezember vier Sonntage sind - der 24. Dezember kann aber schon der letzte Adventsonntag sein.
Heute sind mit dem Advent untrennbar der Adventkranz und der Adventkalender verbunden.
Der Adventskranz wurde 1839 von dem evangelisch-lutherischen Theologen und Erzieher Johann Hinrich Wichern (1808–1881) im protestantischen Norddeutschland eingeführt. Knapp hundert Jahre später war er auch in katholischen Gegenden zu finden. Der originale christliche Adventkranz besteht aus einem Koniferenkranz mit vier Kerzen, davon drei violette und eine rosa-farbene. Deneben gibt es die Kränze heute aus allen grünen und auch dauerhaften Materialien.
Die Adventkalender, die unabhängig vom Beginn des Advents immer am 1. Dezember beginnen, sind ebenfalls eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Waren die Kalender früher aus Papier oder Pappe und zeigten beim Öffnen des Türchens ein Bild, gibt es heute welche aus Stoffsäckchen, mit Schachteln etc. Sogar für die Haustiere gibt es schon eigene Adventkalender.
Speisen und Getränke um diese Zeit sind Lebkuchen, Weihnachtsbäckerei, Christstollen. In der kalten Zeit trinkt man gerne, vor allem an diversen Ständen, Glühwein oder Punsch.
Tenntreppeln
Das „Tenntreppeln“ war an keine feste Zeit gebunden. Wenn in der hiesigen Gegend ein neuer Stadel gebaut wird, so wird das „Tenntreppeln“ dabei angeschlossen. Die neue Tenne, ein gar geheiligter Boden für den Bauern, wird zuerst geprackt und festgestampft. Wenn das vorbei ist, so zieht man vier bis sechs Sonntagen die Dorfjugend (auch aus der Umgebung) zur neuen Tenne, um darauf fest zu tanzen.
Das gibt doppelte Freude! Einmal für den Besitzer; denn durch das fleißige Herumtanzen wird der Tennboden fester und härter. Die zweite Freude hat die Dorfjugend, die einen natürlichen und guten Tanzboden gefunden hat.
Am Sonntag den 23. Juni 1935 hatte ich Gelegenheit, in Utzenlaa ein solches „Tenntreppeln“ zu sehen. Es wird ein Musikant, meist ein Zieharmonikaspieler, aufgenommen, der später in einer Tanzpause absammeln geht. Die Tanzenden stehen oder sitzen, links und rechts von der Tenne beim sogenannten „Hoiboan“. Wenn die meisten beisammen sind, dann geht es los. Besonders die Jüngeren können es nicht mehr erwarten, bis der Musikant anfängt. Getanzt wird Walzer und Ländler. Hie und da auch ein Marsch. Ältere Leute sagten mir, daß dieses Tanzen auf der Tenne schon seit jeher gepflegt werde, auch wenn der Bauer seine alte Tenne auflockert und wieder einstampft. Früher wurde auch dabei Polka getanzt. Dieses Tenntreppeln gibt dem Tanzanfänger recht gute Gelegenheit zur Übung. Mancher flotte Tänzer hat durch das Tenntreppeln erst richtig tanzen gelernt.
(Das deutsche Volkslied, 1936, Heft 4)
Oktober 2012, letzte Änderung April 2024
Maria Knapp
Brauchtum im Jahreslauf
1. Jänner
Erst Papst Innozenz XII. legte 1691 den Neujahrstag mit dem 1. Jänner fest. An diesem Tage erhielten die Kinder in früheren Jahrhunderten Geschenke. Erst seit dem 19. Jahrhundert ging dieser Brauch auf Weihnachten über. Bereits seit den Römern ist es üblich, sich zum Jahreswechsel Glück zu wünschen. Oft geschieht dies mit sogenannten „Glücksbringern“, Figuren von Rauchfangkehrern, vierblättrigem Klee, Schweinchen, Münzen oder Fliegenpilzen etc.
Gerne wird das Neue Jahr mit dem Donauwalzer begrüßt, den man nach dem Jahreswechsel in Radio und Fernsehen hört.
Die Kinder gehen zu den Großeltern, Onkeln und Tanten und wünschen ein gutes Neues Jahr und bekommen dafür ein kleines Geldgeschenk. Früher sagte man dazu auch lustige Sprüche auf, etwa: „I bin a kloans Binckerl und stell mi ins Winkerl, und weu i nix kon, fong i nix on.“
6. Jänner, Heilige Drei Könige
Die Verehrung dieser Heiligen geht bei uns bis ins 12. Jahrhundert zurück, man sah in den drei Personen die Vertreter der damals bekannten Erteile Europa, Asien und Afrika. Nach einer Legende sollen die Gebeine der Hl. Drei Könige von der Hl. Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin I., im 4. Jahrhundert in Palästina gefunden worden sein. Die Verehrung ging von der Stadt Köln aus, wohin ihre angeblichen Reliquien von Mailand überbracht wurden.
