Allgemeines über die Donau
Die Donau weist eine Gesamtlänge von 2.850 km auf, von denen ca. 2.412 km schiffbar sind. Sie durchfließt zehn Länder - Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien (Grenzfluss), Serbien, Bulgarien (Grenzfluss), Rumänien, Moldawien und die Ukraine (Grenzfluss) - so viele wie kein anderer Fluss auf der Erde. Das riesige Biosphärenreservat Donaudelta, die Mündung ins Schwarze Meer, erstreckt sich über Rumänien und zu einem kleinen Teil über die Ukraine. Nach der Wolga ist die Donau der zweitlängste Strom Europas und fließt als einziger von West nach Ost.[1]
Ausschnitt aus der Niederösterreichkarte von Georg Matthäus Vischer, 1697 © NÖ Landesbibliothek, Kartensammlung, St. Pölten 155 m, also ca. 40 cm pro Kilometer.[7]
Drang nach Süden
Durch die Zentrifugalkraft erfolgt auf der nördlichen Erdhalbkugel eine
Abdrängung der Flussläufe nach Süden. Besonders deutlich wird dies, wenn ein Fluss flaches Land durchquert. Am Beispiel der Donau ist das im Tullner Becken gut zu erkennen.
Besonders stark ist dieser Effekt an der Spitze des Wienerwaldes bei Greifenstein. Dort schlängelt sich die Donau ganz eng an den Bergen vorbei, obwohl das gesamte Augebiet nördlich davon die gleiche Höhe hat. Diese Stelle mit der leichten Schlinge war deshalb auch ideal, um das Kraftwerk Greifenstein zu errichten.
Da der Fluss immer an den rechten Rand des Beckens gedrückt wird, ist am linken Ufer meist ein größeres Augebiet vorhanden.[8]
Die Donau drängte immer mehr nach Süden, gestaltete demgemäß das Auland um und unterwusch auch den rechten Niederwagram. Wohl haben dem die rechten Nebenflüsse durch ihre Schotterführung entgegengewirkt, immerhin melden die Chronisten seit dem 15. Jahrhundert von einem ständigen Rechtsdrängen der Donau.[9]
[1] HASELHORST, DITTMANN, Die Donau, 2008, S.9.
[8] https://www.ds.mpg.de/212128/20 Abruf am 27.5.2024.
[9] Ludwig PIFFL, Die verschollenen Donauorte im Tullner Becken in: Heimatkalender des Tullner Bezirkes, 1954, S.155.
Altenwörther Schiffmüller
Unten: Zeichnungen einer Schiffmühle nach H.Ernst 1805
Linkes Bild: Links ist das Hausschiff rechts das Wellschiff; dazwischen das große Wasserrad.
Rechtes Bild: Im Hausschiff ist die Mühlentechnik untergebracht.
Anweisung zum Praktischen Mühlenbau von H. Ernst, Leipzig 1805
Buch im Bestand von molinologe; Wikipedia
1651 verkaufte der Müller Andreas Zeitlberger seine Behausung in Winkl.
Im Plan der Donauregulirungs-Commission für Niederösterreich, Strecke Krems-Tulln, sind im Mühlwasser zwei Schiffmühlen eingezeichnet
Karte: Herbert Eder, Kollersdorf
Die Schiffmühlen im Franziszeischen Kataster Der Plan wurde nachträglich geändert und das Grundstück 245 hinzugefügt.
© Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, Katastralmappenarchiv, Wien http://www.bev.gv.at/portal/page?_pageid=713,1604790&_dad=portal&_schema=PORTAL
Von der gräflich Breunerischen Herrschaft Gravenegger Amtskanzley wird hiemit zu wissen gemacht: es sey über die aus Abgang einiger Käufer fruchtlos verstrichenen Licitationstagsatzung zu der dem Anton Nußbaumer angehörigen seit Anfang 1776 verlassenen Schiffmühl zu Altenwörth, eine nochmalige Licitationstagsatzung auf den 26. März d. J. bestimmt worden; solchemnach werden all und jede, welche ermeldte Schiffmühl samt den vorhandenen Werkzeug käuflich an sich zu bringen gedenken, an bemeldten Tag früh um 8 Uhr in der Herrschaft Gravenegger Amtskanzley erscheinen, wo mit den Meistbietenden der Kauf geschlossen werden soll.