Kaspar bedeutet der Schatzmeister, Melchior – Lichtkönig und Balthasar – Fürst des Glanzes. Sie sind u.a. Schutzpatrone der Reisenden, Gastwirte und Kürschner. Sie halten das Böse von Häusern und Ställen fern.
Dieser Tag ist der letzte der Raunächte und früher wurden an diesem Tag das Haus und der Stall gesegnet: Heilige Drei König war auch nicht mehr weit entfernt. Zum hl. Drei Königssegen kauften wir uns in Kirchberg Weihrauch und Kreide und ließen es weihen. Zuhause ging Vater mit Glut und Weihrauch und uns Kindern mit Weihwasser und Kreide durch alle Räume und Stallungen und segnete das Haus.
(Anna Schabl, Königsbrunn)
Sternsinger in Winkl, um 1995Von jeher gehen an diesem Tag die Kinder in Begleitung eines Erwachsenen als Hl. Drei Könige verkleidet, um für Projekte in der Dritten Welt Spenden zu sammeln. Sie schreiben die Zeichen „ C + M + B“ an die Türen, was man sowohl mit "Caspar, Melchior und Balthasar", als auch mit Christus Mansionem Benedicat - Christus segne dieses Haus - übersetzen kann. Sie segnen das Haus mit Weihrauch, von dem man auch einige Körner haben kann, wenn man mag. Es hat sich eingebürgert, dass nur jene Kinder beim Ratschen in der Karwoche mitgehen dürfen, die auch beim Sternsingen dabei waren, denn das Ratschen ist – im Gegensatz zum Sternsingen - weitaus einträglicher. Allerdings ist in manchen Orten der Brauch entstanden, den Kindern auch beim Sternsingen Naschereien oder Extra-Geld zuzustecken. Sonntag nach dem 6. Jänner
20. Jänner, Hl. Sebastian
Hl. Sebastian in der Neustifter Kirche
Foto: Andreas NowotnyDer Hl. Sebastian starb als Märtyrer unter dem römischen Kaiser Diokletian. Seit dem 7. Jahrhundert ist er der wichtigste Pest- und Seuchenheilige für Mensch und Tier. Er ist der Kirchenpatron von Kollersdorf und Neustift. Früher war der Tag ein Bauernfeiertag, an dem nicht gearbeitet werden durfte. Besonders in Neustift wurde dieser Tag von alters her als Feiertag gehalten. Die Verwandtschaft wurde eingeladen, es wurde aufgekocht und gebacken.
Fest des hl. Sebastian. Nach fast 8 jähriger Unterbrechung wurde heuer wieder der größte Festtag des Ortes (Fest des hl. Sebastian) in würdiger Weise begangen. Zum ersten Mal führten die Neustifter selbstständig unter Führung des Leiters der Schule ein lateinisches Hochamt auf. Die Festpredigt hielt Hochw. Zachorsky aus Wien.
(Schulchronik Neustift, 1946)
2. Februar, Maria Lichtmess
Dieses Fest gedenkt des Besuches Marias mit dem Jesuskind im Tempel von Jerusalem. Die ursprüngliche Bezeichnung lautete „Mariä Reinigung“. Beide Namen wurden 1960 von der Kirche zugunsten „Fest der Darstellung des Herrn“ abgeschafft. Bis zum 2. Vatikanischen Konzil im Jahr 1962 dauerte bis an diesen Tag die Weihnachtszeit. Da aber bei einer kurzen Faschingszeit nur wenige Tage darauf die Fastenzeit beginnt, dauert Weihnachten heute nur mehr bis zum Tag der "Taufe des Herrn" am Sonntag nach dem 6. Jänner.
Früher wurde an Mariä Lichtmess der Kerzenbedarf für das ganze Kirchenjahr geweiht. Neben Wachsstöcken und Pfennigkerzen wurden auch Altarkerzen und schwarze Wetterkerzen zur Weihe in die Kirche gebracht. Auch heute noch findet in vielen katholischen Kirchen an Mariä Lichtmess die Kerzenweihe statt
(Weltbild Bauernkalender 2012)
Dieser Tag war einst ein hoher Feiertag. Hier eine Textstelle aus der Kirchberger Pfarrchronik von 1866, wo er unter den wichtigsten Festtagen aufscheint: An den hohen Festtagen als: Weihnachtsfest – St. Stefan – Lichtmeßtag – Ostersonntag – Pfingstsonntag – Frohnleichnahmsfest – Maria Himmelfahrtsfest – Allerheiligen – Allerseelentag – Maria unbefleckte Empfängnißfest hat der jeweilige Pfarrer das Hl Hochamt mit Assistenz zu zelebrieren.
Dieser hohe Kirchenfeiertag wurde 1925 abgeschafft. Wie man anhand der Kirchberger Pfarrchronik sieht, waren Volk und Klerus mit der Abschaffung nicht einverstanden: 1926: Es kam am 31. Jänner vom Landeschulamt ein Erlaß, daß am Maria Lichtmeßtage Schul-Unterricht sei. Darüber war große Empörung unter dem Volke, in den eingepfarrten Schulen war kein Unterricht, in Kirchberg fehlte die Hälfte der Kinder. Das Volk läßt sich die Feiertage nicht nehmen.
Auch 1928, 1929 und 1931 gab es Eintragungen in dieser Art.
1934: Maria Lichtmeß. Dieser abgeschaffte Feiertag wurde noch so wie in der Friedenszeit begangen. Damit die Schulkinder noch frei haben, wurde für diesen Tag die Hl. Kommunion angesetzt. 1934 war der letzte Eintrag dieser Art – man hat sich also an die Abschaffung gewöhnt.
Maria Lichtmess war und ist ein wichtiger Lostag:
Wenn’s zu Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.
Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.
Maria Lichtmess war der Dienstbotenfeiertag. An diesem Tag konnten Knechte und Mägde den Dienstplatz wechseln oder sie blieben weiter nach beiderseitigem Einverständnis an ihren Platz:
Knechte und Mägde verdingten sich gewöhnlich auf ein Jahr, während dieser Zeit durfte der Dienstbote nicht ohne schwerwiegenden Grund aus dem Dienst treten, der Dienstgeber ihn nicht entlassen, sofern er sich nichts zu Schulden kommen ließ. Für den Knecht- und Mentscherwechsel war das Fest Mariä Lichtmeß der übliche Termin.
(Helmuth Feigl, Die niederösterreichische Grundherrschaft, St. Pölten 1998)
3. Februar, Hl. Blasius
Blasius ist ein Heiliger der Ostkirche, er war Arzt und später Bischof. Er zählt zu den 14 Nothelfern. Er ist der Patron der Ärzte, Hutmacher, Wachszieher, Bäcker und Musikanten. Er wird vor allem bei Halsleiden und Zahnschmerzen angerufen.
(Weltbild Bauernkalender 2012)
Zu Blasius begannen die „Schlankeltage“ oder Urlaub (für das Dienstpersonal, Anm. d. Verf). Wenn sie Stallarbeiten verrichteten, waren 14 Tage, ansonsten 8 Tage. Monatslohn waren vor dem 2. Weltkrieg Mägde 30,-- S, Knechte 40,-- S. Zu Weihnachten gab es größere Geschenke, z. Bsp. Bettzeug, Leintücher u. dgl.
(Anna Schabl, Königsbrunn)
14. Februar, Hl. Valentin
1. April
Mehr als heute wurde man früher in den April geschickt. Neben anderen - einfallsreicheren Späßen – wurden die Kinder, die das noch nicht kannten, zum Greißler um Oxdradium (Ochs dreh dich um), Ibidum (Ich bin dumm) und um Spennadelsamen (Stecknadelsamen) geschickt.
(Margit Adam, Bauernregeln für jeden Tag, Seehamer Verlag)
30. April, Walpurgisnacht
Von alters her glaubte man, dass an diesem Tag die Hexen los sind. Was sich bei uns eingebürgert hat, ist der Brauch des Maistrichmalens. Einige Jugendliche gehen in der Nacht durchs Dorf und schreiben mit Kalkfarbe (wenn sie gemein sind, mit besser haftenden Flüssigkeiten) mehr oder weniger lustige kurze Texte vor die Häuser.
An diesem Tag findet auch das Maibaumaufstellen statt. Dies war und ist in vielen Ortschaften ein festlicher Anlass, bei dem auch die Musik aufspielt. Wurde früher der Maibaum von Hand aufgestellt, werden nun Frontlader eingesetzt. Bei der nachfolgenden Feier ging es immer lustig zu. Gleichzeitig musste man aber darauf achten, dass vor dem Haus dem Maibaum nichts passierte. Es kam vor, dass Burschen aus den Nachbardörfern den Maibaum umschneiden wollten. Auch sonst kam Schabernack vor: einmal wurde – während die Männer beim Ortsvorsteher in Winkl feierten – das Fahrrad eines Feuerwehrkameraden auf den Lichtmast gehängt. Dieses Maibaumumschneiden, das es auch heute noch gibt ist Brauchtum und angeblich in dieser Nacht nicht strafbar.
'Ein donnerndes Hoch unserem Herrn Bürgermeister und seiner Familie', steht auf der Tafel die den schlanken Stamm ziert. Die Sitte, einen Maibaum zu setzen, ist im ganzen Tullnerfelde üblich. In Orten, die nahe am Walde liegen, setzen die Burschen ihre Ehre darein, einen hohen schönen Fichtenbaum zu stehlen.
Steht vor der Haustür ein Maibaum, ist es eine Ehrung für den Bewohner. Dem so Geehrten kostet aber das Setzen und am letzten Mai das 'Umwerfen' des Baumes eine Menge Geld, da er den Burschen Bier und Wein zahlen muß. Arme Leute erhalten daher nie einen Maibaum.
Manchmal wird auch versucht, in einem fremden Ort heimlich in der Nacht den Maibaum umzuschneiden. Werden die Burschen auf frischer Tat ertappt, setzt es eine derbe Rauferei.
(Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke, 4rzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)
1939 beschreibt Schulleiter Peter Pircher das Aufstellen eines herrlichen Maibaumes auf dem Platz der Adolf-Hitler-Eiche in Winkl, bei der er selbst die Festrede hielt. Während des Aufstellens des Maibaumes kam es zu einem Unwetter mit Sturm und Regengüssen, was die ohnehin äußerst schwere Arbeit noch schwieriger machte.
Mai
Maiandachten
Maria zu Ehren wurden und werden Sonntag nachmittags Andachten gehalten, in größeren Kirchen sogar täglich, wie man in der Kirchberger Pfarrchronik im Jahr 1919 liest: Wie im Vorjahr wurde auch heuer die Maiandacht täglich gehalten. Während der Wochentage ist eine geistl. Vorlesung aus ‚Maria vom guten Rat‘ (von Kerschbaumer), jeden Sonntag ist Predigt.
Zur Maiandacht kamen die Altenwörther früher zu Fuß nach Winkl.Foto: Monika Jöchl, Winkl, um 1970
Zu den Maiandachten gingen wir Kinder gerne, denn wir durften die weißen Kleider anziehen. Wir durften vorne rund um den Altar stehen. In den Orten stand wohl das kirchliche Geschehen im Mittelpunkt.
(Anna Schabl, Königsbrunn)
1. Mai, Tag der Arbeit
4. Mai, Hl. Florian
Hl. Florian, Kirche Neustift
Foto: Andreas Nowotny
Der Hl. Florian, der in Zeiselmauer geboren wurde und als Märtyrer in Lorch, OÖ starb, ist u.a. der Schutzpatron der Feuerwehr. An diesem Tag finden in den Pfarren Feuerwehrmessen statt.
In der Nacht zum 4. Mai wird Mädchen, die durch ihren Lebenswandel keinen guten Ruf genießen, und Männern die es mit ihrer ehelichen Treue nicht genau nehmen, der „Florl“, eine Strohpuppe, vor das Haus oder auf
(Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke, erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)
2. Sonntag im Mai, Muttertag
25. Mai, Hl. Urban
2. Sonntag im Juni, Vatertag
Um den 21. Juni, Sonnwendfeuer
Der Brauch, am Vorabend des Johannistages Sonnwendfeuer zu entzünden, reicht bis in heidnische Zeiten zurück. Im Christentum wurden daraus Johannisfeuer, jetzt nennt man sie Sonnwendfeuer.
Foto: Verschönerungsverein Winkl, Anton Karner
24. Juni, Johannes der Täufer
25. Juli, Hl. Christophorus
Hl. Christophorus, Kirche Altenwörth
Foto: Maria KnappChristophorus ist ein legendärer Heiliger des Christentums. Er wird häufig als Hüne mit Stab dargestellt, der das Jesuskind auf den Schultern über einen Fluss trägt. Er zählt zu den Vierzehn Nothelfern und ist heute besonders als Heiliger für Fahrzeuge bekannt.
Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Christophorus
10. August, Hl. Laurentius
29. September, Hl. Michael
Oktober
4. Oktober, Hl. Franz von Assisi, Welttierschutztag
26. Oktober, Nationalfeiertag
Nationalfeiertag, Kindergarten Altenwörth, 1990
Foto: Maria Knapp
Für diesen Tag wurde in den Kindergärten und Schulen eifrig an Fahnen gebastelt und es fanden Feiern zum „Tag der Fahne“ statt.
1. November, Allerheiligen
Allerheiligen ist ein kirchlicher Feiertag. Ursprünglich wurde er von Papst Gregor IV. im Jahre 835 als Gedenktag für alle Märtyrer und Heiligen eingeführt, mittlerweile ist er aber ein Gedenktag für alle Heiligen, an dem die Gräber allerorten mit Blumen und Gestecken geschmückt werden. Früher wuchsen in allen Gärten Chrysanthemen, die, da sie nicht besonders frosthart sind, ab den ersten Frösten täglich abends zu- und morgens wieder abgedeckt wurden, damit man zu Allerheiligen die Gräber damit schmücken konnte. Heute kauft man die Blumen beim Gärtner.
Neben der Messe am Vormittag findet ein Nachmittagssegen mit anschließendem Friedhofsgang mit Blasmusikbegleitung statt, zu dem Verwandte aus nah und fern zum Friedhof kommen.
Als besonders Gebäck gibt es für diesen Tag den „Allerheiligenstriezel“, den sich die Männer auch heute noch mancherorts ausschnapsen.
(Anna Schabl, Königsbrunn)
2. November, Allerseelen
8. November, Hl. Hubertus
11. November, Hl. Martin
Laternenfest in Winkl um 1995
Foto: Anton KarnerDer römische Soldat (später Priester und Einsiedler) Martin hat der Legende nach seinen Mantel mit einem Bettler geteilt. Er ist einer der ersten Nicht-Märtyrer, die einen eigenen Festtag bekamen. Früher begann zu St. Martin das Neue Wirtschaftsjahr. Löhne wurden ausbezahlt und so wie zu Lichtmess konnten auch an diesem Tag Mägde und Knechte den Dienstherrn wechseln.