1785 verkauften Stephan Gruber und seine Ehefrau Magdalena ihre neu erbaute Behausung und die ihnen gehörige Schiffmühle mit allem Zubehör. Der Käufer sicherte ihnen noch ein Jahr Wohnrecht in einer Kammer des Hauses zu.
(ÖLA, Kreisgericht Krems, Herrschaft Grafenegg, 82/63 Kaufprotokoll VII 1785-1798)
Der Müller Joseph Bauer starb 1794 mit nur 35 Jahren. Seine Mühle wurde daraufhin versteigert:
Licit. Haus sammt Mühlwerk.
Von der Herrschaft Grafenegg im V.U.M.B. wird hiemit bekannt gemacht: daß, nach Absterben des Joseph Bauer, Schiffmüllers und behaust. Herrschaft Grafenegger Unterthan zu Altenwörth an der Donau, die hinterlassene Wittib die Behausung und Mühlwerk zu übernehmen nicht vermögend ist, von Seiten der Herrschaft zum Vortheil der Erben, mit Einverständnis der Wittib und des Gerhabers, die Veranstaltung getroffen, daß diese Behausung, sammt dem Mühlwerk, wie auch ein und andere …ten durch öffentliche Versteigerung an den Meistbietenden hindangegeben werden. Zu dem …de wird der 6. August d. J. bestimmt, und die diesfällige Licitation zu Altenwörth in gedachter Behausung früh um 9 Uhr vorgenommen werden, wozu die Kauflustigen erscheinen können.
(Wiener Zeitung vom 9. 7. 1794, S. 2038)Sie dürfte aber doch in der Familie geblieben sein, denn die Witwe Franziska heiratete Leopold Gabler, gewester behaußter Müllermeister aus Walperstorf in Arbeit stehend. Doch auch dieser Ehe war keine lange Dauer beschieden, denn bereits 1797 ehelichte sie den Mühljungen Franz Lades.
1795 wurden drei Schiffmühlen, die den Schiffzügen ganz besonders hinderlich waren, entfernt.
(C. SCHRAML, Salinenwesen 2 S. 292, in: NEWEKLOWSKY. Die Schiffahrt und Flößerei, Linz 1954, S.210)
1814 scheint in den Pfarrmatriken die Müllerswitwe Anna Maria Eder als Taufpatin auf.
1824 ließ die Herrschaft die dem Georg Müller und seiner Frau Magdalena gehörige Mühle samt allem Inventar versteigern, ebenso ihr Haus Nr. 28 (heute Sigmarstraße 33):
Licit. Haus, Donau-Schiffmühle sammt Zugehör und Fahrnisse.
Von dem Justizamte der Herrschaft Grafenegg wird hiermit bekannt gemacht: Es sey in die executive Feilbiethung der dem Georg Müller und Magdalena dessen Ehewirthin gehörigen, und auf 600 fl C. M. gerichtlich geschätzten Hauses zu Altenwörth Nr. 28, dann der denselben ebenfalls eigenthümlichen, auf 887 fl. 30 kr. C. M. gerichtlich geschätzten Donau-Schiffmühle sammt Zugehör und sonstigen Fahrnisse, gewilliget, und zur Vornahme derselben der 27. Januar, 27. Februar, und 27. März d. J. mit dem Beysatze bestimmt worden, daß dieses Haus sowohl, als die Schiffmühle und übrigen Fahrnisse, wenn sie bey der ersten und zweyten Feilbiethung, um die Schätzung oder darüber nicht an den Mann gebracht werden sollten, bey der dritten und letzten auch unter dem Schätzungwerthe hindangegeben werden würden. Kauflustige haben daher an den genannten Tagen Vormittags um 10 Uhr in dem Hause zu Altenwörth Nr. 28 zu erscheinen.