Nach ihm benannt ist die Martini-Gans, die zu diesem Zeitpunkt fett und schlachtreif ist. Es werden in vielen Gasthäusern Gansl-Essen veranstaltet. Der neue Wein wird um diese Zeit getauft.
15. November, Leopold
Der heilige Leopold III. ist der Patron von Ober- und Niederösterreich. Früher war dieser Tag ein Feiertag. Heute ist es nur mein ein schulfreier Tag.
Früher fand in Kirchberg zu „Lepoldi“ die Dienstbotenprämierung statt: Knechte und Mägde, die schon eine Reihe von (runden) Jahren beim selben Arbeitgeber waren, wurden geehrt: Am Feste des hl. Leopold war hier wieder die Prämierung von 24 braven Dienstboten in Gegenwart des Herrn Bezirkshauptmannes Dr. Schuppler, mit schöner kirchlicher Feier, bei der auch der Pfarrer einige Worte an die Prämierten hielt. - Danach gab es ein Essen. Die Musikschüler der Familie Schmid aus Absdorf spielten dazu auf.
(Pfarrchronik Kirchberg, 1926, Pfarrer Karl Rasberger)
Die Männer fahren nach Klosterneuburg zum Fasslrutschen. Aber auch bei uns gab es zeitweilig diesen Brauch, so z. B. 1969: ‘Faßlrutschen‘ im Zwickelkeller am 15. November in Kirchberg – 400 Personen beim Tanz – Organisator wieder Kpl. Spreitzhofer
(Pfarrchronik Kirchberg am Wagram, Pfarrer Rudolf Koriska)
Amtsblatt des Tullner Bezirkes 10.11.1960:
Aus gegebenem Anlaß wird in Erinnerung gebracht, daß die niederösterreichische Landesregierung in ihrer Sitzung vom 17. November 1954 nachstehende Widmung beschlossen hat:
Art. 1: Die Widmung trägt den Namen „Leopoldi-Widmung der niederösterreichischen Landesregierung."
Art. 2: Zweck der Widmung ist es, jedes am 15. November geborene Kind, dessen Eltern, (Mutter) die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen und die ihren ordentlichen Wohnsitz in einer Gemeinde des Bundeslandes Niederösterreich haben, mit einem Betrag von S 1000,-- zu bedenken, wenn dem Kinde der Name Leopold oder Leopoldine gegeben wird.
Art. 3: Das Sparbuch über diesen Betrag wird bis zur Großjährigkeit des Kindes gesperrt …
4. Dezember, Barbara
Barbarazweige, früher auch oft als Barbarabäume bezeichnet, sind Zweige von Obstbäumen, die nach einem alten Brauch am 4. Dezember, dem Tag der hl. Barbara (Barbaratag) geschnitten und in einer Vase in der Wohnung aufgestellt werden.
Je nach Gegend und Brauchtum werden Kirsch-, Apfel-, Birken-, Haselnuss-, Rosskastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder Forsythienzweige verwendet. Sie sollen bis zum Heiligen Abend blühen und in der kalten und düsteren Winterzeit zum Weihnachtsfest Schmuck in die Wohnung bringen. Der Brauch geht auf eine Überlieferung von der Heiligen zurück, nach der sie auf dem Weg in das Gefängnis mit ihrem Gewand an einem Zweig hängenblieb. Sie stellte den abgebrochenen Zweig in ein Gefäß mit Wasser, und er blühte genau an dem Tag, an dem sie zum Tode verurteilt wurde.
Nach regionalem Volksglauben bringt das Aufblühen der Barbarazweige Glück im kommenden Jahr.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Barbarazweig, 5.7.2012)
Barbarazweige schneiden auch die Mädchen von den Kirschenbäumen, wässern sie ein und stellen sie in die Wärme. Blühen sie, gibt es im kommenden Jahr eine Hochzeit.
(Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke, erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)
5. Dezember, Krampus
(Heimatkalender des Bezirkes Tulln, 1949, Brauchtum im Tullner Bezirke, erzählt nach Berichten der Schulen von Hildegard Straßer.)
6. Dezember, Hl. Nikolaus
Nikolaus war Bischof von Myra und es ranken sich viele Legenden um seine Person, die alle von seiner Mildtätigkeit und Güte handeln. Er ist u. a. der Patron der Schiffer und des Wassers (und allem was damit zusammenhängt) und auch der Kinder.
Der Hl. Nikolaus bringt den Kindern kleine Geschenke und Süßigkeiten, die er in die Stiefel steckt oder aufs Fensterbrett stellt. Früher, als die Zeiten nach schlechter waren, gab es für die Kinder selbst gemachte Zwetschkenkrampusse, Nüsse und Äpfel (Chrysofzker) ins Sackerl.
Oft kommt Nikolaus auch persönlich vorbei, meist begleitet vom Krampus, vor dem die kleineren Kinder etwas Angst haben.
Die Kirche in Winkl ist dem Hl. Nikolaus geweiht, daher gibt es um diese Zeit die „Niglo-Messe“, bei der die Kinder Süßigkeiten erhalten. Vor der Kirche gibt es einen Glühweinstand vom Verschönerungsverein.