(Wiener Zeitung vom 19.1.1824, S.112, veröffentlicht in ANNO.)
Theresia Scheuch, Tochter des 1815 verstorbenen Müllermeisters Mathias Scheuch, heiratete 1824 Karl Haidvogel, Sohn des Ottendorfer Schiffmüllers.
1828 heiratete der Schiffmüller Michael Korner die Hauerstochter Katharina Hof aus Altenwörth. 1844 ist er noch als Müllermeister in Nr. 38 (heute Austraße 3) genannt, 1846 starb er als Armenhauspfründler in Nr. 29. Das Ehepaar dürfte keine Kinder gehabt haben.
Die Statistische Commission führte 1865 unter den Schifffahrtshindernissen bei Altenwörth 8(!) für die Schifffahrt ungünstig situirte Schiffmühlen an.
(Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. Herausgegeben von der k.k. Statistischen Central-Commission. IV. Heft. Wien, 1867. Schiffahrt und Verkehr auf der Donau und ihren Nebenflüssen im Jahre 1865, S.23)
Der Schiffmüller Anton Weiß, Hauerssohn aus Kollersdorf, wohnhaft in Nr. 10 (heute Sigmarstraße 12), heiratete 1845 Anna Maria Linninger. Er starb 1868. 1877 stand die Mühle zum Verkauf.
((Neuigkeits) Welt Blatt vom 13.7.1877 S.6, veröffentlicht in ANNO)
Während des Preußisch-Österreichischen Krieges im Jahr 1866 ließ man alle Schiffmühlen, Schiffe, Plätten, Zillen sowie alles Lang- und Bauholz auf das jenseitige Ufer nach Zwentendorf oder nach Wien bringen, um dem Feind kein Material zum Brückenbau zu lassen.
(Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Karl GRÖSSINGER (1859-1873), S.111)
In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1875 brannten alle drei zu den Mühlen gehörigen Hütten am Ufer aus ungeklärter Ursache ab.
(Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Peter OTTEPP (1873-1889), S.135.)
1876 wurde eine Mühle vom Eigentümer im Haus Nr. 4 (heute Schwemmgasse 2) zum Kauf angeboten, die Karl Handbüchler erworben haben dürfte. Sein Vater Ignaz, geboren vor 1825, wird als Schiffmüller in Drösing bei Hohenau an der March, in Tulln und in Altenwörth genannt.
((Neuigkeits) Welt Blatt vom 23.4.1876, S.12, veröffentlicht in ANNO)
Am 24. Februar 1882, um 2 Uhr morgens, brannte die dem Paul Lindner gehörige Schiffmühle ab, ohne sonstigen Schaden anzurichten. Die Brandursache war wieder unbekannt.
(Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Peter OTTEPP (1873-1889), S.139)
Laut Aufzeichnungen in den Pfarrmatriken waren die letzten Mühlenbesitzer wahrscheinlich Paul Lindner, Karl Handbüchler und Anton Haslinger.
Die Donaukarte der DDSG aus dem Jahr 1918 zeigt nur mehr eine Schiffmühle am rechten Ufer oberhalb von Zwentendorf, eine Schiffmühle am linken Ufer zwischen Zwentendorf und Tulln und zwei Schiffmühlen unterhalb von Tulln.
(NEWEKLOWSKY. Die Schiffahrt und Flößerei, Linz 1954, S.210)
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges betrieb Anton Altmann neben dem Sägewerk eine Schrotmühle. Er legte das Gewerbe mit 1.1.1946 still.
(Unterlagen der Gemeinde Altenwörth, 6.11.1947)
Familie Bsteh
Joseph Bsteh wird 1779 bei der Heirat seines Sohnes Johann Michael in den Pfarrmatriken Kirchberg als Müller in Gigging 7 bezeichnet. Woher die Familie ursprünglich stammte, geht aus den Einträgen nicht hervor.
Johann Michael Bsteh (geb. vor 1759 – 1829) wird als Schiffmüller genannt.
Dessen Sohn Michael Bsteh (1788 – 1849) übernahm die Mühle. Keiner der Nachfahren aus zwei Ehen führte den Betrieb weiter - einige der Kinder starben früh. Nach seinem Tod ehelichte seine Witwe den um 20 Jahre jüngeren, aus Stetteldorf stammenden „Müllerjungen“ Ignaz Janisch (1829 – 1906). Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor. Die Mühle dürfte dann verkauft worden sein.
Wie alle Müller hatte die Familie ein Haus im Ort. Johann Michael Bsteh wird bei seiner Heirat in Gigging 7 genannt, bei seinem Tod in Altenwörth 9.
Michael ist in Altenwörth 5 geboren und auf Nr. 37 (später Gasthaus Hametner) gestorben, wo auch die meisten seiner zehn Kinder geboren sind. Er dürfte das Haus also um 1830 erworben haben.
Seine Witwe Barbara geb. Weiger hat mit ihrem Gatten Ignaz Janisch im Haus Nr. 39 gewohnt, wo beide auch verstorben sind. Er war auch Vizebürgermeister bzw. 1. Gemeinderat.
Anton Bsteh, ein Bruder von Johann Michael war Viktualienhändler in Altenwörth.
Johannes Bsteh war Obsthändler.
Eine Schwester heiratete einen Müller in Zwentendorf, Schwester Anna den Johann Scheuchenstuhl, dieser Name ist älteren Bewohner noch ein Begriff.
Carolina, eine Tochter von Michael, heiratete den Müller der Krottenmühle bei Bösendürnbach. (Die Müller dürften häufig untereinander geheiratet haben.)
Weitere Quellen:
Pfarrmatriken Altenwörth und Kirchberg am Wagram
Juli 2021, letzte Änderung April 2024
Maria Knapp
Der Donau-Altarm
Der Donau-Altarm bei Altenwörth entstand durch die Umleitung der Donau im Jahr 1975 in ihr neues Bett im Zuge der Errichtung des Donaukraftwerkes. Näheres siehe hier.
Die Donaualtarmbrücke
Gedenkstein anlässlich der Errichtung der Donaualtarmbrücke Winterstimmung am Altarm, 2017
Foto: Maria Knapp
Um Schwemmholz vom Mühlwasser fernzuhalten, wurde 2012 vor dem Steg eine künstliche Landzunge, ein so genannter „Sporn“ angelegt.Treppelweg und altes Donau-Ufer
Die ehemalige Pegelmess-Stelle
Info-Häuschen, 2017Bei Altenwörth wurde der aktuelle Pegelstand anhand der Höhenmarkierungen an der Stiege abgelesen, die etwa 150 m unterhalb des Gasthauses Einwögerer liegt. Die selbstschreibende Messstation wurde im Jahr 1953 unter großem baulichem Aufwand errichtet. Der Pegel musste mit der Donau verbunden werden, dazu wurden Straße und Ufer aufgegraben. Über Jahrzehnte las Rupert Wanko, der beim Strombauamt angestellt war, den Wasserstand ab. Ab 1969 war es Franz Ruby, der die aktuellen Pegelstände an das Hydrografische Institut in Wien weiterleitete. Der Pegel musste jeden Tag abgelesen und der Wert weitergemeldet werden. Einmal wöchentlich überprüfte ein Messbeauftragter die Werte des Pegels und die Höhenmarkierungen an der Stiege auf ihre Übereinstimmung. Jede Woche war auch das karierte Papier auf der großen Rolle im Pegelhäuschen zu wechseln, wobei eine zweite Person helfen musste.[4]
Ausbaggern von Donau bzw. Altarm
[1] Museum Niederösterreich, St. Pölten, Ausstellung „Katastrophen“, 2017/18
Nicht benannte Fotos: Maria Knapp
Die Donauauen bei Altenwörth und Winkl
Treibholz hat sich in den Bäumen verfangen, 2016
Die Donauauen östlich von Altenwörth, Kernkraftwerk Zwentendorf, 2009 Foto: Hermann Pistracher, Kirchberg am Wagram
Ehemalige Inseln
Weitere Fotos zur Insel siehe hier.