8. Dezember, Maria Empfängnis
Herbergsuchen
Foto: Karl Gangl, DörflIn Anlehnung an das Lukas-Evangelium "Weil kein Platz für sie war..." hat sich der Brauch der Herbergsuche entwickelt. Dabei wird in den letzten neun Tagen vor Weihnachten eine Marienstatue oder ein Marienbild jeden Tag in ein anderes Haus getragen und dort bei Gebet und Liedern verehrt.24. Dezember, Hl. Abend
Der Vormittag des Hl. Abends ist ein Fasttag, der aber nicht mehr sehr streng gehandhabt wird, allerdings gibt es in vielen Häusern nach altem Brauch noch immer Fisch. Nachmittags geht man auf den Friedhof, um an den Gräbern der verstorbenen Angehörigen Kerzen zu entzünden. Am Abend kommt dann das Christkind – heute auch der Weihnachtsmann – und bringt den Christbaum und Geschenke. Die Kinder werden zu den Großeltern gebracht, damit die Eltern in Ruhe alles vorbereiten können.
Die Christmette fand früher um Mitternacht statt, heutzutage, je nach Pfarre auch früher. Die Leute gingen in der Nacht bei Kälte und Schnee aus den Ortschaften in die Pfarrkirche zur Mette.
Die stillste Zeit im Jahre ist wohl Advent u. Weihnachtszeit. Am hl. Abend erinnere ich mich ans Bleigießen und wir rätselten was diese Figuren darstellen könnten. Auch Bratäpfel machten wir uns. Am hl. Abend hatten wir am Abend in der Kirche eine Andacht zu der wir Wachsstöcke anzündeten, es war sehr beschaulich. Nach dieser Andacht war der Zeitpunkt , da in jedem Haus der Christbaum entzündet wurde. Die Vorhänge wurden zur Seite geschoben und so ging man im ganzen Ort Christbaum „ausschauen".
(Anna Schabl, Königsbrunn)
Werbung für Christbaum- und Weihnachtsschmuck
Kremser Zeitung vom 10.11.1906
Figaro, 15.12.1906
Das Interessante Blatt, 1911
Krippe der Pfarrkirche Kirchberg am Wagram
Foto: Christine Dreschkai, Kirchberg
Rauhnächte
25. Dezember, Christtag
26. Dezember, Fest des Hl. Stephanus
An diesen beiden Tagen besucht man von jeher die Verwandtschaft.
(Anna Schabl, Königsbrunn)
31. Dezember, Silvester
Zum Jahreswechsel gab und gibt es seit jeher verschiedene Bräuche wie etwas das Bleigießen, wo man in den erstarrten Figuren Zukünftiges lesen kann. Neuerdings gibt es in verschiedenen Orten „Silversterpfade“ – Wandertage mit Raststationen zum Laben – vor allem mit Flüssigem.
Als Essen zu Mittag oder zur Jause gab es einen Saurüssel oder einen ganzen Schweinskopf – das Schwein soll ja bekanntlich Glück bringen.
Oktober 2012, letzte Änderung April 2024
Maria Knapp
Kinder- und Auszählreime
Auszählreime
Müllers Kuh
Müllers Esel das bist du.
Das bist du noch lange nicht
Musst erst sag’n, wie alt du bist.
junge müssen fasten,
Brot in den Kasten,
Kasten in das Eck -
und du bist weg.
Fingerzählreime
der schüttelt die Pflaumen,
der hebt sie auf,
der trägt sie nach Haus,
und der Klitzekleine
isst sie alle auf!
Beim Versteckspiel
Sonstige Reime
Bei Schmerzen
das Mäuschen hat ein Schwänzchen!
Heile, heile Mäusespeck,
in 100 Jahren ist alles weg!
Beim Anfertigen eine Pfeifchens aus einem Weidenstückchen
Wenn man ein Sonnenkäferl findet
Maria Knapp
Kirtabuam
Die Kirtagsburschen laden die Sachsendorfer Dorfbewohner ein, um 1950Fotos: Herbert Eder, Kollersdorf
Kleidung seinerzeit
Eine Betrachtung aus der Topographie von Niederösterreich, herausgegeben vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich, 1877, NÖ Landesbibliothek:
Die Kleidung nimmt von Jahr zu Jahr einen allgemeinen cosmopolitischen Charakter an. Die Weiber sind von den alten Kopfbedeckungen, „Sturzhauben“; „Linzerhauben“ die aus Draht oder aus Goldborten und Goldbrokat, auch in ähnlicher nach hinten sich fortsetzender Flügel-Form aus Strohgeflecht, verfertigt waren (der Volkswitz sprach schließlich von „Häringsköpfen“), abgegangen die Mädchen halten noch am Bindtuche, dem zierlich geschlungenen schwarzen und rotbunten Kopftuche, weil es bequem, billig ist und zudem mit seinen wallenden und herabhängenden spitzen Enden zierlich lässt. In der Hitze wird das künstlicher geschlungene Bindtuch gelockert und einfach zum Schattenspenden über den Kopf geworfen, mit seinen Enden am Kinne lose verschlungen. Die bunten Mieder verschwinden. Das „Spenserl“ auch „Jopperl“ genannt, mit einem kleinen gefalteten Besatz oder Schößchen in den Hüften und am längsten rückwärts, unterscheidet sich nicht wesentlich von einem städtischen Kleidungsstücke und lässt mit seiner knappen Form gut. Das Kleid der „Kittel“ oder „Rock“, bleibt kürzer als in der Stadt, man zeigt auch gerne zierliche Schuhe und nette, zuweilen hellfärbige Strümpfe. Eine bunte oder einfärbige Schürze, ein Busentuch dunkel bunt oder hell einfärbig, erhöhet die Formen. Das gescheitelte Haar wird schlicht an den Schläfen vorübergeführt und am Hinterhaupte zu Flechten vereinigt. Zuweilen langt es noch aus, um als Flechten über dem Scheitel nach vorne geschlungen zu werden.