Waldschutz in früherer Zeit
Holzwirtschaft
Die Au heute
Gleditschie, verschiedene Ulmenarten und eine Vielzahl von Sträuchern oder Bäumen geringerer Größe vor, wie Grauerle, Traubenkirsche, Apfel und Birne, Weißdorn, Roter und Gelber Hartriegel, Schlehdorn, Liguster und andere.
Vom Biber zerbissenes Holz
Nicht benannte Fotos: Maria Knapp
Die Entstehung der Donau
Bis vor etwa 17 Millionen Jahren waren das gesamte Alpenvorland und das Weinviertel von einem Meer, der Paratethys, bedeckt. Durch die Hebung der Alpen und Karpaten zog sich dieses Meer vor ca. elf Millionen Jahren ostwärts in das Wiener Becken und die Pannonische Tiefebene zurück und bildete dort den Pannonen See. Auch das Gebiet des heutigen Tullner Feldes wurde dadurch zur Landfläche.
Vom Wagram zur Donau
[1] Informationen von Dr. Reinhard ROETZEL
Die Insel
Die Donauauen östlich von Altenwörth, Kernkraftwerk Zwentendorf, 2009 Altenwörth, ein Teil des Kraftwerkes Fotos: Hermann Pistracher, Kirchberg am Wagram
Die Leute an der Donau
Wenn man heutzutage durch Altenwörth, Gigging oder Winkl geht, erkennt man keinen Unterschied zu den Ortschaften der Umgebung. Das war aber anscheinend nicht immer so.
Das erste Mal wurde ich auf diesen Umstand aufmerksam, als Herr Dechant Morgenbesser anlässlich der Einweihung der Winkler Kirche nach der Renovierung im Jahr 1992 die schlechte physische und psychische Beschaffenheit der Winkler in früherer Zeit erwähnte.
Im Zuge der Heimatforschung ist mir dieser Umstand wieder eingefallen und ich habe mich auf die Suche nach entsprechenden Textstellen gemacht – und ich wurde ich bald fündig…
Der Grund für den schlechten gesundheitlichen Zustand waren u.a. die Donau mit ihren Nebenarmen, die ständigen Überschwemmungen, die feuchte Luft und der häufige Nebel.
Topographische Tabelle von 1817
Die hiesigen Einwohner sind mit einer ebenso betrübten Leibbeschaffenheit behaftet, und gleichen Überschwemmungsgefahren ausgesetzt, wie die Einwohner von Altenwörth, wovon dieser Artikel nachzulesen ist. Auch ist der hiesige Fruchtboden und die hiesigen Naturprodukte den Altenwerdischen ganz ähnlich.
Der erwähnte Artikel über Altenwörth:
…..Es ist leicht zu begreifen, daß dieser Ort Überschwemmungen ausgesetzt ist, so oft der Strohm überläuft. Noch ein größeres Unglück ist, daß Altenwerd, Gicking , Winkel und zum Theile Kollersdorfs, viele Menschen beyden Geschlechtes erzeugen, welche, wie es die gewöhnliche Redensart dieser Gegend, die auch in Kanzleyschriften vorkömmt, nicht ungeschickt ausdrückt, nicht recht weltläufig sind: Sie sind sehr klein und übel gewachsen, haben Kröpfe, oder doch sehr dicke Hälse, sind großköpfig, zeigen wenig Vernunft, kommen mit der Sprache sehr schwer fort, mehrere derselben sind Taube, und folglich zum Soldatenstande ganz unbrauchbar. Luft und Wasser sind der Gesundheit nachtheilig.
Wenn man den Eintrag nun zum Beispiel mit dem von Neustift vergleicht, wird dort auf den „Beschaffenheit der Menschen“ gar nicht eingegangen, man erfährt nur:„Sowohl die Luft als das Wasser ist gut und gesund.
Pfarrchronik Altenwörth, Pfarrer Anton Walser (1810 – 1825)
Die Luft ist hier wie an großen Flüssen etwas feucht und fiebericht, doch stimmt der Ruf von der ungesunden Lage Altenwörths mit der hiesigen Sterbensrate nicht überein und scheint sehr übertrieben, weil die jährliche Zahl der Ortsbewohner, die sterben, anderen Orten ziemlich gleichkommt. Die Brunnen in Altenwörth, die wegen der nahen Donau nicht tief sein können, haben der vielen unreinen Lacken wegen nicht das beste Wasser.
Bezüglich der Pfarrbevölkerung hat der Pfarrer folgende Wahrnehmungen gemacht:
Die Politik hat hier einen solchen Wellenschlag gemacht wie in Orten, die an Verkehrsadern liegen, eine konservative, patriotische Geistesrichtung war stets vorherrschend. Das Donaudörfchen war dem Frohsinn stets zugänglich und die Poesie des Dorflebens wickelte sich meist am Donauufer ab. Ein spezifisches Merkmal waren früher die vielen „Überländer“, d.i. Idioten und Rentiers, unliebsame Denkzeichen jeder Zeiten, wo Altenwörth Marktfuhrplatz gewesen ist. Damals floss der Alkohol in Strömen. Tempi passati! Gottlob, hat der Tod mit diesen armen Menschen aufgeräumt!!
Catastral Schätzungs Elaborat der Enclave Winkl H.548“ um 1830
Einleitung § 1:
Die Ried von Süden gegen Norden von zerstreut liegenden einzelnen von Obstgärten ringsherum umgebenen Häusern aufgebaut, befindet sich fünf Viertel Stund vom oben erwähnten Donaustrom und ebenso weit von der entlegensten Rieden. Die Nähe der Donau und die zu sehr tiefe Lage des Ortes erzeugen häufige Nebel, daher hier einige örtliche Krankheiten als Fieber etc., so wie mutmaßlich das Trübwasser die hiesigen Inwohner kröpfig macht, welche Kröpfe oft zu einer beträchtlichen Größe hervorwachsen und gegen die meist blass gelbe Farbe des Angesichts grell abstechen.
§ 5, Flüsse, Bäche, Teiche, Seen, Moraste
Im südlichen Teil der Freiheit durchzieht mit mehreren Ästen der Donaustrom, welcher, wenn er diese Ufer übertritt, den größten Teil dieses Burgfriedens unter Wasser setzt, ja auch schon den Fall herbeiführte, dass das Wasser so gewaltig über ihre Häuser zugenommen hat, dass die hiesigen Bewohner ihre Häuser zu verlassen nicht mehr im Stande waren und sich stets an wachsendem Wasser nötigt sahen, ihre Wohnungen auf dem Boden aufzuschlagen. Zu dieser Lage wird die Herrschaft Grafenegg bemüßiget, diesen Notleidenden Nahrungsmittel zuzuführen. Auf diese Art wirkt hier der Donaustrom verderbend ein, nicht nur, dass er diese Feldfrüchte zu Grunde richtet und die Grundstücke beinahe verödet, sondern er verdirbt auch, wenn er in die Häuser eindringt, alles, was nicht weggeräumt worden, und wird der Gesundheit durch die zurück gelassenen fauligen Wasser, welches sich dann versitzen muss, höchst nachteilig.
§ 10, Kultur des Bodens
Würde der hiesige Landmann die Zwecke der verschiedenen landwirtschaftlichen Verrichtungen, und die entsprechende Methode in der Bereitung des Düngers kennen, so könnte der verschiedenartige Ertrag des Bodens um ein Bedeutendes gehoben werden und der Landmann zu einem gewissen Wohlstande gelangen, wo er hier gegenwärtig mit dem Elende kämpft.