Die Burschen im Niederlande tragen runde, sehr flache, zuweilen höhere, etwas spitzer zugehende Hüte mit mehr oder minder breiten Bändern. Die Hüte sind meist grün oder schwarz. Die Bänder ebenso. Die kurze Kniehose aus Leder oder Tuchstoffen wechselt bereits stark mit den „cosmopolitischen Pantalon“ ab. Hohe enge Stiefel aus Wichs= oder Fettleder bleiben eine Notwendigkeit und werden auch mit Zierlichkeit getragen. Der „Ranzen“, weißgesteppte Ledergürtel, mit breiter glänzender Schnalle, die „Katze“, um die Hüfte, hat sich hie und da erhalten. Der „Spenser“, auch „Schamperl“, die kurze Kacke, die bis in die Hüften reicht, hat bei den Burschen immer Geltung und wird mit blanken, starken, flachen oder erhabenen Knöpfen geziert. Den „Manern“, das ist den verheirateten Männern, ziemt zu feierlichen Gelegenheiten ein Rock mit Schößen. Die früher beliebte Form mit langen Schößen, welche bereits in Mitte des Rückens, am übermäßig, fast komisch kurzen Rockleibe begann, erscheint nur mehr in selteneren Exemplaren. Die verheirateten Männer sind es auch meistens, welche Strümpfe und Kniehosen tragen.
Ein eigenthümliches Kleidungsstück ist der „Wettermantel“ aus starkem Leder. Er ist ein länglich viereckiges Stück, in den ein Querschnitt gemacht ist und dann in der Mitte von diesem nach einer Seite noch ein kurzer Längsschnitt. Dies dient, um den Kopf durchzustecken. Dann hängt der Wettermantel über den Rücken und Unterleib tiefer, vorne jedoch nur bis zu den Schenkeln herab. Er kann in der Hüfte auch zusammengeknöpft werden. So schützt er gegen Regen und Schnee, hindert nicht im Wandern und Klimmen und lässt die Arme zur Arbeit frei. Er sieht sogar malerisch aus in seinem einfachen, aber entschiedenen Faltenwurf von den breiten Schultern hinab.
Anna Schabl, Königsbrunn:
Auch früher war man der Mode unterworfen. Als Mädchen od. Frau ging man nie barhaupt (ohne Kopfbedeckung) in die Kirche. Auch als Kleinkind trug man schon Hüte, entweder aus Stroh oder Filzhüte je nach Jahreszeit, im Winter Wollhauben und Wolljacken, Muff und Pelzkragen dazu. Die Frauen entweder Hüte oder Schal. Die Frauen trugen lange enge Kleider, langes Haar hoch gesteckt. Im Winter Plüschjacken und ältere Frauen ein großes Wolltuch „Gugl“, welches vorne an der Brust gekreuzt und am Rücken zusammengebunden war. Da ja Frauen keine Mäntel hatten. Die Männer gingen bei Hochfesten der Kirche in schwarz. Die Männer trugen an Wochentagen einen blauen Schurz („Firta“) die Handwerker dagegen eine grüne Schürze. Zur Stallarbeit trug man eine Sackschürze und Holzpantoffeln. Die Kinder, die ausschließlich zu Hause geboren wurden, kamen für einige Monate in einen Wickelpolster, damit sie gerade wachsen. So konnten sie sich nicht rühren oder strampeln. Die Buben trugen als Kleinkind Kleider wie die Mädchen.
Sonnenschutz
Man wusste sehr wohl auch früher, dass zu viel Sonne nicht gesund ist. Außerdem war es Mode, blass zu sein. Eine braune Hautfarbe war ein Zeichen, dass man eine wenig geachtete Tätigkeit - wie etwa die Bauernarbeit - verrichtete.
Man trug auch im Sommer, erstens aus schicklichen und zweitens aus sonnenschutztechnischen Gründen, Kleider aus Baumwollstoff, die über die Knie reichten und oft auch lange Ärmel hatten. Als Kopfbedeckung hatte man ein helles Tuch, das von den älteren Frauen vorne, von jüngeren hinten gebunden wurde. In dieses Kopftuch wurde mitunter ein Streifen weißes Papier oder Pappe geschoben, damit das Kopftuch weiter vorstand und mehr Sonnenschutz bot – siehe Foto unten. Alle, sowohl Männer, als auch Frauen, trugen im Sommer eine Kopfbedeckung.