Franz Xaver Schweickhardt (1794 – 1858)
veröffentlichte zwischen den Jahren 1831 – 1841 eine „Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns", wo er auch auf die Wassergüte und das Klima der Donau-Orte einging:
Altenwörth: Die Bewohner, verschieden mit Grundstücken bestiftet, nähren sich blos vom Ackerbau, und bestellen ihre Felder welche häufigen Ueberschwemmungen der Donau ausgesetzt und nur mittelmäßig zu nennen sind, ....Die Nähe der Donau macht das Klima weniger gesund, auch ist das Wasser von keiner besonderen Güte.
Gigging: Das Klima ist wegen der Nähe der Donau nicht besonders gesund, jedoch das Wasser gut. Die Gegend wäre eben nicht unangenehm , allein die öfteren Ueberschwemmungen der Donau, von welchen dieß Dörfchen gar oft heimgesucht wird, richten nicht selten großen Schaden an.
Kollersdorf: Hauptbeschäftigung des hiesigen Landmannes ist der Ackerbau, wozu die Gründe zwar gut, aber den Ueberschwemmungen der Donau ausgesetzt sind.
Frauendorf: Sie nähren sich von Ackerbau und bebauen ihre Grundstücke, von welchen jedoch ein Theil den Ueberschwemmungen der Donau ausgesetzt ist.
Sachsendorf: ... wozu die Gründe ziemlich gut und ertragfähig wären, doch aber öfters durch die Ueberschwemmungen der Donau Beschädigungen erleiden.
Winkl:. Die Grundstücke wären im Durchschnitte ziemlich gut, nur sind sie durch das öftere Austreten der Donau den Beschädigungen ausgesetzt. Von den Körnergattungen werden Gerst, Rocken und Hafer gefechset; auch gibt es viel und gutes Futter für das Hornvieh. Das Klima ist der sumpfigen Lage wegen nicht gesund, und das Wasser nicht gut.
Pfarrchronik Kirchberg am Wagram, Koop. Wilh. Sponer (1883 - 1890)
"... Von Herrn Bösel aber ist noch zu bemerken, daß er es gewesen ist, der Winkl bewohnbar gemacht hat. Früher war der ganze Ort eine stinkende Sumpflacke, die Leute zum großen Theile blöd und mißgestaltet, wie man heute noch einige Exemplare sehen kann.
Heimatkundlichen Stoffsammlung, 1948, Lehrer Leopold Engelberger
Wenn man von Absdorf die Straße über Bierbaum-Frauendorf fährt, zweigt kurz vor Neustift ein Bezirkssträsslein nach Süden ab, das nach Winkl führt. Nach einer Viertelstunde erreicht man das Dorf. Die kleinen, ebenerdigen Häuser, aus gebrannten und ungebrannten Ziegeln gebaut, alle mit Ziegeln gedeckt, unterscheiden sich nicht von der in unserer Gegend üblichen Art. Der bunte Anstrich verleiht ihnen ein fröhliches Aussehen und lässt übersehen, dass sie kleiner und bescheidener sind, wie die in anderen Orten unseres Bezirkes.
Der Ort erscheint im Gegensatz zu den Strassendörfern unserer Gegend aufgelockert. Es klebt nicht ein Haus am andern. Der Grund ist wohl darin zu suchen, dass der Ort im Hochwassergebiet liegt und die Erfahrung die Menschen bewog, nur die höchsten Punkte als Wohnplätze zu benutzen. Selbst die lagen oft noch tief genug und die Hochwasser der vergangenen Zeit haben oft genug Not und Leid gebracht.
Februar 2012
Maria Knapp
















































