Je nach Verwendungszweck handelte es sich bei den Kopftüchern um solche aus einfachem, bedrucktem Leinen bis zu feinen Seidentüchern:
Fiata (Schurz)
Zur „Grundausstattung“ des bäuerlichen Arbeiters gehörte das Fiata – erstens um die Kleidung zu schonen und zweitens zum Befördern von verschiedenen Gegenständen. Es fasste unter anderem Saatgut und Dünger. Auch Frauen trugen teilweise dieses Fiata. Sie trugen darin etwa die Eier in die Speisekammer. Dieser Schurz war meist aus blauem Stoff und konnte bei Bedarf heraufgebunden werden. Auch die Buschen trugen schon ein Fiata, die Mädchen Schürzen.
Familie Schuster, Sachsendorf
Foto: Familie Grausenburger, Winkl
Die Frauen der Familie Schuster aus Sachsendorf mit ihren Sonntagsschürzen, der alte Bauer trägt sein Fiata.
Foto: Familie Grausenburger, Winkl
Familie Ploiner, Sachsendorf um 1940 Familie Familie Schmidt, Winkl
Die Frauen trugen, wenn sie nicht auch ein Fiata trugen, teils Halbschürzen aus Baumwollstoff oder Kittelschürzen über der Kleidung. Die Mädchen trugen von klein auf bunte Schürzen – auch in die Schule.
Johann und Maria Engelmann, Winkl, 1939
Beim Hühnerfüttern, 1965
Fotos. Maria Knapp
Kalmuck-Janker
Ursprünglich wurden diese Jacken aus robustem Stoff von den Schiffleuten und Flößern getragen. Mit dem Aufkommen der motorbetriebenen Schifffahrt wurde diese Tracht von den Wachauer Winzern übernommen, aber auch die Bauernschaft schätzte diese Jacken sowohl bei der Arbeit als auch aus Sonntagsstaat.
Foto: Anton Halmer, Mitterstockstall
Blaudruck
Der Blaudruck ist ein spezielles Färbeverfahren für Gewebe aus Leinen oder Baumwolle. Auf blauem Grund (Indigo) entsteht ein weißes Muster. Diese Stoffe wurden vor allem für Schürzen und Hauskleidung verwendet.
Kinder
Wickelpolster
Frau Schuster, Sachsendorf, um 1920
Foto: Familie Grausenburger, Winkl Die Kleinkinder verbrachten die ersten paar Monate ihres Lebens in Wickelpölstern und zwar, „damit die Gliedmaßen gerade bleiben“.
Schnellfeuerhose
Foto: Stadt- und Heimatmuseum Traismauer Diese Hose, die in der Nacht getragen wurde, war zwischen den Beinen offen, damit die Kinder, wenn sie dringend aus WC mussten, die Hose nicht erst hinunterziehen brauchten. Das WC bestand bei Kindern meist aus einem Topferl (Scherm), da sich das Klosett, früher Häusl genannt, das auch wirklich ein eigenes, kleines Haus war, ein Stück weg von der Wohnung im Freien befand.
Die Kleidung der Kinder wurde immer wieder an das nächst kleinere weitergegeben. Da wurde auch nicht viel Rücksicht genommen, ob es sich um typische Mädchen- oder Bubenkleidung handelte.
Zum Fotografieren wurden die Kleinen fein herausgeputzt:
Sie wurden sowohl von den Männern als auch von den Frauen beim Ausmisten und bei der Heuernte getragen und Schloaka genannt. Nur die Sohle war aus Holz, der Oberteil aus Leder, sie wurden von den Kaufleuten im Dorf verkauft, Selbstanfertigung war nicht üblich.
April 2014, letzte Änderung April 2024
Maria Knapp
Kleidung und Stoffe um 1844
Der, nach Mittheil. des Landgerichts Grafenegg V.U.M.B. in dem Haus Nr. 52 zu Bierbaum in der Nacht auf den 27.v.M. mittelst Einbruchs entwendeten Sachen.1 franzblau tuchener Kaputzrock;
Wien am 7. August 1844
Joseph Edler von Amberg
k.k. wirklicher Hofrath und Polizei-Oberdirektor
k.k. Regierungsrath und Polizei-Oberdirektors Adj.
Canevaß - grobes Segeltuch, Sackleinen
Kammertuch – feinere Baumwolle
Asphalt-Uiberrock – dabei dürfte es sich um einen wasserdichten Stoff handeln
lb – Pfund
Gefunden wurde dieser Artikel von Herrn Ludwig Leuthner aus Fels in den Akten des Kreisgerichtes Krems, 82 Herrschaftsakten Grafenegg, Strafsachen - im NÖ Landesarchiv in St. Pölten.
Februar 2013, letzte Änderung April 2024
Maria Knapp

















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